Die Schlichtung ist vorbei, der Kita-Streit geht weiter

Es geht ihnen um die „Aufwertung“ der Sozial- und Erziehungsberufe, aber dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht.
Es geht ihnen um die „Aufwertung“ der Sozial- und Erziehungsberufe, aber dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Erzieherinnen und Sozialarbeiter ärgern sich über den Kompromissvorschlag: „Dafür haben wir nicht gekämpft.“

Essen.. Die Freude über ein mögliches Ende des zähen Kita-Tarifstreits währte nur zwei Tage. Hatten die Gewerkschaften zunächst noch eher wohlwollend auf den Schlichterspruch vom Dienstag reagiert, scheint nun alles wieder offen. Denn nach und nach sickerte bei jenen, die gestreikt und für deutliche Einkommensverbesserungen gestritten hatten, die schmerzhafte Erkenntnis durch: Diese „Einigungsempfehlung“ der Schlichter Georg Milbradt (CDU) und Herbert Schmalstieg (SPD) ist offenbar kein großer Wurf. Eine Frage ist seit Dienstag immer wieder zu hören: „Und dafür haben wir so lange gekämpft?“

Kita Marina Deising ist eine von den rund 240 000 Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsberufen. Sie arbeitet im Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt Essen, bietet Eltern Erziehungsberatung und -hilfe an. Dass auch die Sozialarbeiter an dieser Tarifauseinandersetzung beteiligt sind, ist in der Bevölkerung kaum bekannt. Bisher war in Medienberichten fast immer nur vom „Kita-Streik“ die Rede, und dieses Nicht-Beachten nervt Deising und ihre Kollegen ebenso sehr wie der aus ihrer Sicht doch sehr bescheidene Schlichterspruch.

„Ich habe noch keinen getroffen, der mit dieser Schlichtung einverstanden ist“, sagte Deising. Und egal, um welche Berufsgruppe es gehe – Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, Sozialarbeiter – alle seien dabei „Verlierer“. Es sei in Ordnung, dass die Gewerkschaften nun erst einmal die Meinungen ihrer Mitglieder einsammelten. An der Solidarität der Beschäftigten, gegebenenfalls an ihrem Willen zu weiteren Arbeitskämpfen, sei jedenfalls nicht zu zweifeln.

Die Vorschläge der Schlichter sind kompliziert. Daher dauerte es zwei Tage, bis die Unzufriedenheit der Beschäftigten voll hervorbrach. Erzieherinnen mit Berufserfahrung dürften auf Aufschläge bis zu 161 Euro hoffen (bei einem Lohn von künftig 3450 Euro brutto nach 16 Jahren). Leiter von Kitas und Beschäftigte in der Behindertenhilfe schneiden ebenfalls relativ gut ab. Aber für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Erzieherinnen, die gerade in den Beruf eingestiegen sind, springt nicht viel heraus. 50 bis 100 Euro sind es in vielen Fällen. Das ist eine Gehaltserhöhung, aber keine Aufwertung der Berufe.

Kritik an der Laufzeit von fünf Jahren

Auch die geplante Laufzeit des Tarifvertrages von fünf Jahren missfällt manchen Gewerkschaftern. Sie wollen sich die Chance erhalten, gegebenenfalls noch vor 2020 weitere Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Verdi-NRW-Sprecher Günter Isemeyer stellte gestern „erhebliche Enttäuschung“ in den eigenen Reihen fest. Auf jeden Fall brauche man Zeit, um sich den Schlichterspruch genau anzusehen.

Am Dienstag gingen eigentlich noch alle von einem baldigen Ende des Tarifstreites nach folgendem Verfahren aus: Tarifabschluss gemäß Schlichterspruch - dann Zustimmung der Tarifkommissionen der Gewerkschaften. Für eine anschließende Befragung der Gewerkschaftsmitglieder hätte es eine klare Empfehlung gegeben.

Stattdessen werden Verdi, GEW und Beamtenbund dbb ihre Mitglieder offen fragen, ob sie den Schlichterspruch akzeptieren oder nicht. Frühestens am 13. August werden sich Arbeitgeber und Gewerkschaften wieder am Verhandlungstisch begegnen. Der Schlichterspruch scheint heute schon Schnee von gestern zu sein.