EU gibt grünes Licht für Operation gegen Schlepper

Immer wieder müssen in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet werden. Die EU-Staaten wollen nun gemeinsam gegen die Schlepper vorgehen.
Immer wieder müssen in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet werden. Die EU-Staaten wollen nun gemeinsam gegen die Schlepper vorgehen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die geplante EU-Operation gegen Schlepper im Mittelmeer nimmt Gestalt an. Auf einer Ministersitzung gaben die Mitgliedstaaten grünes Licht für die Vorbereitung des Einsatzes.

Brüssel.. Wenn es nach Federica Mogherini geht, soll es schon im Juni ungemütlich werden für die Schlepper im Mittelmeer. Nach den Plänen der EU-Chefdiplomatin soll dann eine gemeinsame Operation („GSVP-Mission“) der Europäischen Union gegen die kriminellen Banden anlaufen, die Flüchtlinge in oftmals seeuntüchtigen Booten über das Mittelmeer Richtung Europa schicken und damit viel Geld verdienen. Die Zerschlagung dieser Netzwerke, einschließlich der möglichen Zerstörung ihrer Schiffe, ist nach einem Beschluss der Staats- und Regierungschefs Ende April EU-Programm, und die Italienerin an der Spitze der EU-Außenpolitik drückt aufs Tempo.

Am Montag billigten die EU-Außen und Verteidigungsminister in gemeinsamer Sitzung das Konzept der Italienerin, weniger als einen Monat nach dem Auftrag des Gipfels. „Ein absoluter Zeitrekord“, sagte Mogherini. Die Planung und Vorbereitung könne jetzt anlaufen. Vor dem nächsten Außenministertreffen im Juni hofft die EU auf eine Genehmigung der gesamten Mission durch die Vereinten Nationen. Um ein entsprechendes Mandat nach Kapitel VII der UN-Charta („Maßnahmen bei Bedrohung oder Bruch des Friedens und bei Angriffshandlungen“), das auch militärisches Vorgehen abdeckt, bemühen sich gegenwärtig Großbritannien und Frankreich als ständige Mitglieder, Spanien und Litauen als derzeitige Mitglieder des Sicherheitsrates.

Hauptquartier des Einsatzes soll in Rom eingerichtet werden

Dabei müssen Vorbehalte der Veto-Mächte China und Russland überwunden werden. Vor allem die Russen sind misstrauisch: Sie fühlen sich von der Nato hintergangen, die 2011 unter Berufung auf ein UN-Mandat mit Waffengewalt das Regime des libyschen Obersten Gaddafi gestürzt hatte. Gegen Schleuser ist nach Auffassung Moskaus allenfalls eine Operation zur See zulässig, nicht aber zu Land oder aus der Luft. Mogherini gab sich aber in Brüssel zuversichtlich für das Zustandekommen einer Entschließung des Sicherheitsrates in ihrem Sinne. Sie habe bei der UN in New York „keine größeren politischen Widerstand“ feststellen können.

Flüchtlingsdrama Nun soll die erforderliche Logistik aufgebaut und über das EU-Satellitenzentrum im spanischen Torrejon de Ardoz sowie durch Flugzeuge der Mitgliedsstaaten in Erfahrung gebracht werden, wo genau die Schlepper aktiv sind. Das Hauptquartier des Einsatzes, der von einem italienischen Konteradmiral befehligt wird, wird in Rom eingerichtet. Wenn die UN in New York grünes Licht gibt, soll dann nach Mogherinis Plan „die Zerstörung von Wasserfahrzeugen und Ausrüstung der Schmuggler auf hoher See“ folgen. Gegebenenfalls will man die Schlepper auch ins libysche Hinterland verfolgen – ein Element, dem Moskau kaum zustimmen dürfte.

Unsicher ist auch, ob eine hinreichend legitimierte Zustimmung Libyens erreicht werden kann – dort rivalisieren zwei Regierungen um die Führung des Landes. „Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass eine Mission am Ende die Flüchtlingsströme dann nicht entscheidend beeinflussen wird, wenn es uns nicht gelingt, in Libyen selbst für stabilere Verhältnisse zu sorgen“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.