„Die Russen feiern, der Krieg ist aus, Hitler kaputt“

Ja, wie habe ich das Kriegsende erlebt? Die russische Front überrollte uns vor Neustrelitz. Der Rückzug begann mit einem leerem Pferdewagen. Die letzte lange Etappe gingen wir dann zu Fuß in Richtung Greifenhagen. Wir lagerten auf der Erde der Oderwiesen. Nachts hörten wir plötzlich Kanonendonner, der Himmel war hell voller Raketen. Russische Soldaten sangen und grölten. Wir hatten nur noch große Angst. Was würde jetzt kommen? Dann kamen zwei Männer vorbei, sie sprachen Polnisch. Meine Mutter sprach sie an und fragte, was das alles zu bedeuten habe. „Die Russen feiern, der Krieg ist aus, Hitler kaputt.“ Dann gaben sie uns noch den guten Rat, ins nächste Dorf zu gehen und dort erst einmal das folgende Geschehen abzuwarten. Denn auf unseren Hof bei Gnesen kämen wir mit Sicherheit nie mehr wieder. Unsere Ratlosigkeit war riesengroß. Vater war in einem Lazarett in Holstein, der Bruder war an der Ostfront und unsere Großmutter blieb allein auf dem Hof zurück. In den nun folgenden fünf Jahren mussten wir noch viele Irrwege durchlaufen, ehe wir doch schließlich alle wieder zueinanderfanden.