Die Krippe in Bethlehem bekommt ein dichtes Dach

Was wir bereits wissen
Die Geburtskirche Jesu wird renoviert. Es ist nötig, denn es regnete durchs Dach. Die Menschen in der Stadt haben aber kaum etwas davon.

Bethlehem.. In diesem Jahr wird es ein trockenes Weihnachtfest geben in der Geburtskirche von Bethlehem, ganz egal wie sehr es draußen stürmen mag. Das alte Haus aus dem vierten Jahrhundert wird verjüngt. Zur ersten von drei Renovierungsphasen gehören die 38 antiquen Fenster und das Dach, denn dort regnete es seit Jahren durch. Die neuen Fensterrahmen sind handgezimmert und ersetzen die schlichteren Modelle, die vor rund 50 Jahren maschinell gefertigt wurden.

„Es bleibt noch immer viel zu tun“, seufzt Restaurator Marcello Piacenti, der zusammen mit seinem 15köpfigen Team eigens aus Rom angereist ist für die Arbeiten an dem der Christenheit so bedeutenden Haus.

Vorbereitung für das Fest

In Jesu Geburtsort wird letzte Hand angelegt für das bevorstehende Fest. Bühne und Weihnachtsbaum stehen schon bereit auf dem Manger-Platz vor der Kirche. Die überdimensionale Plastiktanne trägt mit schwarz-weiß-rot-grüner Dekoration in diesem Jahr die Farben der palästinensischen Flagge . „All we want for Christmas is Justice“ (Alles, was wir uns zu Weihnachten wünschen, ist Gerechtigkeit), steht auf dem Plakat, das die Bühne schmückt.

Israel An den Abenden finden schon in der Vorweihnachtszeit Parties mit Tanz- und Singgruppen statt. Eingeladen ist die lokale Bevölkerung vor allem aus den umliegenden Flüchtlingslagern. An den Feiertagen selbst haben Patriarchen, die mit ihrem Gefolge aus Jerusalem kommen, Vortritt und die Touristen, denn sie bringen das Geld, von dem die Stadt lebt. Um dem Ansturm Herr zu werden, gibt es Tickets für die Messen am Heiligen Abend. „Ich weiß von Touristenführern, die ihre Freikarten für 500 Dollar pro Stück verkaufen“, berichtet Michael Jakaman, der direkt am Manger-Platz das „Christmas-House“ managt, seinen Souvenirladen.

Krieg ist schlecht fürs Geschäft

Jakaman ist katholisch und gehört selbst zur Gemeinde der Geburtskirche, trotzdem geht er kaum noch dorthin. „Das letzte Mal war ich im Sommer zur Hochzeit meiner Tochter in der Kirche“, gibt er zu. Der Ladenbesitzer hadert ein wenig mit seinem Schöpfer. Er ist frustriert über das schlechte Geschäft. Mit dem Krieg im Gazastreifen blieben den ganzen Sommer über die Besucher weg.

Kaum waren die Kämpfe vorbei, fing die Stadtverwaltung an, die Häuserfront entlang des Manger-Platzes zu renovieren. „Zwei Monate lang versperrten die Baugerüste den Zugang zu meinem Laden“, schimpft Jakaman. Dabei begann das Jahr so gut für den Fremdenverkehr. Papst Franziskus, der Ende Mai ins Heilige Land und nach Bethlehem reiste, spornte zahlreiche Pilger an, es ihm gleichzutun.

Heilig Abend kommen die Touristen

Die Vorweihnachtszeit ist, „wie in jedem Jahr“, so sagt Jakaman, noch gemütlich ruhig in der Stadt, die einen gepflegteren Eindruck macht als in den Vorjahren. Die Hecken sind gestutzt, die Straßen gefegt, und auf dem Manger-Platz stehen neue Sitzbanken. Der große Sturm der Touristen wird erst kurz vor Heiligabend erwartet. Nur eine Pilgergruppe aus Indonesien lässt sich durch die Geburtskirche führen, und ein älteres Ehepaar aus Deutschland erkundigt sich über die Restaurierung. Entlang der Säulen im Mittelschiff stehen die Baugerüste von Restaurator Piacenti und Tafeln, auf denen die nächste Phase der Arbeiten erklärt wird.

