Das aktuelle Wetter NRW 26°C
Mitgliederschwund

Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu

23.05.2013 | 16:14 Uhr
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
Die SPD verliert nach wie vor mehr Mitglieder als sie hinzugewinnt. Das Foto entstand am Donnerstag bei der 150-Jahr-Feier der Partei in Hünxe.Foto: Heiko Kempken

Düsseldorf.   Die NRW-Landesverbände fast aller Parteien verlieren Mitglieder. Ausnahme sind die Grünen, sie wuchsen im vergangenen Jahr um 150 Köpfe. Den stärksten Landesverband mit knapp 143.500 Mitgliedern stellt die CDU, die aber auch die meisten Abgänge verbuchen muss: 4700 in einem Jahr. Und dann gibt es da noch die AfD.

Sie schrumpfen und schrumpfen. Alle Parteien in NRW scheinen von Schwindsucht befallen – fast alle. Überall sinken die Mitgliederzahlen, einzig die Grünen können ihren leichten Aufwärtstrend fortsetzen. Die Piraten haben ihren Zenit ausgerechnet vor der Bundestagswahl überschritten. Den stärksten Landesverband mit knapp 143.500 Mitgliedern stellt die CDU, die aber auch die meisten Abgänge verbuchen muss: 4700 in einem Jahr.

Immerhin wurde nach dem Fiasko bei der Landtagswahl vor einem Jahr mit dem Absturz von CDU-Landeschef Norbert Röttgen der Rückgang unter Nachfolger Armin Laschet etwas gebremst. Seit der neue Vorstand amtiert, hat sich der Saldo zwischen Austritten und Neumitgliedschaften um 20 Prozent verbessert. Die Austritte „aus politischen Gründen“ seien sogar um 57 Prozent zurückgegangen, betont man in der Parteizentrale.

Die Bindungskräfte erlahmen fast überall

Wie die CDU ist auch die SPD stark überaltert. Die wachsende Zahl von Todesfällen wirkt sich besonders negativ in der Statistik aus. „Viele Mitglieder sterben weg“, sagt Parteisprecher Christian Obrok. Zwar gilt der „Agenda-Knick“ als überwunden – nach den Hartz-Reformen unter Kanzler Gerhard Schröder hatten bis zu 9000 Genossen jährlich allein in NRW der Partei den Rücken gekehrt. Doch die Mitgliederzahl sinkt weiter, 2012 um gut 3000. Derzeit haben 125.000 Menschen in NRW ein SPD-Parteibuch. Als die Rau-Partei in den 80er-Jahren boomte, waren es 287.000.

Polit-Umfrage
SPD büßt nach Steinbrücks "Clown"-Vergleich Stimmen ein

Peer Steinbrücks "Clown"-Vergleich nach der Italien-Wahl kostet die SPD offenbar Stimmen: In einer aktuellen Umfrage kommen die Sozialdemokraten nur noch auf 28 Prozent der Stimmen. Die große Mehrheit der Befragten findet, dass Steinbrücks Äußerungen eines Kanzlerkandidaten nicht würdig seien.

Allgemein erlahmen die Bindungskräfte der Parteien. Noch nehmen die Grünen eine Sonderrolle ein. Seit ihrem innerparteilichen Konflikt um den deutschen Kriegseinsatz im Kosovo, als viele Ökopaxe die Partei aus Protest verließen, legen sie zu. „Wir wachsen nicht in atemberaubendem Tempo, aber kontinuierlich“, so ein Sprecher. Heute zählen die Grünen an Rhein und Ruhr 12.650 Mitglieder, 150 mehr als vor einem Jahr.

Die FDP spürt den „Lindner-Ruck“ auch in der Mitgliederkartei

In der NRW-FDP ist man stolz, dass man sich bei der Mitgliederentwicklung vom negativen Trend der Bundespartei etwas abgekoppelt hat. „Die müssen mehr kämpfen als wir“, heißt es in Düsseldorf. Der „Ruck“, den die Partei unter Landeschef Christian Lindner mit ihrem Erfolg bei der Landtagswahl spürte, spiegelt sich in Zahlen wider. Der Bestand hält sich trotz eines leichten Minus nahezu stabil. Zuletzt zählte die FDP in NRW 14.830 Mitglieder.

Lesen Sie auch
Steinbrück unbeliebter als Westerwelle

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stürzt nach seinen umstrittenen Einlassungen zum Kanzlergehalt in der Wählergunst massiv ab. Mit seiner Arbeit zeigten sich im neuen ARD-Deutschlandtrend nur noch 36 Prozent der Deutschen zufrieden. Dies sind 12 Punkte weniger im Vergleich zu Anfang Dezember.

