Einmarsch im Jemen – Druck auf Ägypten wächst

Kairo..  Der emiratische Staatsminister ließ alle diplomatischen Rücksichten fallen. „Das wird euch teuer zu stehen kommen“, twitterte Anwar Mohammed Gargash in Richtung Islamabad, Minuten nachdem das pakistanische Parlament einstimmig den Einsatz von Bodentruppen im Jemen abgelehnt hatte. Drei Wochen dauert nun schon der Krieg an der Südspitze der Arabischen Halbinsel – und es läuft nicht gut für die arabische Militärallianz. Mehr als 1200 Luftangriffe haben die reichen Golfstaaten mit Saudi-Arabien an der Spitze bisher geflogen. Doch der Vormarsch der Houthis und der mit ihnen verbündeten Elitetruppen von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh geht weiter. Die Hafenstadt Aden haben die Rebellen weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht. Die humanitäre Lage ist dramatisch, die Zahl der zivilen Opfer steigt, die Staatsverwaltung ist kollabiert. Und in der Grenzregion zwischen Jemen und Saudi-Arabien häufen sich schwere Gefechte.

Sunnitische Regionalmächte im Fokus

Und so steigt der Druck auf die Kriegsherren der „Operation Entschiedener Sturm“, auch weil sie ohne den Einsatz von Bodentruppen den Jemen nicht werden unter ihre Kontrolle bringen können. Geht es nach den Vorstellungen der reichen Potentaten vom Golf, sind jetzt vor allem die drei sunnitischen Regionalmächte Pakistan, Türkei und Ägypten gefragt.

Als erstes winkte vergangenen Freitag Pakistan kategorisch ab, obwohl mehr als fünf Millionen Pakistaner am Golf arbeiten, das Land gerade einen Großkredit von 1,5 Milliarden Dollar erhielt und der jetzige Präsident Nawaz Sharif nach seinem Sturz 1999 viele Jahre in Saudi-Arabien Asyl genoss. Am Wochenende stellte auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan klar, dass er sein Land in einer Vermittlerrolle und nicht als Kriegspartei sieht. Angesichts der positiven Atomgespräche will es sich Ankara wegen Jemen nicht mit Teheran verderben.

Und so bleibt Ägypten, was über die größte Armee des Nahen Ostens verfügt und dessen Regime seit dem gewaltsamen Sturz des Muslimbruder-Präsidenten Mohamed Mursi am finanziellen Tropf von Saudi-Arabien, den Emiraten und Kuwait hängt. „Wir werden alles tun, was für unsere nationale Sicherheit erforderlich ist“, erklärte Ägyptens Botschafter in Sanaa und brachte auch eigene Bodentruppen ins Gespräch. Kairos Verteidigungsminister Sedky Sobhy reiste nach Riad zu Gesprächen mit seinem 34-jährigen Kollegen Mohamed bin Salman, einem Sohn des saudischen Königs, dem viele Generäle am Nil nicht trauen. 48 Stunden später stimmte Ex-Feldmarschall und Präsident Abdel Fattah al-Sissi erstmals die beunruhigte Bevölkerung auf einen möglichen Kriegszug ein. „Wir können die Golfstaaten nicht im Stich lassen“, erklärte er in einer knapp zehnminütigen Fernsehrede und erinnerte daran, dass Saudi-Arabien im vergangenen Sommer ganze Schiffsladungen mit Diesel und „viele andere Vergünstigungen“ geschickt habe.

„Ägyptens Vietnam“

Und so wächst in der Gesellschaft die Angst, ihre Wehrpflichtigen könnten bald 2000 Kilometer entfernt als Kanonenfutter verheizt werden. Schon einmal vor 50 Jahren hatte sich Kairo mit einem 70 000 Mann starken Heer in Jemens innere Konflikte eingemischt, ein fünfjähriges Militärabenteuer, das 26 000 Soldaten das Leben kostete. Einen Vergleich mit „Ägyptens Vietnam“ und der heutigen Situation wies Sissi jedoch kategorisch zurück. „Unsere damalige Intervention und die heutige Realität sind sehr verschieden.“ Gleich geblieben allerdings sind das undurchdringliche Territorium und die unberechenbaren jemenitischen Stammeskrieger. Und so mehren sich in Ägypten auch unter eingeschworenen Sissi-Anhängern die skeptischen Töne. „Wir sollten uns nicht in einen Krieg stürzen“, warnte der Intellektuelle Mohamad Heikal, der zu den Beratern des Regimes gehört. „Jemen ist ein schlafender Vulkan im Süden der Arabischen Halbinsel. Wenn er ausbricht, wird die ganze Region beben.“