Empörung über Todesurteil für Mursi

Kairo/Amman..  Das Todesurteil gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi ist international auf Kritik gestoßen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verlangte eine Überprüfung, ob der Richterspruch nach Recht und Gesetz gefallen sei. „Für uns ist das in Deutschland eine Form der Strafe, die wir kategorisch ablehnen“, sagte er in der jordanischen Hauptstadt Amman. Amnesty International wertete das Verfahren als „Farce“. Die US-Regierung und die EU protestierten ebenfalls.

Knapp zwei Jahre nach Mursis Sturz durch die Armee hatte ein Gericht in Kairo den Islamisten am Samstag zum Tode verurteilt. Mursi wurde zur Last gelegt, sich Anfang 2011 mit der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah verschworen haben, um einen Gefängnisausbruch zu organisieren. Der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der ägyptische Mufti, die höchste staatliche Glaubensautorität im Land, muss das Urteil noch bestätigen.

Zusammen mit Mursi sollen nach dem Willen des Gerichts mehr als 100 weitere Angeklagte sterben. Unter ihnen sind Chairat al-Schater und Mohammed Beltagi, die der Führung der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft angehörten.

Mursi war im Vormonat bereits wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Demonstranten zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte 2012 als Kandidat der Muslimbruderschaft die erste freie Präsidentenwahl in der Geschichte Ägyptens gewonnen - und soll nun als erster Ex-Präsident des Landes sterben.