Dresdner Opernball: Putin bekommt Orden für den "Kampf für das Gute"

Dresden. Mit Walzerklängen, Champagner und einem Lichtspektakel wird in der Semperoper am Freitag der diesjährige Dresdner Opernball gefeiert. Doch vor Beginn gibt es Misstöne: Der prominenteste Ballgast, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, soll einen Dankesorden erhalten.

Mit Walzerklängen, Champagner und einem Lichtspektakel wird in der Semperoper am Freitag der diesjährige Dresdner Opernball gefeiert. Doch kurz vor Beginn des gesellschaftlichen Großereignisses mit mehr als 2.000 Ballgästen gibt es Misstöne, weil eine umstrittene Ehrung auf dem Programmzettel steht: Der prominenteste Ballgast, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, soll einen Dankesorden erhalten.

Putin wird nach einer Unterredung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin am Freitagabend in der Barockoper in der Dresdner Altstadt erwartet. Dort soll er aus der Hand von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) den «Sächsischen Dankesorden» des Semperopernballs in Empfang nehmen. Geehrt werden sollen zudem Schauspieler und Entertainer Joachim «Blacky» Fuchsberger und Gewichtheber Matthias Steiner. Der Orden, ein Schmuckstück aus hochkarätigem Gold, zeigt den «Heiligen Georg» und soll den «Kampf für das Gute» symbolisieren.

Die Auszeichnung gilt Putins Engagement im deutsch-russischen Kulturaustausch, aber selbst das ist ein heikles Feld. Denn noch heute vermissen die Kunstsammlungen in Dresden Hunderte wertvolle Gemälde und Bücher, die im Zweiten Weltkrieg verschwanden. Manches davon wird in russischen Depots vermutet.

Stolz auf "mächtigen Staatsmann"

Die Ball-Organisatoren sind besonders stolz, mit Putin erstmals einen mächtigen Staatsmann aus dem Ausland auf den Ball geholt zu haben. Sie verhehlen auch nicht, dass sie die Veranstaltung so noch bekannter machen wollen. Der künstlerische Leiter des Opernballs, Hans-Joachim Frey, sagt: «Wir sind sehr glücklich über die Zusage.» Der Besuch Putins zeige, dass der Ball inzwischen auch international an Bedeutung gewonnen habe. Der Semperopernball war nach jahrzehntelanger Pause erstmals wieder 2006 gefeiert worden.

Doch längst nicht alle finden, dass die geplante Ordensverleihung an den einstigen Kremlchef in der Kategorie Politik eine besonders gute Idee ist. Kritiker verweisen darauf, dass es unter seiner Führung in Russland mit der Demokratie eher weiter bergab gegangen sei.

Kritik von Grünen und Linken

Die sächsische Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau nennt die geplante Auszeichnung schwierig. «Vielleicht soll dann im nächsten Jahr Libyens Staatschef Gaddafi ausgezeichnet werden, um noch mehr Aufmerksamkeit auf den Ball zu lenken», spottet sie. Auch André Hahn, Spitzenpolitiker der Linken im Landtag, kann nicht nachvollziehen, warum Putin einen Dankesorden erhalten soll. Dies könnte auch angesichts des aktuellen Erdgas-Streits missverständlich sein, kritisiert er.

Putin kennt sich bestens aus in Dresden. Er war zu DDR-Zeiten zwischen 1985 und 1990 in der Elbestadt für den Sowjetgeheimdienst KGB tätig, eine seiner Töchter wurde in Dresden geboren. «Ich liebe diese Stadt», hatte er früher einmal gesagt. Als Vorkämpfer für die Wiederbeschaffung von Beutekunst galt er allerdings nie. Selbst in der Landesregierung fragt sich nun mancher, was Tillich eigentlich in seiner Laudatio sagen will. «Das Ganze ist einfach oberpeinlich», heißt es im Kunstministerium in Dresden. (ap)

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