Ermittler durchforsten Krankenakte des Co-Piloten

Paris/Düsseldorf..  Nach wie vor gibt der Airbus-Absturz in den französischen Alpen große Rätsel auf. Zur Ursachen-Klärung fehlten den Ermittlern auch sechs Tage nach der Katastrophe noch zentrale Bausteine: Der zweite Flugschreiber war weiterhin im ausgedehnten Trümmerfeld in den französischen Alpen verschollen. Zudem durchforsteten die Ermittler die Krankenakte des Co-Piloten, der den Absturz bewusst herbeigeführt haben soll.

Der 27-Jährige aus Montabaur hat seinem Arbeitgeber Germanwings nach Erkenntnissen der Polizei eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder suchten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden. Zum Tatmotiv des Co-Pilot haben die Ermittler noch keine Antwort. Sie fanden bislang weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Für Berichte, wonach der Co-Pilot an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Sonntag keine Bestätigung der Behörden zu erhalten.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf erklärte lediglich, man habe in der Wohnung des Mannes „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“ gefunden. Frühestens am heutigen Montag will die Behörde weitere Ermittlungsergebnisse bekannt geben.

Französische Ermittler untersuchen allerdings weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine. Die Behörden erhoffen sich vom Flugschreiber genaueren Aufschluss darüber, was an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor die Maschine am Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte.

Am Absturzort liegen Trümmerteile und die sterblichen Überreste der Insassen in einem unzugänglichen Gelände. Die Bergung der Toten habe nun absoluten Vorrang, sagte Staatsanwalt Brice Robin. „Wir haben noch keine Opfer identifiziert, sondern DNA-Spuren“, sagte er. Bisher seien die gefundenen Erbgut-Informationen noch nicht mit denen der Familien verglichen worden, betonte der Staatsanwalt.

Der Co-Pilot, der auch aktiver Segelflieger war, kannte die Unglücksregion offenbar seit seiner Jugendzeit gut. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen, sagte Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron. Der Ort liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle.