Die Krise ist noch nicht gelöst

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ein, gelöst ist die Krise in Griechenland mit dem gestrigen Verhandlungsergebnis noch nicht. Immerhin lässt der beinharte Poker eine Kompromiss-Linie erkennen: Die griechische Regierung erhält weitere Bürgschaften der europäischen Länder. Damit erkauft sie sich Zeit für dringend nötige Reformen. Und Europa bleibt bis auf Weiteres eine Einheit. Beides ist gut.

Die Tsipras-Regierung muss nun zeigen, dass sie Korruption, Bürokratie und Misswirtschaft wirklich bekämpfen will. Sie hat wie keine andere griechische Regierung die Chance dazu.

Die Menschen im Lande werden einen harten Kurs hoffentlich mittragen, wenn das Land modernisiert und auch die Reichen und Superreichen endlich mal zum Steuernzahlen verpflichtet werden.

Es ist unerträglich, dass die griechischen Wohlhabenden nach wie vor Milliarden Euro aus ihrer Heimat ins Ausland schaufeln - während die Normalbürger und Armen unter der Sparknute leiden. Fordern und fördern muss auch in Hellas die Devise lauten.

Es muss im Interesse aller Europäer sein, dass Griechenland europäisch modern wird; mit einem funktionierend Staats-, Bildungs- und Wirtschaftssystem.

Es wäre blamabel für den europäischen Gedanken, wenn die Geburtsstätte der Demokratie die Einheit verließe. Käme es so, bräche das Land im Chaos zusammen - und hätte urplötzlich neue Freunde: Chinesen oder Russen würden sich allzugern um das Land kümmern. Dies will sicher niemand.

Ob der gestrige Abend irgendwann historisch genannt werden kann, bleibt abzuwarten. Ein Grundstein ist jedenfalls gelegt.