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Ermittler prüfen 149 Tötungsdelikte in NRW auf Neonazi-Hintergrund

07.12.2013 | 17:58 Uhr
Ermittler prüfen 149 Tötungsdelikte in NRW auf Neonazi-Hintergrund

Essen.  Die NSU-Morde haben sie wachgerüttelt: Deutsche Ermittler werden etliche längst zu den Akten gelegte Kriminalfälle noch einmal neu aufrollen. Sie wollen wissen, ob es Terroranschläge von Rechten waren. Auch 149 Fälle aus Nordrhein-Westfalen sind darunter.

Das Bundeskriminalamt (BKA) wird bis Mitte nächsten Jahres 149  Morde, versuchte Morde und Tötungsdelikte neu aufrollen, die es in Nordrhein-Westfalen seit 1990 gegeben hat und die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten. Die Fälle werden überprüft, weil es bei ihnen den Verdacht gibt, dass die unbekannten Täter aus der rechtsextremistischen Szene stammen oder rechtsextremistische Motive gehabt haben könnten, bestätigte Frank Scheulen, der Sprecher des Landskriminalamtes, unserer Redaktion.

Die Untersuchung der ungeklärten Tötungsdelikte sind direkte Folge der Aufdeckung der NSU-Mordserie. Das Bundeskriminalamt hat die Akten von bundesweit 3300 Opfern von Mord, versuchtem Mord oder Totschlag durch einen Filter laufen lassen. Sie wurden auf einen Migrationshintergrund der Opfer, eine homosexuelle Neigung oder auch auf eine ehemalige und dann abgebrochene Zugehörigkeit zur rechten Szene, also auf einen „Verratsfall“ hin, überprüft – alles Eigenschaften, die ins „Beuteschema“ rechter Gewalttäter passen. Bei diesem Verfahren wurden am Ende von den 3300 unaufgeklärten Taten in 746 Fällen mit 849 Opfern „Anhaltspunkte für eine mögliche politische rechte Tatmotivation“ gefunden. In NRW eben 149 Mal.

Täter wurden gefasst, aber auch die Motive?

In anderen bundesweit 152 Fällen sind Täter zwar längst dingfest gemacht worden. Allerdings wurde hier das Tatmotiv  nicht unmittelbar in rechter Gewalt gesehen. Kritiker aus der Berliner Amadeo-Antonio-Stiftung hatten diese Vorgänge schon 2011 dezidiert aufgelistet. Sie wurden von „Zeit“ und „Tagesspiegel“ veröffentlicht, waren Thema im Bundestag.

Ihre Schauplätze haben meist im Osten Deutschlands gelegen, mit einem Schwerpunkt in Brandenburg. Ein Dutzend dieser meist aufgeklärten Delikte, darunter zwei dreifache Morde, waren auch Sache der Polizei in Nordrhein-Westfalen:

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2013-12-07 17:58
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