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Ein ganzes Land ist gegen Klonen

17.05.2013 | 00:21 Uhr

Berlin. Ein Forscherteam um Shoukhrat Mitalipov hat an einer Universität im US-Bundesstaat Oregon erstmals menschliche em­bryonale Stammzellen künstlich hergestellt — durch Klonen. Die Wissenschaftler beteuern, dass sie nicht ganze Menschen erzeugen wollen, sondern nur Zellen zur Heilung von Krankheiten. Doch schon das wäre in Deutschland verboten. Entsprechend skeptisch reagierte hierzulande die Fachöffentlichkeit auf die Nachricht von dem wissenschaftlichen Erfolg. Ist es überhaupt einer?

Der forschungspolitische und der gesundheitspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Albert Rupprecht (CSU) und Jens Spahn (CDU), erklärten, Versuche, menschliches Leben zu klonen, seien mit der Menschenwürde unvereinbar. Ergebnisse der adulten Stammzellforschung oder die erfolgreiche Erzeugung von Stammzellen aus Körperzellen zeigten, dass es „hier auch viele Chancen für die Forschung gibt, ohne dass an menschlichem Leben herumgebastelt werden muss.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Wolf-Michael Catenhusen (SPD), plädierte dafür, sich nicht auf die Forschung mit geklonten Zellen zu versteifen. „Mit patienteneigenen pluripotenten Stammzellen gibt es eine ethisch unbedenkliche Alternative. Ich bin dafür, diesen Weg weiter zu gehen.“

Rolle der Frau im Fokus

Vertreter der katholischen Kirche warnten ganz generell vor der „Verzweckung des Menschen“ für die medizinische Forschung. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, rückte zudem die Rolle der Frauen bei dieser Form der Stammzellen-Produktion in den Fokus: „Es mussten zweifellos viele Embryonen erzeugt und zerstört werden. Die Gewinnung der benötigten Eizellen setzt die beteiligten Frauen nicht nur einer höchst fragwürdigen Instrumentalisierung, sondern auch gefährlichen und schädlichen Nebenwirkungen aus.“

Auch der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche (EKD), Nikolaus Schneider, sagte, die Menschenwürde verbiete es, „menschliche Embryonen ausschließlich als Mittel den Zwecken anderer Menschen zu unterwerfen“. Das gelte selbst dann, wenn dadurch anderen Menschen geholfen werden könne.

„Frankenstein-Experimente“

Der Sozialethiker Peter Dabrock fürchtet, „dass jetzt die Rezeptur für reproduktives Klonen, für ,Frankenstein-Experimente’ gefunden ist“. Mehrere deutsche Wissenschaftler sprachen sich daher gestern dafür aus, das therapeutische Klonen weltweit zu verbieten – so wie es in Deutschland und anderen Ländern der Fall ist.

Als einzige plädierte die aus Firmen und Forschergruppen zusammengesetzte Deutsche Gesellschaft für Regenerative Medizin (GRM) dafür, die strengen Gesetze in Deutschland nicht als unveränderlich anzusehen. Sollten sich die Befunde aus den USA nicht als Eintagsfliege entpuppen, müsse man in Deutschland über die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Forschung nachdenken, sagte GRM-Chefin Ulrike Schwemmer.

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2013-05-17 00:21
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