Dramatische Rettungsversuche in der Adria

Athen..  Verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit: Fast 500 Menschen wurden in der Nacht zum Sonntag an Bord der Autofähre „Norman Atlantic“ auf der Fahrt von Griechenland nach Italien auf hoher See von einem Feuer überrascht. Schnell griffen die Flammen um sich, Angst und Verzweiflung machten sich an Bord des Schiffes breit. Bis zum Abend gab es mindestens einen Toten. Hunderte saßen auf der Fähre fest.

Rettungshubschrauber versuchten nach Tagesanbruch, die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Bis zum Sonntagabend konnten erst etwa 165 Menschen gerettet werden. An Bord des Schiffes waren auch mindestens 14 Deutsche. Erschwert wurden die Rettungsversuche durch das Wetter: In dem Seegebiet rund 80 Kilometer nordwestlich der griechischen Insel Korfu tobte ein Sturm mit Windstärke neun, Regen und Hagel nahmen den Rettern die Sicht. Auf der brennenden Fähre spielten sich dramatische Szenen ab: „Wir sind völlig hilflos“, berichtete ein Passagier per Mobiltelefon im Radio. „Die Menschen schreien, alle sind verzweifelt“, schilderte ein anderer Reisender. „Keiner weiß, wie lange wir noch aushalten.“ Die Hitze an Deck sei so stark, dass seine Schuhsohlen geschmolzen seien, so ein Passagier. „Wir werden verbrennen wie die Mäuse.“ Rettungsflöße wurden zwar zu Wasser gelassen, einige trieben aber sofort ab. Fernsehbilder zeigten Menschen, die im kalten Wasser trieben.

Über dem Schiff stand eine große schwarze Rauchwolke. Flammen schlugen aus den Luken des Fahrzeugdecks. Nach dem Ausfall der Maschine und der Ruderanlage trieb die „Norman Atlantic“ führerlos in der stürmischen See. Acht Schiffe eilten zur Unglücksstelle. Die griechische Luftwaffe schickte zwei Hubschrauber und ein Transportflugzeug zur Hilfe. Bis zum Abend konnten 56 Menschen, die sich in Rettungsflößen befanden, von den Besatzungen anderer Schiffe in Sicherheit gebracht werden. Am Abend machte dann ein erster Schlepper an der noch brennenden Fähre fest. Weitere 150 Passagiere befanden sich in Rettungsbooten. Die griechische Regierung teilte mit, es gebe keine Vermissten. Marineminister Miltiadis Varvitsiotis sagte: „Es ist eine der schwierigsten Rettungsaktionen, die wir je durchgeführt haben.“

Wie griechische Medien berichteten, waren erst am 19. Dezember bei einer Inspektion der Fähre Sicherheitsmängel festgestellt worden (siehe Infobox).