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Bildungspaket

Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an

18.04.2011 | 18:50 Uhr

Essen/Berlin.   Viele Hartz-IV-Bezieher wissen nichts vom Bildungspaket. In Brennpunkt-Kitas mit Kindern aus mehr als 60 Nationen „können viele Eltern nicht lesen und schreiben“, so die Sprecherin des Kita-Zweckverbandes. Nun will die Politik vor Ort werben.

Wie viel darf Nachhilfe kosten? Wo isst das bedürftige Kind zu Mittag, wenn Schule oder Kita kein warmes Essen anbieten? Und wer bezahlt das Fußballtrikot? Den Mitarbeitern im Duisburger Jobcenter fehlen eine Menge Informationen zum Bildungspaket für Kinder. Aber die Bewilligung ist ohnehin erst ein zweiter Schritt. Zunächst einmal geht es um die Anträge, und die stellt kaum jemand in der Stadt.

Dabei haben eine Menge Kinder Hilfe nötig. „31 000 könnten Leistungen beantragen“, sagt Stadtsprecherin Anja Huntgeburth gegenüber DerWesten. Bisher seien gerade einmal 300 Anträge auf Beihilfe zum Mittagessen, zu Musik- und Sportunterricht oder Nachhilfe eingegangen , also weniger als ein Prozent.

„Die Eltern wissen gar nicht, was möglich ist“

Der Frust der Stadtsprecherin ist groß. „Das Bildungspaket ist so eine gute Chance“, sagt sie. „Und wir haben doch das Klientel, dass diese Chance nutzen kann.“ Doch wer wisse schon davon? Schließlich seien weder Flyer gedruckt noch Informationskampagnen gestartet worden.

Dies beklagen auch die Verantwortlichen in den Kindertagesstätten. „Die Eltern wissen gar nicht, was möglich ist“, sagt Kristina Kähler, Sprecherin des Kita-Zweckverbandes, Träger der Tagesstätten im Bistum Essen. Gerade in den Brennpunkt-Kitas, wo mitunter mehr als 60 Nationen in einer Einrichtung zu Hause sind, „können viele Eltern gar nicht lesen und schreiben“. Nachrichten in Radio, Fernsehen oder Tagespresse kämen absolut nicht an. Manchen sei der Schritt auch einfach peinlich. „Die Kita-Leiterinnen hängen nun Plakate auf, erklären, was möglich ist und helfen, die Anträge auszufüllen.“

Info
Das Bildungspaket

- Für Sport, Spiel oder Kultur gibt es bis zu 10 Euro monatlich.

- Bedürftige Kinder erhalten für Lernmaterialien einen Zuschuss zu Beginn des Schuljahres von 70 Euro und im Februar 30 Euro.

- Bedürftige Schülerinnen und Schüler können Lernförderung in Anspruch nehmen.

- Es gibt einen Zuschuss fürs gemeinsame Mittagessen in Kita, Schule oder Hort. Der Eigenanteil der Eltern liegt bei einem Euro pro Tag.

- Schülerbeförderung wird gezahlt, wenn sie nicht anderweitig übernommen wird.

- In allen Fällen muss ein Antrag gestellt werden.

Diese Eigeninitiative ist auch in den Einrichtungen des bundesweit tätigen Kinderhilfswerks Arche an der Tagesordnung. Das ganze Verfahren sei viel zu kompliziert, sagt Sprecher Wolfgang Büscher. „Mitunter brauchen Mitarbeiter 90 Minuten, um mit dem Bedürftigen einen Antrag auszufüllen, bei dem es um zehn Euro Beihilfe für den Fußballverein geht.“ Um diese Zeit zu sparen, drücke der ein oder andere Mitarbeiter der Mutter oder dem Vater einfach einen Zehn-Euro-Schein in die Hand.

Dass die Leistung kaum nachgefragt wird, ist ein bundesweites Problem. „Das war vorhersehbar“, sagt Heinz Hilgers, Präsident des deutschen Kinderschutzbundes. „Ich weiß gar nicht, warum Ursula von der Leyen jetzt verwundert ist.“ Schließlich sei sie gewarnt worden vor der abschreckenden Wirkung der Bürokratie und dem komplizierten Antragsverfahren mit Bewilligung, bei dem nach „guter deutscher Manier“ natürlich auch ein Widerspruch möglich sei.

Ministerin hält Kopf hin

Ist von der Leyen nun verantwortlich für den Stolperstart? Immerhin ist das Bildungspaket ihr Prestigeprojekt . Sie steht im Fokus. Die Ironie: Sie wollte, dass das Hilfspaket von der Agentur für Arbeit umgesetzt und über den Bund abgewickelt wird. In den Verhandlungen hatten die SPD und die Länder ihr abgetrotzt, dass die Kommunen das Paket abwickeln. Nun hält sie den Kopf hin, obwohl sie gar nicht für die Umsetzung verantwortlich ist. Bund-Länder-Koordinatorin ist eigentlich Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU). Doch mit der Runde am Donnerstag will von der Leyen die Manöverkritik endgültig auf die politische Ebene heben.

„Knochenarbeit“

Dabei will die Ministerin darüber diskutieren, ob man vor Ort stärker werben muss; ob sich auch genug Leute kümmern. „Knochenarbeit“ sagt die Ministerin dazu. Im Klartext: Wann werden die Kommunen die Probleme gelöst haben? Es wird schon erörtert, allen berechtigten Familien die Informationen per Post nach Hause zu schicken.

