Erzieherinnen drohen jetzt mit unbefristeten Streiks

An Rhein und Ruhr..  Im Tarifstreit um deutlich verbesserte Gehälter für die Kita-Erzieher droht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit unbefristeten Streiks. Verdi-Chef Frank Bsirske warnte die Arbeitgeber gestern davor, an ihrer „starren Haltung“ festzuhalten. „Wenn sie diesen Irrweg fortsetzen und die notwendige Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst verweigern, stellen die Arbeitgeber die Weichen auf Urabstimmung und unbefristeten Streik“, sagte Bsirske auf einer Kundgebung in Dortmund vor 12 000 Menschen.

26 Kitas in Duisburgblieben zu

Bei erneuten Warnstreiks hatten in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch rund 10 000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Zur Kundgebung in Dortmund erhielten sie Unterstützung unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Kleinere Warnstreiks gab es auch in Baden-Württemberg.

Die Auswirkungen der Streikaktionen gestern waren zum Teil erheblich. So blieben von den 102 Einrichtungen des städtischen Kita-Betreibers Fabido in Dortmund nach Auskunft der Stadt 96 geschlossen. Auch die sechs Jugendfreizeitstätten öffneten nicht. Die Stadt Duisburg hatte in 26 von 78 Kitas Notgruppen eingerichtet. In Gelsenkirchen schlossen 43 Kitas, in 15 Tageseinrichtungen gab es eine Notgruppenbetreuung, acht Kitas blieben geöffnet. In Oberhausen waren alle 19 städtischen Kindertageseinrichtungen betroffen.

Die Erzieherin und Gewerkschafterin Gerlinde Schmidt aus Oberhausen rief die 12 000 Protestierenden in Dortmund zum Durchhalten auf. „Es geht um keine lumpige Tarifauseinandersetzung“, sagte sie. Eine Gelegenheit wie jetzt biete sich in den nächsten Jahren so schnell nicht wieder.

Kommunen fürchtendie Mehrkosten

An diesem Donnerstag kommen Verdi und die Arbeitgeber zur vierten Verhandlungsrunde für die bundesweit mehr als 220 000 kommunalen Kita- und Jugendheim-Beschäftigten zusammen. Verdi verlangt eine deutlich Aufwertung des Erzieherberufes mit höheren Eingruppierungen und Gehaltssteigerungen um durchschnittlich zehn Prozent. Das lehnt die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) bislang ab. „Die VKA fordert die Gewerkschaften auf, die Streiks abzubrechen und endlich in ernsthafte Verhandlungen einzusteigen. Wir wollen inhaltliche Gespräche“, erklärte deren Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann.

Die Gewerkschafts-Forderung hätte nach Berechnungen der Arbeitgeber kommunale Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr zur Folge.