EU will Alkohol teurer machen

An Rhein und Ruhr..  Die großen Brauereien in Deutschland laufen Sturm gegen Pläne der Europäischen Union, alkoholische Getränke deutlich zu verteuern. Der Gesundheitsausschuss im EU-Parlament hat eine entsprechende Resolution auf den Weg gebracht, über die das Parlament Ende April abstimmen wird. Der Vorstoß sieht vor, einen Mindestpreis für Alkohol einzuführen, das Mindestalter für den Konsum auf 18 Jahre anzuheben sowie Warnhinweise für Schwangere und zusätzliche Nährwertangaben (Kalorien) auf den Gebinden vorzuschreiben.

Die Befürworter der Resolution führen als Begründung insbesondere den Kampf gegen Alkoholmissbrauch an. Ob es wirklich zu Preiserhöhungen kommt, ist aber fraglich: Am Ende müssen die Mitgliedsstaaten im Ministerrat einstimmig entscheiden. Trotzdem befeuert Brüssel nun erneut die Diskussion über den Umgang mit Alkohol.

Der Deutsche Brauerbund bezeichnete mögliche Mindestpreise als einen „diskriminierenden und völlig unzulässigen Eingriff“. Es gebe keine Belege dafür, „dass staatlich verordnete Preiserhöhungen oder ,Strafsteuern’ Missbrauch eindämmen könnten“, sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. „Wir sind der Meinung, dass es keine ,gesunden’ oder ,ungesunden’ Lebensmittel gibt, sondern allenfalls gesunde und weniger gesunde Lebensweisen.“

Keine präventive Wirkung

Gegen den Aufdruck von Kalorienangaben hat der Brauerbund nichts einzuwenden, gegen Warnhinweise für schwangere Frauen schon: Diese Hinweise hätten keine präventive Wirkung. Die Krombacher Brauerei schloss sich dieser Auffassung an.

Das sieht Jürgen Naundorff, Sekretär der Suchthilfeorganisation „Blaues Kreuz“, anders. „Dass man sich nun auf europäischer Ebene auch der Problematik des Alkoholkonsums annimmt, ist ein längst überfälliger Schritt. Wir müssen allein in Deutschland von rund 74 000 jährlichen Todesfällen durch Alkoholkonsum ausgehen. Und um dem entgegenzuwirken, braucht es ein ganzes Bündel von Maßnahmen.“

Er ist überzeugt davon, dass entsprechende Hinweise durchaus helfen könnten, den Alkoholkonsum einzugrenzen. „Es ist eben nicht nur ein Genussmittel, sondern auch eine Substanz mit hoher Suchtwirkung“, so Naundorff.