Das aktuelle Wetter NRW 3°C
Moody’s

Ein Warnruf für Berlin

24.07.2012 | 17:14 Uhr
Funktionen
Ein Warnruf für Berlin
Die Rating-Agentur Moody's senkt ihren Ausblick für Deutschland auf negativ.Foto: dapd

Stürzt ein Staat, reißt er den nächsten mit – in die Pleite. Die Angst vor diesem fatalen Domino-Effekt geht in Europa um, seit sich die griechische Malaise zu einer Krise auswuchs, die den gesamten Euroraum bedroht. Und nun gerät sogar der Euro-Riese Deutschland ins Visier der Rating-Agenturen.

Der skeptische Ausblick der Agentur Moody’s scheint die Sorgen nun zu bestätigen: Wenn sogar Deutschland und Luxemburg Probleme mit der Bonität drohen, ist die Gemeinschaftswährung insgesamt in Gefahr. Ein Warnruf, der in Berlin sogleich ein Echo fand.

Denn es ist gewiss kein Zufall, dass noch am gleichen Tag hochrangige Vertreter der Regierungskoalition den Ton gegenüber dem Pleite-Kandidaten Athen merklich verschärften. Ein neues Hilfspaket, hieß es gestern, werde es keinesfalls geben. Eine unmissverständliche Botschaft, die freilich nicht allein an die Adresse der Athener Regierung gerichtet ist, sondern mindestens in gleichem Maße an die Rating-Agenturen: Wir haben verstanden.

Rettungsschirme lassen sich nicht unbegrenzt vergrößern

Doch so leicht werden sich Moody’s und Co. nicht besänftigen lassen. Zumal Athen nicht der einzige Wackelkandidat ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Spanien oder Italien demnächst Geld aus dem Euro-Hilfsfonds beantragen müssen, ist trotz gegenteiliger Beteuerungen aus Madrid und Rom nicht eben gering. Doch Rettungsschirme lassen sich nicht unbegrenzt vergrößern – auch das ein Teil der Mahnung aus dem Hause Moody’s.

Die Kanzlerin dürfte den Warnruf dennoch nicht ungern hören. Angela Merkel wird sich bestärkt fühlen in ihrem Sparkurs und im Kampf gegen die Montis und Hollandes, die gegen allzu strenge Auflagen für die von Schulden und Wirtschaftsflaute geplagten Länder aufbegehren. Auch deren Standpunkt – die Sorge vor dem Kaputtsparen ganzer Staaten – ist zwar berechtigt. Doch seit gestern sind ihre Chancen, Merkel zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, deutlich gesunken.

Walter Bau

Kommentare
Aus dem Ressort
SPD-Bundesvize: "Pegida"-Anhänger keine "arglosen Bürger"
"Pegida"
Juden und Christen stellen sich an die Seite der von Islamfeinden der umstrittenen "Pegida"-Bewegung angegriffenen Muslime in Deutschland.
Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab
Sterbehilfe
Der Deutsche Ethikrat hat sich im Grundsatz gegen eine ärztlich assistierte Selbsttötung ausgesprochen. Röspel: Hospize und Palliativvorsorge stärken
Grüne kritisieren Umgang der SPD mit Edathy-Affäre
Affäre
Die Grünen kritisieren: Sozialdemokraten fehlt der Wille zur Aufklärung. Fraktionschef Oppermann soll schon bald im Zeugenstand.
Migrantenkinder können doppelte Staatsangehörigkeit behalten
Doppelpass
Jahrelang wurde gestritten: Sollen in Deutschland geborene Zuwandererkinder zwei Pässe haben können? Seit Samstag gilt: Ja - mit Einschränkungen.
Steinmeier will Russland nicht in die Knie zwingen
Sanktionspolitik
Die EU bleibt bei Russland-Sanktionen hart. Außenminister Steinmeier hingegen spricht sich vorsichtig für eine Lockerung der Sanktionen aus.
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
Familie Al Sari floh in den Libanon
Bildgalerie
Spendenaktion