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Einbrüche: Polizei spricht von erschütternden Zahlen

11.03.2016 | 05:34 Uhr
Einbrüche: Polizei spricht von erschütternden Zahlen
Angesichts der massiv gestiegenen Einbruchszahlen wächst die Kritik an NRW-Innenminister Jäger - hier zu sehen auf einer Pressekonferenz zu einer Aktinswoche gegen Einbrüche im Jahr 2014.Foto: dpa

Düsseldorf. Bewohner der Groß­städte an Rhein und Ruhr sind die Leidtragenden des dramatischen Anstiegs der Wohnungseinbrüche in NRW. Das hat nach unseren Infor­mationen am Donnerstag eine erste Feinauswertung der Kriminalitätsstatistik 2015 ergeben. Demnach entfallen nicht nur die absolut meisten Fälle auf Köln (5845), Essen (3803), Dortmund (3712), Bochum (3210), Düsseldorf (3108) und Duisburg (2220).

Die Zuwächse gegenüber dem Vorjahr erreichen in Bochum und Duisburg sogar bis zu 40 und 43 Prozent. Die Aufklärungsquoten rangierten hier zum Teil nur noch bei elf Prozent (Dortmund, Essen), 9,4 Prozent (Düsseldorf), 7,6 Prozent (Köln) oder gar sieben Prozent (Bochum). In Polizeikreisen wurde von „erschütternden Zahlen“ gesprochen.

Landesweit hatte das Innenministerium 2015, wie berichtet, einen Anstieg der Wohnungsein­brüche um 18,1 Prozent auf 62.262 Fälle registriert. Nimmt man allein die Tageseinbrüche bis 21 Uhr, liegt der Zuwachs binnen eines Jahres im Landesschnitt bei 28 Prozent. Die Opposition warf Innenminister Ralf Jäger (SPD) eine „Bilanz des Scheiterns“ vor. FDP-Innenexperte Marc Lürbke kritisierte, Jäger habe „Alarmsignale“ der Polizei überhört.

Kritik am geplanten "Einbruchsradar"

Zudem regt sich Kritik an der ­Ankündigung eines landesweiten „Einbruchsradars“. Von April an sollen alle 47 Polizeibehörden im Internet Karten veröffentlichen, die Wohnungseinbrüche verzeichnen. Die Bürger sollen so für Vorsorgemaßnahmen sensibilisiert werden und möglicherweise zur Aufklärung beitragen. Dies sei datenschutzrechtlich fragwürdig, verteuere womöglich Versicherungspolicen für Häuser und verlagere die Sicherheitsverantwortung auf die Bürger, warnten Kritiker. Pilotversuche für den Einbruchsradar gibt es bereits unter ­anderem in Hagen und Bochum.

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Zum dritten Mal hat die Polizei im Kampf gegen Wohnungseinbrecher eine Karte mit den Tatorten der zurückliegenden Woche veröffentlicht.

Innenminister Jäger erklärte dagegen, die dramatische Entwicklung sei nichts NRW-Spezifisches: „In halb Europa steigen die Einbruchszahlen.“ International habe die Polizei mit einem „völlig neuen Täter­typus“ zu tun. Die Bedeutung der ­Eigenvorsorge von Hausbesitzern ist laut Jäger statistisch belegt: „44 Prozent der Einbrüche bleiben im ­Versuchsstadium stecken.“

Er warnte davor, die Kriminalitätsstatistik allein auf Einbruchszahlen zu reduzieren. Jugendkriminalität, Gewalt­delikte oder Mord und Totschlag seien ja in NRW rückläufig. Jäger: „Insgesamt leben wir in einem sehr, sehr sicheren Land.“

Tobias Blasius

Kommentare
11.03.2016
16:00
Schon wieder Jäger...
von Duisburger008 | #37

...zumindest was die Presseabteilung des Innenministers betrifft, leisten die ganze Arbeit. Zumindest lässt sich darauf schliessen das ich fast...
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