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Eine Stadt im Ausnahmezustand

22.01.2015 | 00:12 Uhr

Leipzig/Berlin. Unter ungewöhnlich starker Polizeipräsenz zogen am gestrigen Abend viel weniger Teilnehmer als erwartet beim umstrittenen Marsch des Leipziger Pegida-Ablegers Legida durch die Stadt. Die Stadt gab die Zahl der Teilnehmer mit 15 000 und die der Gegendemonstranten mit 20 000 an. Nur vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Gewaltbereiten beider Seiten und der Polizei.

Auf die Bahnstrecke Leipzig-Dresden waren am Nachmittag zwei Brandanschläge verübt worden. Am Rande der islamfeindlichen Demonstration gab es einzelne Rangeleien zwischen der Polizei und Gegendemonstranten, die Legida-Anhänger blockieren wollten. Die Polizei bestätigte laut MDR anscheinend gezielte Angriffe von Legida-Teilnehmern auf Journalisten. Nach der Kundgebung soll es laut dem Sender am Hauptbahnhof zu Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der beiden Lager gekommen sein. Es habe dabei offenbar Verletzte gegeben.

Nachmittags hatten die Verwaltungsgerichte Eilanträge der Legida-Organisatoren abgewiesen und die einschränkenden Auflagen der Stadt für rechtmäßig erklärt. Die selbst ernannten Verteidiger des Abendlandes durften nicht über die Route der berühmten Leipziger Montagsdemonstrationen ziehen, die vor einem Vierteljahrhundert das Ende der DDR einleiteten.

Wie in Köln und anderen Städten zuvor waren auch in Leipzig wichtige öffentliche Gebäude während des Legida-Zugs unbeleuchtet. Die Oper versank in Dunkelheit. Auch am weltbekannten Gewandhaus gingen wie angekündigt die Lichter aus. 19 Gegendemonstrationen waren angekündigt. Leipzigs OB Burkhard Jung sagte: „Ich bin begeistert, wie viele Menschen hier Stellung beziehen.“ Schon am 12. Januar waren 35 000 Menschen gegenüber 4800 Legida-Anhängern auf die Straße gegangen.

Bereits am frühen Nachmittag war gestern der imposant große Leipziger Hauptbahnhof nur noch über die Nebeneingänge zu erreichen, die beiden Hauptzugänge wurden verschlossen. Der Verkehr kam praktisch zum Erliegen.

Zwischen dem islamkritischen Bündnis Pegida in Dresden und seinem Leipziger Ableger Legida gibt es Differenzen. Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel kündigte gestern rechtliche Schritte an. Die Legida-Organisatoren hätten nicht klar erklärt, dass sie den Forderungskatalog von Pegida Dresden übernähmen. Pegida hatte nach dem Verbot der für vergangenen Montag geplanten Dresdener Demo seine Anhänger zur Teilnahme am Legida-Zug aufgefordert.

Bundespräsident Joachim Gauck hat zum Zusammenhalt ge­gen islamistischen Terror und ausgrenzende Pegida-Demonstrationen aufgerufen. „Die Polarisierung schwächt, was unser Land stabil und berechenbar gemacht hat“, sagte Gauck in Berlin.

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