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Die fragile Freundschaft zwischen Deutschen und Türken

04.04.2013 | 19:52 Uhr
Die fragile Freundschaft zwischen Deutschen und Türken
Eine Familie feiert in Essen-Altendorf in einem türkischen Restaurant: Muhammed Koc (39), Aysin Koc (37), Kinder: Eren (14), Furkan (12), sein Neffe: Sinan (17, 2. von links). Foto: Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool

Essen.   Der NSU-Prozess und die Brand-Verdächtigungen bestimmen nicht das Leben in Essen-Altendorf. Aber hinter aller Freundlichkeit spürt man die Spannungen zwischen Türken und Deutschen: Sie gehen sich weitgehend aus dem Weg. Angst geht nicht um, eine gereizte Grundstimmung ist Alltag.

Auf der Altendorfer Straße, der Hauptschlagader des gleichnamigen Essener Stadtteils, kann man es riechen und schmecken: wie es aussieht, wenn ein Viertel sich wandelt. Wenn Fachgeschäfte gehen und dafür Kebab-Tempel eröffnen. Was man auch sehen kann: wie das Leben nebeneinander geht. Deutsche und Türkeistämmige gehen sich weitgehend aus dem Weg. Nicht erst nach den Verdächtigungen, hinter den jüngsten Wohnhausbränden könnten rassistisch motivierte Täter stehen. Angst geht nicht um, eine gereizte Grundstimmung ist Alltag.

Links von der Metzgerei Mecke ist der „Saray“, kein „Palast“ im übersetzten Wortsinne, sondern ein Gardinengeschäft mit angeschlossener Änderungsschneiderei. Rechter Hand von Mettwurst, Speck und Keule: ein Süßwarenparadies, „Gaziantep Burma Baklavaları“. Hinterm Tresen bei „Mecke“ steht Doris Moldenhauer, die Mutter der Chefin. „Man ist freundlich zueinander“, sagt die 70-Jährige, „man respektiert sich.“

"Der guten Nachbarschaft wegen"

Die Sache mit den Kindern, die vor ein paar Jahren „Du alte Sau!“ in den Laden brüllten und regelmäßig die Schrift an der Schaufensterscheibe verschmierten, will sie nicht groß reden. Und dass die Mitarbeiterin der Reinigung von nebenan ihre saubere Kleidung draußen hinhängt, weil sie keine Schweinefleisch-Metzgerei betreten will, Doris Moldenhauer findet es merkwürdig, aber: was soll’s? „Immer schön still halten“, sagt sie. „Der guten Nachbarschaft wegen.“

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"Deutsche lassen einen im Stich"

„Es gibt solche und solche“, sagt Muhammed Koc, der mit seiner Familie beim Frühstück im „Bizim“ sitzt. „Das ist bei uns genauso.“ Es gebe immer Leute, die sagen: Ich will mit denen nix zu tun haben. Er selbst gehöre nicht dazu. „Wir leben nicht isoliert, wir haben Kontakt zu Deutschen.“ Sein Sohn Eren (14) sieht das anders. Einen Deutschen als besten Freund kann er sich nicht vorstellen. „Die lassen einen im Stich.“ Hat er gehört. Muhammed Koc lässt sich nicht beirren. Selbst wenn herauskäme, dass hinter dem Kölner Brand Neonazis stecken: „Ich würde trotzdem differenzieren.“

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Angst vor Anschlägen, hier bei uns? Hakan Alkaç schüttelt den Kopf. Im November hat er seinen türkischen Supermarkt eröffnet, wie’s geht, hat er als Filialleiter bei Aldi gelernt.“ In Ostdeutschland hätte ich eher Angst, dass mir was in den Laden fliegt.“ Der 29-Jährige freut sich, dass inzwischen auch deutsche Kunden kommen. Die Beziehung zwischen den Kulturen sollte nicht belastet werden, findet er. So hätte man im NSU-Prozess einfach zwei türkischen Medienvertretern einen Platz reservieren sollen, „um dieser Diskussion aus dem Weg zu gehen“.

Kein Zweifel an der deutsch-türkischen Freundschaft

Murat Karaca von der Ditib-Merkez-Moschee lässt überhaupt keinen Zweifel an der deutsch-türkischen Freundschaft zu. „Ich möchte das nicht hochpushen“, sagt er zu NSU und Bränden. Und: „Es gibt in allen Nationalitäten schwarze Schafe.“

Der einzige, der laut und wütend seine Meinung sagt, ist der 51-Jährige „Onkel“, der im Restaurant „Bizim“ hinter der Theke steht. „Die Deutschen wollen uns hier nicht“, sagt er. Er ist erst vor wenigen Jahren hergezogen. Politische Korrektheit ist auch eine Form von Integration.

Ruşen Tayfur

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2013-04-04 19:52
Integration,NSU,Deutschland,Türkei,Moschee,Essen
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