Drohne beugt Abhängigkeit vor

Nun wollen Sie mit Frankreich und Italien eine Drohne entwickeln. Ist sie bewaffnet?

Es geht um eine Aufklärungsdrohne. Sie soll wie „google earth“ in hoher Auflösung Live-Bilder liefern, so dass Soldaten in einem Gelände früher erkennen können, was sich hinter dem nächsten Hügel abspielt, ob zum Beispiel ein Hinterhalt droht. Alle Drohnen der nächsten Generation werden bewaffnungsfähig sein. Die Entscheidung, ob sie bewaffnet und wann sie zum Schutz der Soldaten eingesetzt werden, trifft allein der Bundestag. Ich erkläre Ihnen auch, warum die Entwicklung für Europa technologisch so wichtig ist.

Warum?

Wenn wir diese Fähigkeiten einkaufen müssten, würden andere darüber entscheiden, welche Bilder wir bekommen. Sie würden auch unsere Datensätze mitlesen. Diese Abhängigkeit möchte ich nicht. Das ist auch eine Lehre aus der NSA-Affäre. Wir Europäer fühlten uns auch deswegen so ohnmächtig, weil wir gemerkt haben, dass uns viele technologische Fähigkeiten fehlen.

Sehen Sie ein ethisches Problem darin, wenn jemand nicht mehr im Gefecht involviert ist, sondern am Computer über Leben und Tod entscheidet?

Wichtig ist, dass es bei einem deutschen Drohneneinsatz um den Schutz unserer Soldaten am Boden geht. Mir sagen erfahrene Militärs, dass der Druck und damit das Risiko einer Fehlentscheidung in einer Kampfsituation viel höher ist, wenn jemand mit einem Kampfflugzeug über ein Gelände rast und in Sekunden entscheiden muss, ob er zum Schutz der Truppe am Boden eine Rakete abfeuert oder nicht. Mit der Drohne, die lange kreisen kann, hat man mehr Zeit und kann mit mehreren Personen analysieren und abgewogenere Entscheidungen treffen.