Drama auf Flüchtlingsboot: Christen über Bord geworfen

Washington..  Die italienischen Behörden ermitteln gegen 15 muslimische Migranten, die auf einem Flüchtlingsschiff zwölf Christen über Bord geworfen haben sollen.

„Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Die Festgenommenen wurden mehrmals verhört, auch ­diejenigen, die sie beschuldigt ­haben“, sagte Staatsanwalt Fran­cesco Lo Voi der Zeitung „La Repubblica“. Den 15 Männern wird mehrfacher Mord vorgeworfen.

Nach Polizeiangaben war das Schlauchboot der Migranten am Dienstag mit etwa 100 Menschen von Libyen aus in See gestochen. Vor Sizilien kam nach Zeugenaussagen zum Streit zwischen Christen und Muslimen. In dessen Folge seien zwölf Christen aus Ghana und Nigeria über Bord geworfen worden. Grund für den Streit sei „religiöser Hass“ gewesen, teilte die Polizei mit. Die mutmaßlichen Täter kamen aus Mali, dem Senegal und der Elfenbeinküste. Die Schilderungen der Überlebenden sorgten für Entsetzen in Italien. „Es ist schrecklich, was auf dem Meer passiert ist“, sagte Staatsanwalt Lo Voi. Außenminister Paolo Gentiloni forderte mehr Unterstützung von Europa. „Es ist nicht ­möglich, dass die EU für das Schicksal der Flüchtlinge nur drei Millionen Euro pro Monat zur Verfügung stellt, eine beschämende Zahl im Vergleich zum EU-Haushalt.“

Italien ächzt unter dem Ansturm verzweifelter Menschen, die sich auf die von Afrika aus die lebensgefähr­liche Überfahrt über das Mittelmeer wagen. Kommunen und Regionen warnen, sie könnten keine Flücht­linge mehr aufnehmen. Allein in der vergangenen Woche hatten Marine und Küstenwache rund 11 000 Menschen in Sicherheit gebracht.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) kamen im gesamten Jahr 2014 etwa 170 000 Bootsflüchtlinge in Italien an. Für 2015 werden nach den Erfahrungen der ersten Monate ähnliche Zahlen erwartet.