Die Kirche von England hat ihre erste Bischöfin

London..  Es sind starke Bilder: ­Dutzende Bischöfe drängen sich vor dem Altar der Kathedrale im nordenglischen York um die knieende ­Libby Lane. Der Erzbischof von York, John Sentamu, legt ihr die Hände auf den Kopf. Mehr als 1000 Gottesdienstbesucher verfolgen die Szene gebannt. Die ­48-jährige Nordengländerin, glücklich und gerührt, schreibt Kirchen­geschichte: Als erste Frau empfing sie am Montag die Bischofsweihe der Kirche von England, die Heinrich VIII. vor knapp 500 Jahren durch einen Bruch mit Rom gegründet hatte.

Es war ein weiter Weg

Der Weg zu dieser Szene in York war weit. Seit gut zwei Jahrzehnten dürfen Frauen in der englischen Staatskirche Priesterin werden, Lane gehörte zu den ersten.

Dass sie zur Bischöfin aufsteigen würde, stand seit Dezember fest. ­Wochen, nachdem die Entscheidung für ­Frauen im Bischofsamt sämtliche Hierarchiestufen in Kirche und Politik passiert hatte, berief man sie zum achten Bischof von Stockport in der Diözese Chester.

In der Kathedrale saßen Bischofs-Kolleginnen unter anderem aus den USA und Neuseeland. Die Mutterkirche der anglikanischen Welt­gemeinschaft hinkte vielen ihrer Töchter bislang hinterher, die Frauen als Bischöfinnen längst zuließen.

Ausgeräumt sind die innerkirch­lichen Vorbehalte in England aber noch lange nicht, wie ein Zwischenfall am Montag sicht- und hörbar machte: Lautstark protestierte der Geistliche Paul Williamson ­während des Gottesdienstes gegen diese Weihe einer Frau.

Ein Kirchensprecher bezeichnete ihn später als notorischen „Serien-Protestler“, man habe seine Anwesenheit erwartet. Williamsons einzelne Stimme habe im Kontrast gestanden zur großen Zustimmung unter den Geistlichen.

Aber ganz allein ist Williamson nicht mit seiner Haltung. In der kommenden Woche wird an derselben Stelle Philip North zum Bischof geweiht – er gehört in Großbritannien zu den erbitterten Gegnern von Frauen im Bischofsamt.

Traditionalisten gegen Reformer

Symbolisch die Hände auflegen werden ihm deshalb wohl nur jene Bischöfe, die dies bei Libby Lane nicht getan ­haben. Nach Lanes Berufung hatte der zum anglo-katho­lischen traditionalistischen Flügel gehörende Geistliche North seine Beförderung zum Bischof sogar ganz absagen wollen.

Die Debatte steht für die enormen Spannungen zwischen Traditiona­listen und Reformern in der englischen Staatskirche, deren Oberhaupt mit Königin Elizabeth II. ­formell auch eine Frau ist.

Gestern aber stand in York nicht der Streit, sondern das Feiern im Vordergrund. Auf die Weihe folge langer Applaus. Zu Glockengeläut verließen glücklich lächelnde Geistliche die Kathedrale. Und Robert ­Atwell, Lanes Vorgänger als Bischof von Stockport, war sicher: „Sie wird eine erstklassige Bischöfin.“