Entwicklungsland Ruhrgebiet
20.05.2008 | 22:06 Uhr 2008-05-20T22:06:22+0200Experten vermissen Mobilität
Im Ruhrgebiet sind wichtige Verkehrsprojekte auf den Weg gebracht. Die A 40 wird ausgebaut. Die Häfen sollen vergrößert, die Kanäle vertieft werden, damit mehr Güter auf dem Wasserweg transportiert werden können. Die Schienenverbindungen zu den Nordseehäfen sollen verbessert werden. Das alles wird sicher dazu beitragen, den Verkehr, der in den nächsten Jahren noch stärker zunehmen soll, besser zu bewältigen.
Selbst wenn dies gelingt: Die Verkehrsprobleme des Ruhrgebietes sind damit noch nicht gelöst. Die Studie der Universität Duisburg-Essen belegt einmal mehr, dass nach wie vor ein Kernproblem der Metropole Ruhr ihr öffentlicher Nahverkehr ist.
Wer Metropole sein will, muss dazu die Voraussetzungen schaffen. Eine zentrale Bedingung für Metropolen ist hohe Mobilität. Im Ruhrgebiet ist das Netz der Busse und Bahnen unterentwickelt. Es verknüpft nicht nur die Städte des Ruhrgebiets unzureichend, sondern auch die umliegenden Regionen mit dem Ruhrgebiet. Verglichen mit anderen Metropolregionen ist das Ruhrgebiet beim öffentlichen Nahverkehr Entwicklungsland.
Der Befund ist nicht neu. Seit vielen Jahren wird dieser Missstand kritisiert. Geändert hat sich kaum etwas. Warum die Kritik ins Leere läuft, ist auch bekannt. Die vielen Verkehrsgesellschaften im Ruhrgebiet kochen ihr eigenes Süppchen, unterstützt von Kommunalpolitikern, die in und um die Verkehrsgesellschaften herum ihr Betätigungsfeld finden. Wenn es im Ruhrgebiet Kirchturmsdenken gibt, dann im Dickicht des öffentlichen Nahverkehrs.
Es hat in der Vergangenheit immer wieder einmal Anläufe gegeben, diese Front von Veränderungs- und Kundenfeindlichkeit aufzubrechen. Die Versuche sind kläglich gescheitert. Sogar Ministerpräsidenten konnten nichts ausrichten. Sie bissen sich die Zähne aus und gaben schließlich resignierend auf.
Nun allerdings wächst der Druck in Richtung Veränderung und Gestaltung. Das Ruhrgebiet hat sich gegen die Provinzialität seiner Verkehrspolitiker längst zum internationalen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Sollten die Prognosen zutreffen, wird der Verkehr stark zunehmen, besonders stark im Ruhrgebiet. Wenn sich die Region auf diesen Zuwachs nicht angemessen vorbereitet, wird sie das bitter zu spüren bekommen. Der Traum von der Metropole könnte schon dann bald ausgeträumt sein. Die Konkurrenz schläft nicht.

12:13
Wir sind gerade 15 Tage in München gewesen.
Hervorragende U-/S-Bahn zu vernuenftigen Preisen. Auch Berlin und Hamburg sind ohne Auto
in kurzer Zeit hervorragend zu bewaeltigen. Also genug gute Vorbilder. Warum brauchen wir von Speldorf nach Wedau oder vorn Speldorf nach Sterkrade 1 Stunde? Mein Urteil ist: Der Nahverkehr hier ist Mangelhaft.
Durch einen schnellen, modernen Nahverkehr a la München könnten auch erhebliche CO 2 Mengen bei Bussen und PKW eingespart werden.
Wer macht einen objektiven Leistungsvergleich der deutschen Metropolen und veröffentlicht diesen?
12:57
Ich schließe mich bezüglich des öffentlichen Nahverkehrs herrn Gahlmann inhaltlich voll an. Was den begrüßten Ausbau der A 40 angeht, kann ich darüber nur lachen. Die Autobahn soll auf sechs Spuren ausgebaut werden, dies erweitert die Kapazität maximal um 50%. Die Zunahme des Verkehrs, speziell des Güterverkehrs, soll bei 70 % (Information Minister Wittke) liegen. Am Ende wird dadurch nur ein breiterer Parkplatz gebaut. Völlig vermisse ich den Bezug auf Lebensqualität an solchen Transitstrecken im Ruhrgebiet. In nicht einer Metropole Europas wird der Trasitverkehr (hier A 40 z.B. Rotterdam - Warschau und Baltikum) mitten durch Wohngebiete und Stadtzentren geführt. Stattdessen wird mit Feuereifer am Kulturjahr 2010 gearbeitet und dabei die Gesundheit der hier lebenden Menschen geradezu sträflich missachtet.
12:02
Der obige Artikel trifft genau den kranken Punkt des Ruhrgebiets: Wir waren gerade 4 Wochen in Berlin. Ein Traum bzgl. Verkehrsanbindung und Nutzung!
Mit einer übertragbaren Monatskarte konnten wir uns problemlos und vor allem zügig in einem weiten Umfeld Berlins bewegen. Der Mangel hier: zu teuer und in keinem Verhältnis zur Mobilität stehend! Und dann noch die Wartezeiten auf Bus und Bahn mit mangelhaften Anschlüssen. Dies wird Touristen abschrecken, denn auch mit eigenem Fahrzeug bleiben sie ja in den üblichen Staus stecken.
Die einzelnen Verkehrsgesellschaften werden sich selbst abwürgen und die kommunalen Pfründe verschwinden, weil bald kein Haushalt mehr die weiteren Subventionen leisten kann. Und dann? Nach mir die Sintflut?
Wir brauchen schleunigst ein wesentliches Umdenken! Hoffentlich drehen Duisburg, Essen und Mülheim endlich auch an diesem Rad für eine beispielhafte sinnvolle Lösung!
Gahlmann