Dieses Jahr schon 400 Tote durch Polizeischüsse in USA

Polizeigewalt in den USA ist zurzeit ein heftig debattiertes Thema.
Polizeigewalt in den USA ist zurzeit ein heftig debattiertes Thema.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Mehr als zwei Menschen pro Tag sind in den USA dieses Jahr bereits durch Polizeischüsse gestorben. Das ergab eine Recherche der "Washington Post".

Washington.. Polizisten haben in den USA in den ersten fünf Monaten dieses Jahres fast 400 Menschen erschossen. Das legt die Washington Post jetzt in einem Bericht offen. Nach Angaben des Traditionsblattes sind das mehr als doppelt so viele als von der Bundespolizei FBI jeweils im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre angegeben worden war.

Keine einheitliche Meldepflicht

Die Hauptstadtzeitung erklärt die eklatante Abweichung mit einer fehlenden einheitlichen Meldepflicht. Seit 2011 hätten lediglich drei Prozent der 18 000 Polizeibehörden auf Bundesstaats- und Stadtebene in den USA Schusswaffengebrauch mit Todesfolge an das FBI weitergereicht.

Todesschüsse „Wir werden die Zahl der Polizei-Toten nie senken können, wenn wir nicht endlich anfangen diese Fälle genau zu dokumentieren“, zitiert das Blatt Jim Bueermann, einst aktiver Polizist und heute Chef einer Washingtoner Stiftung, die sich für eine effektivere Polizeiarbeit einsetzt.

Die „Washington Post“ hat nach eigenen Angaben mit großem Aufwand jeden einzelnen bekannt gewordenen Todesfall in diesem Jahr untersucht, der auf einen Polizeieinsatz zurückgeht. Die zentralen Ergebnisse in Stichworten:

  • Unter den 385 bisher registrierten Toten waren nur 20 Frauen.
  • Über 200 Tote kamen aus der Altersklasse 25 bis 44 Jahre.
  • Das jüngste Opfer war 17, das älteste 83.
  • Die Hälfte der Getöteten waren Weiße, die andere Hälfte rekrutierte sich aus ethnischen Minderheiten wie Afro-Amerikaner oder Latinos.
  • Die große Mehrheit der durch Polizeikugeln Gestorbenen war bewaffnet - meist mit Pistolen oder Gewehren.
  • Aber 16 Prozent waren unbewaffnet oder trugen Attrappen oder Spielzeugpistolen.
  • Fast ein Viertel der Opfer war psychisch gestört oder geisteskrank.
  • Der überwiegende Teil stammte aus sozial prekären Schichten und hatte vorher bereits Konfrontationen mit der Polizei.
  • Das Polizei-Departement von Los Angeles ist mit acht Polizeitoten zwischen Januar und Mai trauriger Spitzenreiter.

Die „Washington Post“ zitiert in ihrer Dokumentation, die bis Jahresende fortgeschrieben wird, mehrere amtierende Polizei-Chefs, die einräumen, dass ein zu großer Anteil der tödlich ausgegangenen Konfrontationen auf falsche Entscheidungen oder schlecht ausgebildete Polizisten zurückging.

Nur in drei Fällen wurden Polizisten angeklagt

Nur in drei der 385 Todesfälle, viele davon bis heute umstritten, wurden beteiligte Cops bisher angeklagt. Ein Wert, der im Trend liegt. Bereits im April wurde bekannt, dass in den vergangenen zehn Jahren - bei mehreren tausend Polizeitoten - beteiligte Officer am Ende nur in 54 Fällen gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurden. Etliche Verfahren endeten mit Freisprüchen.