Eine teure Justizposse im Hause Uhlenberg
05.06.2009 | 14:16 Uhr 2009-06-05T14:16:00+0200
Essen. Tausende überwachte Telefonate, Hausdurchsuchungen, U-Haft. Bei ihren Ermittlungen gegen einen Ex-Abteilungsleiter im Landesumweltministerium hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal schweres Geschütz aufgefahren. Die Vorwürfe haben sich in Luft aufgelöst. Konsequenzen wird das nicht haben.
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Am 29. Mai vergangenen Jahres verlor Harald Friedrich den Glauben an den Rechtsstaat. Polizisten durchsuchten an diesem Tag das Haus des ehemaligen Abteilungsleiters im nordrhein-westfälischen Umweltministerium, beschlagnahmten Unterlagen und Computer. Friedrich kam in Untersuchungshaft, erst drei Wochen später wurde er wieder freigelassen. Bandenmäßiger Betrug, Untreue, Korruption. Das waren die Vorwürfe gegen Friedrich und sechzehn Mitbeschuldigte. Heute ist von diesen Vorwürfen nichts mehr übrig. Das Verfahren hat sich zu einer teuren Justizposse entwickelt.
Verdächtige Currywurst
Das Ermittlungsverfahren kam durch Anzeigen aus dem Umweltministerium im Sommer Jahr 2006 ins Rollen, kurz nachdem Friedrich als Abteilungsleiter entlassen worden war. Der Kern der Vorwürfe lautete: Friedrich habe mehrere Millionen Euro aus der Abwasserabgabe zweckentfremdet und mit ihm verbandelten Forschern und Firmen zugeschanzt. Die Korruptionsvorwürfe zerbröselten rasch, jüngst wurde auch der Vorwurf der Untreue fallen gelassen. Was bleibt, beschreibt Peter Lichtenberg, der stellvertretende Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf als „Randkomplexe”, die rasch abgearbeitet würden. Konkret: Friedrich wird beispielsweise noch verdächtigt, Geschäftsessen nicht selbst bezahlt zu haben. Currywurst mit Pommes, beispielsweise. „Wir bewegen uns im Vergehensbereich. Das sind keine Verbrechenstatbestände mehr”, sagt Lichtenberg.
Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens sollen 40 Wohnungen, Büros und Häuser durchsucht, über 4500 Telefongespräche belauscht und über 2000 Emails überwacht worden sein. Die Überwachungsmaßnahmen sorgten schon deswegen für Wirbel, weil auch Journalisten und Landtagsabgeordnete wie der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Johannes Remmel abgehört wurden.
Vernichtete Daten
Just aus der Zeit, als die politischen Wellen wegen des Verfahrens besonders hoch schlugen, findet sich in dem insgesamt 11 000 Seiten hohen Aktenberg eine interessante Notiz: Oberstaatsanwalt Ralf Meyer wies am 24. November vergangenen Jahres den zuständigen Beamten im Landeskriminalamt an, „unverzüglich sämtliche Daten, Beweissicherungsträger und die schriftlichen Dokumentationen (...), die im Rahmen der TKÜ-Maßnahmen angefallen sind, zu löschen, bzw. zu vernichten”.
TKÜ steht für Telekommunikations-Überwachung und die seltsam anmutende Anweisung kann laut Alfons Grevener, dem stellvertretenden Behördenleiter in Wuppertal, nur zwei Gründe haben: Entweder waren die Erkenntnisse aus den Überwachungen völlig belanglos und nicht verfahrensrelevant, oder „es wurden möglicherweise Daten gewonnen, die nicht hätten gewonnen werden dürfen”.
Staatsanwaltschaft: Hinterher ist man immer schlauer
Die Arbeit der Ermittler war also für die Katz' oder unrechtmäßig. Zumindest war sie aber kostenspielig. Wieviel Steuergeld der Einsatz der Sonderkommission „Stuhl” des Landeskriminalamtes verschlungen hat, das kann Lichtenberg allerdings nicht beziffern. Für überzogen hält er das Vorgehen der Staatsanwaltschaft in Wuppertal nicht: „Es ist Aufgabe der Strafjustiz, solche Dinge aufzuklären. Hinterher ist man immer schlauer.”
Eine unglückliche Figur hat die Staatsanwaltschaft in Wuppertal indes allemal gemacht. Jüngst bezeichnete es das Landgericht in Wuppertal noch als unrechtmäßig, dass ausgerechnet die Hauptbelastungszeugin des Verfahrens Einsicht in die Akten erhalten durfte. Nicht zuletzt fällt es schwer, nicht an eine politische Einflussnahme bei dem Verfahren zu glauben: Friedrich ist Grüner, war ein enger Vertrauter von Ex-Umweltministerin Bärbel Höhn und ein unbequemer Kritiker von Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU). Ausgerechnet auf der Höhepunkt des PFT-Skandals, durch den Uhlenberg arg in die Enge getrieben wurde, kam Friedrich in Untersuchungshaft, ausgerechnet politisch nicht sonderlich liebsame Projekte standen plötzlich unter dem Verdacht, nicht koscher abgewickelt worden zu sein.
Friedrich will gegen "Drahtzieher" vorgehen
Trotz all der Merkwürdigkeiten betont Peter Lichtenberg, dass „das ein geregeltes Verfahren war”. Personelle Konsequenzen müssten nicht gezogen werden. Und es habe natürlich keinen „Versuch der politischen Einflussnahme” gegeben.
