Erstochen, erhängt oder über Bord geworfen...

Langsa..  Rund 8000 Bootsflüchtlinge warten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf den Meeren in Südostasien auf Rettung. Wie der britische Sender BBC am Sonntag berichtete, sollen nach unbestätigten Angaben auf einem Flüchtlingsschiff rund 100 Menschen im Kampf um Nahrungsmittel getötet worden sein. Mehrere Schiffe waren zuletzt von Ländern der Region abgewiesen worden.

Überlebende, die am Freitag vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra gerettet wurden, hätten fürchterliche Berichte über die Zustände an Bord gegeben. Flüchtlinge seien demnach erstochen, erhängt oder über Bord geworfen worden. Die rund 700 Überlebenden des Schiffes waren vor der indonesischen Küste von Fischern gerettet worden, als ihr Schiff zu sinken drohte. Sie seien nun im Hafen von Langsa in der Provinz Aceh an der Nordostküste Sumatras in der Obhut der indonesischen Behörden.

Die Migranten aus Myanmar und Bangladesch sollen zwei Monate lang auf See gewesen sein. Sie hätten nach Malaysia gewollt und berichtet, dass sie von der malaysischen Marine abgewiesen wurden. Der BBC-Reporter verwies darauf, dass die Berichte über das Massaker an Bord nicht überprüft werden könnten, dass aber drei Männer in getrennten Gesprächen ähnliche Schilderungen abgegeben hätten.

Über die rechtlichen Hintergründe der Vorfälle streiten die Experten. Es bestehe eine Pflicht zur Hilfeleistung, meint etwa der Seerechtsexperte Henning Jessen von der Universität Hamburg. „Dass die Staaten abwarten und den Flüchtlingen nicht helfen, ist schlicht völkerrechtswidrig.“ Staaten und auch Handelsschiffe, die an den Flüchtlingsbooten vorbeikommen, müssen Menschen, die in Lebensgefahr schweben, zur Hilfe kommen, heißt es im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen.

„Das ist eine rechtliche Grauzone“, meint hingegen Völkerrechtler Ralph Rotte. Weil die Flüchtlinge auf dem Meer nicht unmittelbar verfolgt werden und weil sie wegen der Lebensmittelspenden nicht verhungern müssen, müsse ihnen rein rechtlich gesehen auch nicht geholfen werden. Seerechtsexperte Jessen meint jedoch, die bloße Versorgung auf den Booten reiche nicht aus. Die Staaten seien sowohl moralisch als auch seevölkerrechtlich dazu verpflichtet, die Flüchtlinge an einen sicheren Ort zu bringen und ihren Flüchtlingsstatus dort zu klären.