Entwarnung? Keineswegs

Durchatmen? Durchaus. Entwarnung? Keineswegs! Der Streik der Lokführer ist abgeblasen, Pfingstreisenden droht nicht mehr durchgängig Ungemach. Die Gegner reden wieder mit- und nicht nur übereinander. Es führte kein Weg an einer Schlichtung vorbei; man darf sicher sein, dass – bei aller ausgerufenen Tarifautonomie – in den vergangenen Tagen auch aus dem politischen Raum erheblicher Druck ausgeübt wurde, endlich zu Potte zu kommen. Zu groß geworden war der Schaden für die Bahn, zu groß der Schaden fürs System Schiene.

Es ist schon ein erheblicher Fortschritt, dass sich Bahn und GDL jeweils einer neutralen Persönlichkeit anvertrauen. Trotz des gestrigen unnötigen Polterauftakts wird es die Hauptaufgabe von Schlichter Bodo Ramelow und seines Kollegen Matthias Platzeck sein, den Fortgang der Debatte konstruktiv zu begleiten. Und wenn sie nur dafür sorgen, dass sich GDL und Bahn am Ende eines Verhandlungstages nicht mehr gegenseitig der Lüge bezichtigen. Viel zu viel Energie wurde bislang verschwendet, um die öffentliche Meinung auf die eigene Seite zu ziehen.

Das Kernproblem ist freilich mit diesem Tag nicht gelöst, es wurde nur Zeit gewonnen: Die GDL hat zwar das Zugeständnis erhalten, Verträge aushandeln zu dürfen, die von denen der Konkurrenz abweichen. Zugleich stellte die Bahn aber klar, dass sie keine Mitarbeiter erster und zweiter Klasse dulden wird. Streng genommen geht dieser Tarifstreit wieder bei Null los. Platzeck und Ramelow stehen harte Wochen bevor.

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