Ernüchterung und Unbehagen

Kairo..  Anfangs inszenierte sich Abdel Fattah al-Sisi als Retter. Seinen demokratisch gewählten Vorgänger Mohammed Mursi setzte er im Handstreich ab. Den Landsleuten, die ihm millionenfach zujubelten, versprach der Feldmarschall Sicherheit und Stabilität. Zwei Jahre danach machen sich am Nil Ernüchterung und Unbehagen breit. Die Bevölkerung beschleicht die Angst, dass nun auch die eigene Nation – wie sämtliche arabische Nachbarn ringsherum – in ihren Grundfesten ins Wanken gerät.

Der bevölkerungsreichste Staat im Nahen Osten erlebt eine Welle von Terrortaten, die in seiner modernen Geschichte ohne Beispiel ist. In Kairo starb Generalstaatsanwalt Hisham Barakat durch eine Autobombe. 48 Stunden später verloren bei einer Kommandoaktion des „Islamischen Staates“ auf dem Nordsinai 70 Soldaten ihr Leben. Noch nie gab es auf ägyptischem Boden einen Terrorangriff von solcher Wucht. Aber auch im Niltal, wo 95 Prozent der Ägypter leben, gehören Bomben und Attentate heute zum Alltag.

Und so hat der Staatschef mit seiner drakonischen Unterdrückungspolitik Ägypten nicht in Sicherheit sondern in eine Sackgasse geführt. Eine Kurskorrektur des Regimes ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Polizei und Justiz sollen künftig noch drakonischer vorgehen.

Als Folge vermischt sich der staatsgefährdende IS-Terror auf dem Sinai immer mehr mit einem vom Regime provozierten Klima der inneren Gewalt. Wer Andersdenkende so kompromisslos traktiert, muss sich nicht wundern, wenn junge Leute in Extremistenkreise abtauchen.

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