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Migrantenschelte

Druck auf Sarrazin wächst

08.10.2009 | 10:36 Uhr
Druck auf Sarrazin wächst

Berlin. Mehrere Politiker und der Paritätische Wohlfahrtsbank fordern den Rücktritt von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. Nach seiner Migrantenschelte wächst der Druck auf den früheren Berliner SPD-Finanzsenator. Barbara John (CDU) bezeichnet Sarrazins Aussagen als "Stammtisch-Talk".

Osnabrück (ddp). Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin nach dessen umstrittenen Äußerungen über Migrantengruppen zum Rücktritt aufgefordert. Wie die «Neue Osnabrücker Zeitung» berichtet, warfen die Vorsitzende Heidi Merk und ein dem Paritätischen angehörender Zusammenschluss von über 100 Migrantenorganisationen Sarrazin in einem Brief vor, er habe die «Grenze zu rassistisch und sozialdarwinistischen Äußerungen erreicht, wenn nicht bereits überschritten». Anhänger neonazistischen Gedankenguts hätten bereits beigepflichtet und «werden sich freuen, dass ihre latent-aggressive und verächtliche Sprache nun auch schon in Vorstandsetagen gedrungen ist», schreibt die Zeitung unter Berufung auf das Schreiben. Sarrazin sei als Spitzenrepräsentant einer öffentlichen Institution wie der Bundesbank nicht mehr tragbar.

Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator hatte in einem Interview mit der Zeitschrift «Lettre International» Türken und Araber kritisiert und unter anderem erklärt: «Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.» Die Lösung des Problems könne nur heißen: kein Zuzug mehr.

Auch die frühere Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John (CDU) warf dem Bundesbankvorstand Rassismus vor. «Was er sagt, ist abwertend, niedermachend, destruktiv und ausgrenzend«, sagte sie der »Frankfurter Rundschau«. »Nach der allgemeinen Definition, was rassistisch ist, könnte man seine Äußerungen da einordnen.» Mit den tatsächlichen Verhältnissen hätten die angeblichen Wahrheiten Sarrazins nichts zu tun. «Ich erkenne da keine Faser der Berliner Wirklichkeit wieder«, sagte John. Was sie erkenne, seien oft gehörte Ressentiments bei einzelnen Bürgern der Stadt, die besonders da kursierten, wo die unmittelbare Begegnung mit Einwanderern nicht stattfinde.

John forderte seinen Rücktritt: «Das ist Stammtisch-Talk. Nur wissen diejenigen, die am Stammtisch sitzen, dass sie bierselig sind und das nicht so ganz ernst meinen. Herr Sarrazin aber ist Vorstandsmitglied der Bundesbank.» Leute in einer solchen gehobenen Position, die zur politischen und finanziellen Elite gehörten, müssten wissen, was sie mit ihren Aussagen bewirken. (ddp)

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