Essen ist Grüne Hauptstadt Europas

Bristol. Essen wird 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“. Im Finale um den Titel, den die Europäische Kommission einmal im Jahr vergibt, setzte sich die Ruhrstadt gestern im englischen Bristol gegen Mitbewerberstädte aus den Niederlanden (s’Hertogenbosch und Nimwegen) und aus Schweden (Umea) durch. Die EU will mit dem Titel Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern hervorheben und motivieren, die sich nachhaltig dafür einsetzen, die Umwelt und die Lebensbedingungen ihrer Bürger zu verbessern. Titelträger 2015 ist Bristol, daher fanden dort Jury-Sitzung und Verleihung statt.

„Der Preis ist der Beweis dafür, dass wir eine Stadt mit hoher Lebensqualität sind, die wir weiter ausbauen“, sagte Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD), der die Auszeichnung von EU-Umweltkommissar Karmenu Vella entgegennahm. Schon 2014 stand das Team im Finale, da musste Essen aber der slowenischen Hauptstadt Ljubljana den Vortritt lassen.

Nach der „Kulturhauptstadt 2010“ ist es der zweite europäische Titel, der nach Essen geht. 2010 war Essen Bannerträger für das Ruhrgebiet. Gerne wäre die Stadt auch diesmal stellvertretend für die Region angetreten, das aber sieht der Wettbewerb um die „Grüne Hauptstadt“ nicht vor. Gleichwohl sei auch diese Auszeichnung eine für das ganze Revier, sagte Paß. Der Titel sei eine Anerkennung des Strukturwandels der einstigen Montanregion und ein Ansporn, diesen Weg weiterzugehen.

Im Finale konnte Essen mit der Renaturierung der Emscher und ihrer Zuläufe punkten. Der geplante Radschnellweg von Hamm bis nach Duisburg war Bestandteil der Bewerbung wie auch das Baden in Ruhr und Baldeneysee, das noch verboten ist, aber 2016 wieder erlaubt sein soll. „Wir werden unseren Bürgern die Flüsse wieder zurückgeben“, sagte Umweltdezernentin Simone Raskob. Nicht nur die Essener dürfen sich auf ein spannendes Jahr 2017 freuen. Die verschuldete Stadt will nun ein vielfältiges Programm auf die Beine stellen und um Sponsoren werben. Vom Titel verspricht Essen sich höhere nationale und internationale Aufmerksamkeit, auch in Brüssel, wo Fördergelder verteilt werden. „Da haben wir jetzt bessere Karten“, so Paß.