Reparaturarbeiten Mit Stahlstangen und Klebstoff, der in das bestehende Holzwerk eingelassen wird, soll dem Bau neue Stabilität verliehen werden. Piacenti geht Schritt für Schritt voran, denn noch ist die Finanzierung der beiden letzten Restaurationsphasen nicht garantiert. Für das Dach und die Fenster stellte der Restaurator, der seit September letzten Jahres an der Geburtskirche arbeitet, knapp zwei Millionen Euro in Rechnung. Palästinenserpräsident Machmud Abbas beglich rund 800.000 Euro aus dem öffentlichen Haushalt. Palästinensische Banken und private Firmen gaben noch einmal gut 600.000 Euro dazu. Den Rest spendeten vor allem Frankreich, Ungarn, Griechenland und der Vatikan.

Das Geld reicht nicht

„Noch reicht das Geld nicht, um die Kirche komplett zu restaurieren“, sagt Siad Bandak, Berater des Präsidenten in christlichen Angelegenheiten und für Beauftragter der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) für die Erneuerungsarbeiten an der Geburtskirche. Im Sommer 2012 verlieh die UNESCO der Kirche den Titel Weltkulturerbe. Finanziell machte sich dieser Titel nur indirekt bemerkbar. Die UNESCO zahle selbst nichts dazu, dafür aber sei es leichter geworden, Spender für die Restauration zu gewinnen, meint Bandak.

Experten veranschlagen eine Summe von insgesamt 15 Millionen Euro, wobei Verschiebungen fast zu erwarten sind. „Wir hoffen, daß im Verlauf der Arbeiten nicht noch versteckte Probleme zum Vorschein kommen, die das Projekt verteuern würden“, sagt Bandak. Bei einem so alten Gebäude könne man nie genau wissen.

Drei Kirchengemeinden müssen sich einigen

Nicht nur die Finanzierung ist problematisch. Fast noch schwieriger war es anfangs, eine Einigung unter den drei Kirchengemeinden zu erreichen, den Katholiken, Armeniern und der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Bevor die Arbeit beginnen konnte, wurden Experten in Italien und Kanada zu Rate gezogen, um den Rahmen abzustecken, was gemacht werden muss, und was davon am dringlichsten ist.

Astronomie Die Koexistenz der drei Kirchen ist nicht immer friedlich. Die Bürger von Bethlehem witzeln über den sich jährlich wiederholenden Kampf zwei Tage vor Heiligabend. Dann wird das Gotteshaus geputzt, und die Mönche tun gut daran, sich gegenseitig nicht in die Quere zu kommen und jeweils nur den eigenen Teil zu fegen.

Schlieren vom Regenwasser

Bei den Armeniern sind die häßlichen schwarzen Schlieren, die das durchsickernde Regenwasser an den Wänden hinterließ, am deutlichsten zu erkennen. Piacentis Team konzentriert sich trotzdem zunächst auf die Mosaike. Die Wände kommen zum Schluß. „Basilius Pictor“ schrieb der Künstler seinen Namen auf eins der Werke. Es müsste dringend von schwarzen Rußspuren gereinigt werde, erklärt Piacenti und zeigt, wie der Künstler einen Teil der Steinchen in schrägem Winkel befestigte, damit sich das Licht für den Betrachter, der unten steht, auf dem goldenen Mosaik widerspiegelt.

Bei fast jedem Handgriff ist Vorsicht geboten. „Es ist möglich, dass sich unter den Farbschichten an der Wand noch alte Malereien verstecken“, sagt Piacenti, der selbst gläubiger Christ ist und ein Kreuz am Halskettchen trägt. Der Auftrag in der Geburtskirche ist für ihn etwas ganz besonderes, denn „dies ist sehr heilig und sehr alt“. Vor allem die Arbeit in den Nachtstunden ohne Pilger und Touristen genießt der römische Restaurator. „Wenn die Mönche kommen und die Öllampen nachfüllen, dann ist das ein ganz emotionaler, religiöser Moment“, sagt der Restaurator.