Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Beschneidung

Ethikrat würde Beschneidungen wohl unter Auflagen erlauben

23.08.2012 | 16:44 Uhr
Ethikrat würde Beschneidungen wohl unter Auflagen erlauben
Der Deutsche Ethikrat tendiert dazu, Beschneidungen kleiner Jungen aus religiösen Gründen zu erlauben.Foto: dapd

Berlin.  Die Debatte war kontrovers, aber es zeichnet sich eine Tendenz ab. Die Mehrheit im Deutschen Ethikrat ist für eine Erlaubnis der Beschneidung kleiner Jungen aus religiösen Gründen. Allerdings nur, wenn beide Eltern zustimmen und sichergestellt ist, dass die Kinder keine Schmerzen leiden müssen.

Der Deutsche Ethikrat hat nach kontroverser Debatte eine Tendenz für die Erlaubnis der Beschneidung kleiner Jungen aus religiösen Gründen erkennen lassen. Eine solche Erlaubnis sei allerdings nur unter Vorbehalten denkbar, sagte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, am Donnerstag in Berlin . Dazu gehöre die Einwilligung beider Elternteile, die Schmerzbekämpfung und "fachgerechte Durchführung" der Beschneidung.

Die Mitglieder des Gremiums sprachen sich nach einer mehrstündigen Diskussion zudem für die Gründung eines Runden Tisches aus, an dem Juden, Muslime, Elternvertreter und Ärzte aller Fachrichtungen gemeinsam Leitlinien zur Beschneidung und für deren intensivere Erforschung entwickeln sollen. Als Grundvoraussetzungen für die Erlaubnis der Beschneidung nannte der Mediziner Leo Latasch die Einführung eines Rechts auf Schmerzreduktion, die Einhaltung hygienischer Standards und eine Prüfung der Beschneider.

Das Landgericht Köln hatte die Beschneidung eines Jungen als Körperverletzung gewertet

Anlass für die Beratungen des Ethikrats war ein Urteil des Landgerichts Köln. Dieses hatte kürzlich die Beschneidung eines vierjährigen Jungen als rechtswidrige Körperverletzung gewertet und damit einen Sturm des Protests in muslimischen und jüdischen Gemeinden ausgelöst. Um die Verunsicherung zu beenden, forderte der Bundestag im Juli die Regierung auf, bis Herbst einen Vorschlag für die gesetzliche Regelung vorzulegen.

Der aus der Türkei stammende Medizinethiker Ilhan Ilkilic begrüßte nach der Diskussion im Ethikrat, dass sich eine Mehrheit seiner Kollegen für eine Straffreiheit bei der Beschneidung ausgesprochen habe. Wenn in Deutschland aufgewachsene Muslime sich durch das Urteil kriminalisiert fühlen müssten, "ist das natürlich keine angemessene Situation", hob er hervor. Ilkilic betonte zugleich, dass das Menschenrecht klare Grenzen setze. So werde beispielsweise weibliche Genitalverstümmelung auch von Muslimen klar abgelehnt.

Muslimische und jüdische Gemeinden hatten klare Regeln zu Beschneidung gefordert

Kritisch zur Praxis der Beschneidung äußerte sich in der Diskussion der Hamburger Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel. Vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Juden nach dem Kölner Urteil das Land verlassen könnten, erkenne er zwar an, dass der Gesetzgeber nach Wegen suche, die Beschneidung zu ermöglichen, sagte Merkel. Nach geltendem Recht ist aus seiner Sicht jedoch die mit der Beschneidung verbundene Verletzung des kindlichen Körpers rechtswidrig. Merkel warnte vor der Schaffung eines "Sonderrechts", das eine frühkindliche Beschneidung auch "aus willkürlichen, extravaganten Gründen" erlauben müsse.

Andere Ethikrat-Mitglieder sahen indes das Recht, ihre Kinder beschneiden zu lassen, durch das elterliche Erziehungsrecht abgedeckt. Der Erlanger Theologe Peter Dabrock argumentierte in seinem Kurzreferat, dass das Kindeswohl und eine aus religiösen Gründen vorgenommene Beschneidung an nicht-einwillungsfähigen Jungen nicht unvereinbar seien. Eine Beschneidung zu verhindern, wäre zudem "ein schwerer Eingriff in die positive Religionsfreiheit jüdischer und muslimischer Menschen". (AFP)



Kommentare
23.08.2012
20:47
Ethikrat würde Beschneidungen wohl unter Auflagen erlauben
von maggiet | #3

Ginge es um die Beschneidung von Mädchen, wäre das Verbot längst da.