Bei der Piratenpartei folgt die Abwärtskurve den Umfragewerten – und den Affären und Skandälchen, die sie produziert hat. Seit Jahresende hat die Partei, die sich bei ihrem Einzug in den Landtag vor Zulauf kaum retten konnte, deutlich an Mitgliedern verloren. Während 2012 ihre Mitgliederzahl einen Sprung von 3300 auf 6500 machte, ging sie seither auf 6080 zurück. Erschwerend kommt hinzu, dass nur 41 Prozent der NRW-Piraten ihre Mitgliedsbeiträge pünktlich bezahlen – und damit fast 60 Prozent in der Partei kein Stimmrecht haben.

Die Linken hatten über 1000 Karteileichen

Die Linkspartei hat ihre Probleme mit „Karteileichen“ inzwischen gelöst. Das sagt jedenfalls Parteichef Rüdiger Sagel. Vor einem halben Jahr habe man über 1000 Männer und Frauen aus der Statistik gestrichen, die zwei Jahre ihren Beitrag schuldig geblieben und teilweise nicht mehr ausfindig zu machen waren. Seitdem halte sich der bereinigte Bestand konstant bei 6800. Ihren Rekordwert verzeichnete die Linke, die seit Mai 2012 nicht mehr im Landtag sitzt, vor vier Jahren mit 8800 Mitgliedern.

Einen ähnlichen Auftrieb, wie ihn Piraten und Linke hinter sich haben, erhofft sich die „Alternative für Deutschland“ (AfD). Anfang Mai zählte der Landesverband der Euro-Gegner, der erst im April gegründet worden war, 1700 Mitglieder. „Pro Woche“, schätzt Landeschef Alexander Dilger wohlwollend, „kommen 100 bis 200 hinzu.“ Der Wirtschaftsprofessor aus Münster war zuvor lange Mitglied in der FDP, ehe er sie „enttäuscht“ verließ – nach 23 Jahren.

Theo Schumacher


Kommentare
05.07.2013
20:28
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
von Entschuldigung | #7

OK,
die Grünen sind zwar immer noch besser für die Menschen als cdufdpspd,
aber eine wirkliche Alternative sind sie nicht mehr!
Kriege führen, Sozialabbau, ...
so kennt man die Grünen, auch Bezieher von Parteispenden der Banken, als Regierungspartei.
Zur Zerit gibts nur eine wählbare Partei,
die LINKE,
selbst ExBundespräsident Köhler sieht in ihr zur zeit die einzigen Bewahrer der sozialen Marktwirtschaft,
like Ludwig Erhardt!

26.05.2013
18:09
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
von grauen | #6

die Partei die die Bürger bevormundet, Nichtrauchergesetz, Dosenpfand, aber Drogen in geringen Mengen für den privaten Bedarf freigeben.
Demnächst kommt das Rauchverbot im Auto, in der eigenen Wohnung, auf dem Balkon oder in der Öffentlichkeit überhaupt.

Aber um wichtige Themen wird sich nicht gekümmert; z.B. Reduzierung der Bundesländer von 16 auf 12, oder Abbau der über 600 Bundestagsabgeordneten, dafür wurde bei der letzten Landtagswahl in NRW die Anzahl der dortigen Abgeordneten von ca. 180 auf über 200 erhöht. Übrigens, das trifft für alle Parteien zu.

24.05.2013
20:47
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
von Broncezeit | #5

Eine reine Bevormundungspartei bestehend aus Besserwissern, die sich als Elite wahrnimmt, sozusagen ein Adel neuerer Machart mit kommunistischem Gedankengut.

24.05.2013
16:16
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
von xdiexgedankenxsinnfreix | #4

Parteibücher haben wohl noch in den Verwaltungen Bedeutung, die Wähler finden immer schwerer Unterschiede zwischen CDU/SPD/FDP, die in dreister Ungeniertheit immer öffentlicher die Sorge um ihr politisches Gewicht nach Außen tragen und dabei anscheinend ihren Auftrag, dem Wohle der Bundesrepublik zu dienen, nicht beherrschen.
Was kam von Merkelchen zum EU Gipfelchen: Wir arbeiten an einer gem. Steuerlösung (Gänsepüpchen), zum Fracking der Hinweis, daß Erdgas in den USA so viel billiger produziert wird. Also will sie Fracking Dieese.... Kanzlerin.
Die SPD darf sich wegen ihrer tollen performance nicht über den 3.stärkste Fraktion Status im Bundestag wundern dürfen , und die allgegenwärtige Unfähigkeit der FDP sollte Freistellung vom Bundestag bewirken. Bei Grün reicht so ein Trittin-Schrei zu Steuervermeidung und Fracking , Leute mögen es. Und Piratenpower? Nach dem BPT sind sie wohl versehentlich ins U-Boot geraten. AUFTAUCHEN PIRATEN, SONST ABSAUFEN!

