Die kleinen Peinlichkeiten der AfD-Chefin Frauke Petry

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative für Deutschland), hat in einem Interview private und politische Bekenntnisse ausgeplaudert.
Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative für Deutschland), hat in einem Interview private und politische Bekenntnisse ausgeplaudert.
Foto: dpa
AfD-Chefin Petry irritiert mit privaten und politischen Bekenntnissen in Interviews – und isoliert sich damit in der eigenen Partei.

Berlin.. Frauke Petry pokert hoch: Kurz vor dem AfD-Programmparteitag Ende April irritiert die Vorsitzende mit privaten und politischen Bekenntnissen wieder einmal ihre Parteifreunde. Spätestens jetzt ist klar, dass der AfD schwierige Wochen bevorstehen – und Petry als Vorsitzende unter Druck steht.

Hätten es Petry und ihr Partner Marcus Pretzell nur beim Liebesgeflüster belassen, vielleicht wäre die Unruhe in ihrer Partei jetzt nicht ganz so groß. „Sie hat so etwas dämonenhaft Schönes“, sagt Pretzell über Petry in der aktuellen Ausgabe der „Bunten“. Der AfD-Landeschef in NRW flötet weiter, er finde intelligente Frauen „sexy“. Und Petry sagt im gemeinsamen Interview: „Bei Marcus kann ich mich anlehnen. Das brauche ich auch hin und wieder.“

TV-Interview Man kann das peinlich finden oder nicht, für einen Teil der AfD-Mitglieder ist allein dieser Auftritt des „umstrittenen Powerpaars“ (Bunte) eine Provokation. Die Liaison zwischen der 40-jährigen Petry, die ihren Ehemann vor einigen Monaten verlassen hat, und Pretzell (42) ist für Konservative ein großes Ärgernis, die Partei hält offiziell das traditionelle Familienbild ganz hoch. Der eher gemäßigte Flügel sieht die Beziehung indes als politisches Risiko: Petrys Partner gilt als maßgeblich verantwortlich für den Rechtsruck der AfD.

Petry „will keine Toten“

Doch die Vorsitzende belässt es nicht beim Plaudern übers Privatleben: Nebenbei attackiert sie in dem Gespräch auch öffentlich führende Mitglieder der AfD. Parteivize Alexander Gauland watscht sie wegen seiner Aussage ab, die Flüchtlingskrise sei ein „Geschenk des Himmels“ für die AfD: „Ein fataler Satz“, geht Petry auf den Brandenburger Landeschef los, „man kann sich doch nicht über Entwicklungen freuen, die dem Land schaden.“

Morgenmagazin Und der Berliner AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch wirft sie vor, ihre Aussagen zum Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge seien „katastrophal“ gewesen. „Ich will keine Toten.“ Petry hatte das Thema aber mit einem Interview vor zwei Monaten selbst ins Rollen gebracht, von Storch sprang ihr damals zur Seite und machte alles noch schlimmer – sie bejahte, dass die Einreise von Frauen und Kindern mit Waffengewalt verhindert werden solle. Von Storch lässt die Angriffe ihrer Vorsitzenden nun aber nicht auf sich sitzen: Die Debatte um Schusswaffen habe Petry losgetreten, erklärte sie der „Bild“, „das war der Kardinalfehler“.

So bekommt die Öffentlichkeit unerwartete Einblicke in das Innenleben der Partei. Kurz nach dem Triumph bei den Landtagswahlen treten in der AfD die Spannungen offen zutage. Im Mittelpunkt vieler Querelen: Frauke Petry. Die Chefin hat schon früher Parteifreunde irritiert – doch jetzt häufen sich Pleiten, Pech und Peinlichkeiten.

In der AfD isoliert sich Petry mit Eigenmächtigkeiten

Mal erschien sie unentschuldigt nicht zum Interview im ZDF-Morgenmagazin, dann überraschte Petry mit verwirrenden Aussagen über die Demonstrationen gegen Flüchtlinge im sächsischen Clausnitz: Erst räumte sie ein, dass AfD-Mitglieder beteiligt waren, dann korrigierte sie sich auf Druck von Führungsleuten. Ihre Aussagen zum Schusswaffengebrauch gegen illegalen Grenzübertritt von Flüchtlingen brachten Petry eine öffentliche Klarstellung des Vorstands ein. Zuletzt sorgte es für Aufsehen, dass die Vorsitzende die Zusammenarbeit mit Parteipressesprecher Christian Lüth einstellte – die anderen Mitglieder des Vorstands aber folgten ihr nicht und verlassen sich nun weiter auf Lüths Dienste. Nicht nur bei dieser Personalie ist Petry isoliert.

Völlig ohne Einfluss ist sie nicht. Im Zusammenspiel mit dem Rivalen Gauland gelang es ihr, vor dem Parteitag einen Programmentwurf zu entschärfen. Der wirtschaftsliberale Flügel hatte anfangs Forderungen etwa zur Privatisierung der Arbeitslosenversicherung festschreiben lassen, davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Aber längst läuft Petry Gefahr, den Fehler ihres Vorgängers Bernd Lucke zu wiederholen. Der hatte sich durch Eigenmächtigkeiten und Alleingänge so viele Sympathien verscherzt, dass Petry den Machtkampf gegen den Wirtschaftsprofessor gewann. Lucke verließ die AfD, die Partei rückte weiter nach rechts.

Kritik Dafür gesorgt hat auch Petrys Freund Pretzell, der die AfD schon mal als „Pegida-Partei“ bezeichnete. Internen Kritikern gilt er als unberechenbar. Petry hat den rechten Parolen viel Raum gegeben, zuletzt beschimpfte sie nach den Brüsseler Terroranschlägen Trauernde aus den etablierten Parteien als „Heuchler“ – weil die Flüchtlingswelle doch das Anschlagsrisiko erhöht habe. Doch hat Petry auch versucht, den ganz am rechten Rand agierenden Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wegen seiner rassistischen Äußerungen aus der Partei zu drängen. Vergeblich, der nationalkonservative AfD-Vize Gauland hält seine schützende Hand über Höcke. Gauland zieht hinter den Kulissen die Strippen und ist mit Höcke eine Allianz eingegangen – zulasten der Vorsitzenden. Sollte Petry stolpern, rücken beide die AfD womöglich weiter nach rechts. Höcke hat Zeit: „Ich bin Langstreckenläufer, kein Sprinter“, sagt der 43-Jährige, „ich muss mich nicht sofort an die Spitze setzen.“