Cheers
Maggie

23.08.2012
17:18
Es gibt keine Beschneidung ohne Schmerzen und ohne Komplikationsrisiko.
von Akim | #2

Es gibt keine Beschneidung ohne Schmerzen und ohne Komplikationsrisiko.
von Akim

Der Ethikrat liegt falsch.

Es gibt keine schmerzfreie Beschneidung. Selbst wenn der Eingriff unter Vollnarkose erfolgt, was im Neugeborenenalter gar nicht möglich ist, leidet der Junge in der Zeit der Wundheilungszeit unter Schmerzen-

Auch führt die Beschneidung auch unter sachgerechter Durchführung unter medizinischen Bedingungen immer wieder zu Komplikationen.

http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/komplikationen/verantwortungsvoll-durchgefuehrte-beschneidungen-und-ihre-folgen.html

Solange die Beschneidung ohne therapeutische Notwendigkeit erlaubt, ist werden immer wieder Kinder schwer geschädigt werden. Diese sind die Opfer für die Toleranz gegenüber religiösem Brauchtum.

23.08.2012
17:03
Ethikrat würde Beschneidungen wohl unter Auflagen erlauben
von Bierschreck | #1

Verstümmelungen bleiben Verstümmelungen und gehören verboten. Egal ob bei Jungen oder Mädchen. Schlimm, diese altertümlichen Sitten.

1 Antwort
Es gibt keine Beschneidung ohne Schmerzen und ohne Komplikationsrisiko.
von Akim | #1-1

Der Ethikrat liegt falsch.

Es gibt keine schmerzfreie Beschneidung. Selbst wenn der Eingriff unter Vollnarkose erfolgt, was im Neugeborenenalter gar nicht möglich ist, leidet der Junge in der Zeit der Wundheilungszeit unter Schmerzen-

Auch führt die Beschneidung auch unter sachgerechter Durchführung unter medizinischen Bedingungen immer wieder zu Komplikationen.

http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/komplikationen/verantwortungsvoll-durchgefuehrte-beschneidungen-und-ihre-folgen.html

Solange die Beschneidung ohne therapeutische Notwendigkeit erlaubt, ist werden immer wieder Kinder schwer geschädigt werden. Diese sind die Opfer für die Toleranz gegenüber religiösem Brauchtum.

Aus dem Ressort
Saarländische Ministerpräsidentin will weniger Bundesländer
Föderalismus
Sechs bis acht Bundesländer sind genug, findet die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. Aus 16 Ländern könnten dann sechs bis acht werden. Gerade die kleineren Länder ächzen unter Schulden. Eine Fusion könnte diese besser verteilen - und jährliche eine halbe Million Euro einsparen.
Briten und Polen bremsen beim Klima-Kompromissder EU
Klima-Gipfel
Nach zähem Ringen haben sich Europas Staats- und Regierungschefs am Freitagmorgen auf gemeinsame Ziele zur Drosselung der Treibhausgase geeinigt. Gipfelchef van Rompuy mahnte, der Klimawandel sei „eine Frage des Überlebens“. Trotzdem sind die Ziele bis zum Jahr 2030 nur unverbindliche Vorgaben.
Maut laut Dobrindt vor allem für große Transitstrecken
Verkehr
Die geplante Pkw-Maut soll den Grenzverkehr nach Worten von Verkehrsminister Dobrindt (CSU) nicht stören. Es gehe ihm vor allem um die großen Transitstrecken, sagte Dobrindt kurz vor der Vorlage seines Gesetzentwurfs. Dieser soll im Oktober vorgestellt werden - also spätestens bis kommenden Freitag.
NRW-Justiz veranlasst Finanz-Razzia bei Schweizer Banken
Finanz-Razzia
Polizeibeamte haben Dutzende Banken und Kanzleien durchsucht. Es geht um Geschäfte, durch die der deutsche Fiskus mutmaßlich Milliarden verloren hat. Die Konten etlicher Prominenter, wie Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Mirko Slomka und Clemens Tönnies könnten betroffen sein.
Deiche und Polder - 102 Projekte sollen Flüssen Raum geben
Hochwasserschutz
Mit 102 Hochwasserschutzprojekten wollen Bund und Länder den Flüssen Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser mehr Raum geben. Mit dem nun beschlossenen Nationalen Hochwasserschutzprogramm sollten etwa Deiche zurückverlegt werden und Polder entstehen.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?