24.05.2013
13:31
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
von wohlzufrieden | #3

Wie schreibt die WAZ so schön, die Linken haben "Karteileichen." Ja, und die CDU hat die selben in der Badewanne...

1 Antwort
Die Parteien in NRW schrumpfen – nur die Grünen legen zu
von lemonbutter | #3-1

Es ist schon erstaunlich welche Kommentare gelöscht werden und welche stehen bleiben. Der Kommentar von wohlzufrieden ist einfach nur beleidigend. Aber das scheint für die WAZ ja nicht so schlimm zu sein.

24.05.2013
09:06
SPD: "Zwar gilt der „Agenda-Knick“ als überwunden – nach den Hartz-Reformen" - träumt weiter SPDler...
von nachdenken | #2

Auswertung der ARD Deutschlandtrend-Frage heute Morgen, ob die SPD noch eine Arbeiterpratei sei:
Die klare Merhheit der _Nicht_-SPD-Mitglieder antwortete "nein". Die SPDler genau anders herum.
Das ist ein klarer Fall von Selbstbetrug und falscher Wahrnehmung der Realität der SPD-Leute...
Und die, die jetzt weiter austreten, sind die Leiharbeiter, die so schlau sind, ihre Beiträge nicht auch noch denen zu geben, die sie in die Lage gebracht haben.
Und die, die ihre Lebenserträge verlieren, weil Missmanagement der "Bosse" ihre Firma in die Pleite trieb und sie nun auf ALG II kommen.
Gerd Schröder - Boss der Bosse... sagt doch alles.

Nur die blödesten Kälber bezahlen ihre Metzger selber.

24.05.2013
09:05
nur die Grünen legen zu
von Klug22 | #1

Nun ja, auch Italiener haben Berlusconi gewählt! Also besteht diese Krankheit nicht nur in NRW!

Aus dem Ressort
Separatisten schießen zwei ukrainische Kampfjets ab
Ukraine-Krise
Knapp eine Woche nach dem Absturz von Flug MH17 über der Ost-Ukraine sind am Mittwoch erneut zwei Flugzeuge abgeschossen worden. Wie ein ukrainischer Militärsprecher sowie pro-russische Separatisten übereinstimmend berichteten, haben Aufständische zwei ukrainische Kampfjets abgeschossen.
Das Misstrauen gegenüber dem Freihandelsabkommen TTIP wächst
TTIP-Abkommen
Für die Beteiligten in den Verhandlungen zwischen EU und USA bei dem umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP gilt Geheimhaltungspflicht. Auch der designierte EU-Kommissionschef Juncker fordern mehr Transparenz. Denn gegenüber TTIP wächst das Misstrauen.
Zeuge versetzt Gericht im NSU-Prozess - in Kneipe eingekehrt
NSU-Prozess
Mit einer skurrilen Begründung ist ein Zeuge im NSU-Prozess seiner Ladung vor Gericht nicht nachgekommen: Er sei zwar zunächst in einen Zug nach München gestiegen, habe dann aber "etwas trinken müssen" und sich eine Wirtschaft gesucht. Bundesanwalt Diemer will ihn jetzt zwangsweise vorführen lassen.
FDP-Chef Christian Lindner entdeckt den starken Staat
FDP
Der FDP-Chef Christian Lindner will die innere Sicherheit stärken und die Bürger besser vor Einbrüchen schützen. Ein Gespräch über die Grenzen der Toleranz, den schwierigen Wiederaufbau der Partei und seine Abneigung gegen Beckenrand-Schwimmer.
Von der Leyen gegen Alleingänge bei Afghanistan-Abzug
Afghanistan
Wann verlässt der letzte deutsche Soldat Afghanistan? Das wagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auch bei ihrem zweiten Truppenbesuch am Hindukusch nicht zu sagen. 2400 deutsche Soldaten sind dort noch im Einsatz. Fest steht bisher nur das Ende des Nato-Kampfeinsatzes.
Umfrage
Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

 
Fotos und Videos
Trauer nach Flugzeugabsturz
Bildgalerie
Flugzeugabsturz
Flugzeugunglück in der Ukraine
Bildgalerie
MH17-Unglück