Düsseldorf zeigt Flagge gegen Pegida

Düsseldorf..  Die selbsternannten Retter des Abendlandes wirken reichlich hilflos, als sie am Abend am Taxistand des Düsseldorfer Hauptbahnhofs Aufstellung beziehen. Nicht einmal 200 Anhänger sind dem Demonstrationsaufruf des Düsseldorfer Pegida-Ablegers „Dügida“ gefolgt. Sie versammeln sich um drei Deutschland-Fähnchen, die man aber kaum sieht, weil die Polizei dichte Ringe aus Einsatz-Hundertschaft, Reiterstaffel und Mannschaftswagen-Konvoi um das Grüppchen legen muss.

Dahinter schieben sich rund 6000 Menschen die Friedrich-Ebert-Straße entlang, die den traurigen „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ unmissverständliche Parolen entgegenschleudern: „Haut ab“ und „Nazis raus“. Die Landeshauptstadt ist an diesem Abend zwar längst nicht so machtvoll für Respekt und Vielfalt auf der Straße wie München oder Leipzig. Doch das von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) herbei gesehnte friedliche Signal Nordrhein-Westfalens wird es dennoch.

„Wir sind Charlie, nicht Pegida“

„Wir sind Charlie. Wir sind nicht Pegida“, ist auf einem Schild zu lesen. „Toleranz ins Rampenlicht“ auf einem anderen. Graubärtige Altlinke sind da, schwarz gekleidete Antifa-Aktivisten, vor allem aber eine bunte Mischung aus Jungen und Alten, Kinderwagen und Lodenmänteln, Migranten, Studenten, Rentnern. „Wir setzen ein Zeichen und essen einen Döner“, witzeln die einen am Imbiss. Betroffen und leise wirken die anderen.

Der Versuch der Pegida-Bewegung, sich unter dem Eindruck der islamistischen Anschläge von Paris im Westen etablieren zu können, darf zumindest an diesem Montag als gescheitert betrachtet werden. Schon Anfang Dezember beim ersten „Dügida“-Aufruf hatten sich nur rund 450 Demonstranten in Düsseldorf verloren. „Bogida“ in Bonn und „Kögida“ in Köln verliefen derart kläglich, dass man sich in NRW auf die Landeshauptstadt konzentrieren wollte.

Die rheinische Ausgabe der Pegida wird obendrein von einem Führungsstreit erschüttert. Die gestrige Demonstration wurde von einer Melanie Dittmer angemeldet, die im Vorstand der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW sitzt und mit relativierenden Äußerungen zum Holocaust („völlig unerheblich“) bereits öffentlich Entsetzen hervorgerufen hatte. In diesem Umfeld schienen sich andere, die lieber nationalkonservativ blinken und sich auf diffuse Islam-Ängste berufen wollen, nicht mehr wohl zu fühlen: Dittmer darf nicht mehr für jene Pegida sprechen, die in Dresden Woche für Woche beträchtlichen Zulauf erfährt.

„NRW ist tolerant“, rief Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) gestern als Hauptrednerin der Gegenkundgebung ins Mikrofon. In Düsseldorf lebten 180 Nationen friedlich zusammen. „Unsere Antwort auf Terror, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Einschüchterungsversuche ist klar und unmissverständlich: Wir verteidigen das freie Wort und unsere Demokratie“, erklärte sie.

Breites bürgerliches Bündnis

Anders als die rheinischen Nachbarn in Köln tun sich die Düsseldorfer gemeinhin schwerer, auf der Straße Flagge zu zeigen. Diesmal hatte sich aber binnen weniger Tage ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kulturschaffenden oder Sportvereinen wie Fortuna Düsseldorf formiert. Inspiriert wurde es vom konsequenten Neu-OB Geisel, der bis vor das Oberverwaltungsgericht zog, um durchzufechten, dass er als städtischer Amtsträger zum Widerstand gegen Pegida aufrufen darf. Er könne in einer Frage von Humanität und Toleranz kein seelenloser Technokrat sein, so Geisel. Er bekam Recht. Der Rheinturm, das Wahrzeichen der Stadt, blieb unbeleuchtet und verschwand in einer schwarzen Nacht, in der nur das Knattern des Polizei-Hubschraubers noch daran erinnerte, dass irgendwo hier Pegida sein sollte.