Die Landtagsgrünen wollen es nicht dabei belassen. Sie wollen Aufklärung, wie und warum es zu dem Verfahren gekommen ist. „Es sind ja nicht unerhebliche öffentliche Gelder dafür geflossen. Die Staatsanwaltschaft wird sich erklären müssen”, sagt Johannes Remmel.
Und Harald Friedrich? Der 57-Jährige wird es nicht darauf beruhen lassen, sollte das Verfahren komplett eingestellt werden. „Wir werden gegen die Drahtzieher vorgehen, die mich zu einem politischen Gefangenen gemacht haben.”
(Fotos: Matthias Graben)

04:39
Herr Harald Friedrich,
die Bevölkerung steht zu Ihnen, denn wir wissen alle um die wiederholten Vertuschungsversuche von Uhlenberg und seine Komplizen! Das ist und wahr ja nicht das erste und letzte mal, typisch cDU!!
13:22
Gibt es in Deutschland nicht den Tatbestand der Üblen Nachrede , Verleumdung und / oder Freiheitsberaubung? Gehört angezeigt und verfolgt...!!!!
12:53
Wir brauchen gar nicht auf die Wasserversorger schimpfen.
Der Verursacher müßte eigentlich für seine Verschmutzung grade stehen. Warum soll die Allgemeinheit mal wieder, wie eigentlich immer, für ein paar Drechspatzen zahlen?
Aber da versucht keiner den Hebel anzusetzen.
Das wäre dann mal im Sinne der Allgemeinheit, Herr Uhlenberg und nicht versuchen den Leumund anderer zu besuhlen. Aber das ist natürlich viel einfacher als politisch etwas durchzusetzen.
12:33
#5diplingsoddemann
Oh, bin ich dem Hr. DIPL. ING. und sonst noch was, zu nahe getreten. Entschuldigung, kommt bestimmt wieder vor.
11:54
@ruhrdyke:
Bitte surfen Sie mal über meine page: http://sites.google.com/site/trinkwasservirenalarm/Trinkwasser-Viren?pageUrlChanged=Trinkwasser-Viren
Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
11:53
Der Grüne Harald Friedrich ist Experte für Wasserwirtschaft und hat sein Fachwissen seiner Partei immer wieder zur Verfügung gestellt, zuletzt im Skandal um verseuchtes Trinkwasser aus der Ruhr. Dieses war über Jahre mit krebserregenden perfluorierten Tensiden (PFT) belastet, wurde aber trotzdem an Millionen Haushalte zwischen Dortmund und Duisburg geliefert. Uhlenberg geriet deshalb so sehr unter Druck, dass bereits über seinen Rücktritt spekuliert wurde.
Auf dem Höhepunkt des PFT-Skandals aber wurde Friedrich plötzlich verhaftet und wanderte über drei Wochen in Untersuchungshaft. Korruption, Betrug und Untreue warf ihm die Staatsanwaltschaft Wuppertal wegen Zweckentfremdung der Abwasserabgabe vor. In Düsseldorf war von politischer Justiz die Rede - schließlich hatte Uhlenbergs Staatssekretär Alexander Schink den einstigen Abteilungsleiter selbst angezeigt
Mich erinnert diese Zusammenarbeit von Justiz , Polizei und Politik doch stark an die Methoden der Stasi oder der Nazis .
PFT ist Krebserregend und schwer oder gar nicht abbaubar . Beim Menschen reichert es sich in der Leber an . Politmafiosis wie Uhlenberg schaden unser aller Gesundheit .
Wer sie wählt ist nicht nur selber Schuld, sondern mitverantwortlich .
11:46
Wow.
Aber...ist das alles wirklich erforderlich?!
Für Säuglinge, Immungeschwächte und Senior/innen, ok, und auch als Frau im noch gebärfahigen Alter mache ich mir um die Hormon- und Antibiotikabelastung unseres Wassers Gedanken, aber wie oft kommt es tatsächlich statistisch gesehen vor, dass jemand vom Wasser stirbt oder ernsthaft erkrankt?
(ok, die Daten werden nicht erhoben, ist klar, aber was meinen Sie? ).
Danke.
11:30
@ruhrdyke:
Wir trinken weder Mineral- noch Leitungswasser. Wir bereiten das Leitungswasser mit einer eigenen Ultrafiltrationsanlage auf und trinken es, mögliche Schadstoffe in Kauf nehmend. Wir duschen auch damit, wegen Legionellen und Wundkeimen als 2 Beispiele.
Die Hauptursachen für das Ableben sind nach wie vor akute, insbesondere auch wasserübertragene Infektionen ... über Bakterien, Parasiten und Viren im Leitungswasser ist bedauerlicherweise viel zu wenig bekannt.
Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
11:15
Aha, danke für die Info. Als Selbsgeschädigter sind Sie zwar nicht objektiv, aber sauber klingt die Sache trotzdem nicht.
Doch bei einem Euro pro Person und Monat kommt da schließlich ja auch langfristig so einiges zusammen, was man(n) sich lieber weiterhin in die eigenen Taschen fließen lassen möchte...
Und solange unser Trinkwasser noch immer angeblich den höchsten Standards entspricht und niemand nach Hormonen, Medikamenten und Schwermetallen sucht, wird auch nichts gefunden und nichts muss sich ändern....
Nebenbei gefragt: welches Mineralwasser trinken Sie?
:-)
11:15
Auch diese Posse beweist wieder einmal, dass der Eindruck richtig sein kann, die Justiz sei nichts weiter als die Hure der Macht.