Eklatante Verfehlung

Menschen, die freiwillig das Scheinwerferlicht der Medien suchen, müssen damit leben, öffentlich an ihren eigenen Ansprüchen gemessen zu werden. Das gilt insbesondere für Politiker, sie haben eine Vorbildfunktion. Patrick Sensburg ist als Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses ein Aushängeschild der CDU, er hat maßgeblich an der Ausgestaltung des Gesetzes zur Förderung der Mediation, also der außergerichtlichen Konfliktbeilegung (!), mitgewirkt, er sitzt im Rechtsausschuss. Bei persönlichen Fehlern von politischen Konkurrenten reckte der Christdemokrat in der Vergangenheit seinen moralischen Zeigefinger ziemlich schnell nach oben. Nun steht er selbst am Pranger.

Auch wenn seine ehemalige Freundin die Anzeige inzwischen zurückgezogen haben soll (und Sensburg eventuell darauf spekulierte, die Affäre sei damit aus der Welt): Mit der mutmaßlichen Attacke auf die „Ex“ hat sich der Sauerländer eine eklatante Verfehlung erlaubt, die er mit einer einfachen Entschuldigung beim Opfer sicher nicht aus der Welt räumen kann. Aber das ist sein persönliches Problem. Nun den Rücktritt des Juristen zu fordern, ist nach derzeitiger Faktenlage übertrieben. Die politischen Konsequenzen muss Sensburg ohnehin tragen: Der Prügel-Vorwurf wird ihn wohl nicht die Karriere kosten, aber den weiteren, schnellen Aufstieg in Berlin – den kann er vergessen.