Was sagt die SPD? Die Sozialdemokraten fühlen sich angesichts des Durcheinanders bestätigt. „Es wäre besser gewesen, das Geld direkt in Kitas, Schulen und Vereine zu investieren“, meint SPD-Vizechefin Manuela Schwesig. In den Verhandlungen hatte sich von der Leyen aber mit ihrer Position durchgesetzt, einzelne Sachleistungen zu gewähren, damit das Geld nicht einfach in den Institutionen versickert. Schwesig gibt außerdem zu bedenken, dass die Kommunen kaum Zeit zur Vorbereitung gehabt hätten.

Miguel Sanches und Birgitta Stauber-Klein

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Kommentare
20.06.2011
06:37
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von jfjf | #70

@Supergrobi11

es liegt mir fern irgendwelche politiker und erst recht die cdu in schutz zu nehmen aber......

es gibt gelder für kinder die nicht abgerufen werden weil sehr sehr viele eltern keinen bock haben (ja leider!) oder nicht wissen wie das geht oder weil sie sich schämen. für alles gibt es einen grund und eine lösung. die jugendämter, sozialarbeiter,.. wissen das (sollten das wissen). ebenfalls sollten sie auch wissen wie man den menschen hilft mit der situation umzugehen und das geld zu beantragen. jetzt! denn jeder tag ist wichtig für die kinder. ich bin die schwätzer leid..... weil immer die kinder darunter leiden. gleichzeitig können die verantwortlichen jugendämter, die opposition und andere der regierung druck machen das programm zu verbessern oder neue ideen präsentieren.
gleichzeitig. nicht warten bis die lieblingspartei an die macht kommt, denn hier und da kann man schon mal enttäuscht werden.

19.04.2011
18:01
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von Tritt_Brettfahrer | #69

Vielleicht ist wirklich der Großteil der Hartz IV Empfänger zu tranig, um sich für die Interessen seiner Kinder stark zu machen.
Vielleicht sind die 1,5 Mio Riester-Sparer zu blöd, um tagtäglich auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen zu reagieren, statt ihren Geldinstitut zu misstrauen.
Vielleicht ist der Essener Sozialhilfeempfänger zu naiv, um Einspruch zu erheben, wenn die Stadt Hundesteuer für einen überhaupt nicht vorhandnen Hund fordert.
Vielleicht sind ausnahmslos alle Deutschen Verbrecher, denn keiner kennt die über 50.000 Steuergesetze und Verordnungen.

Vielleicht ist aber auch der Gesetzgeber mit seinem Gesetzesentwurf so sehr beschäftigt, dass er die Welt um sich herum völlig vergisst und davon ausgeht, alle anderen müssten genauso wie er im Stoff stehen. (Im Fernsehen war ein Fachmann mal baff erstaunt, dass die Menschen die Bedeutung der Luftschutz-Signaltöne nicht kannten.)

Die beste Geschäftidee taugt nichts, wenn man sie nicht bekannt macht. Und das beste Gesetz taugt nichts, wenn man die Öffentlichkeit darüber nicht informiert. Aber hacken wir weiter auf den Sozialhilfeempfängern herum und feiern Ursula von der Leyen.

Vielleicht ist das Unwissen aber Auch gewollt, beim Bildungspaket, bei der Riester- Rente und bei der Hundesteuer. (In diesem Jahr können wir leider nichts mehr machen, aber im nächsten Jahr erklären wir den Hund für tot.) Nicht umsonst hat der Bürger vier Wochen Einspruchsfrist (oder muss neuerdings gleich klagen
http://www.wallstreet-online.de/diskussion/990857-1-10/finanzamt-verschickt-steuerbescheid-ueber-287-mio-an-rentner ) während der Staat noch nach Jahren Rückzahlungen fordert, wie jetzt bei der Riester-Rente. In allen Fällen wäre eine Heilungsklausel möglich, sie ist aber nicht gewollt.

19.04.2011
17:47
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von Supergrobi11 | #68

#67
Noch einmal zum mitschreiben:
Weil das Kind dann ebenso am öffentlichen Hartz IV Pranger gestellt wird, wie die Eltern. Nach dem Motto Ach, Ihr kriegt Hartz IV ?
Kann das Kind etwas dafür, dass die Eltern Hartz IV Empfänger sind?
Also, warum soll das Kind Gefahr laufen, in der Schule von den Mitschülern und den Lehrern schief angeguckt zu werden? Die meisten Lehrer, die überwiegend verbeamtet sind, können Arbeitslosigkeit ohnehin nicht nachvollziehen, geschweige denn, Verständnis aufbringen.
Das Stigmatisierung von Hartz IV hoch im Kurs steht, zeigen ja eindrucksvoll die zahlreichen Lästerkommentare, von denjenigen die meinen das Recht gepachtet zu haben über alle Hartz IV Empfänger ein Pauschal-Urteil zu fällen. Im Gegensatz zu Steuerhinterziehern, die weltweit über 11,5 Billionen Dollar in irgendwelchen Steuerparadiesen, der Welt- und Volkswirtschaft vorenthalten, behält der Hartz IV Empfänger nichts von dem Empfangenen Geld, weil er es eins zu eins der Volkswirtschaft wieder zuführt. Die Mythen, die immer wieder im Umlauf sind, was sich ein Hartz IV Empfänger angeblich ja alles leisten kann, bleiben Mythen und Geschichten, die man gernen sehen will.
Warum schmeißen wir dann nicht alle Hartz IV Empänger gleich komplett aus unseren Städten heraus, dann sind wir doch alle Probleme auf einem Schlag los? Warum denn so heuchlerisch und scheu? Wenn schon, denn schon.
Das Wohl des Kindes ist dann erreicht, wenn die Eltern eine anständig bezahlte Arbeit haben, bei der sie nicht als Hartz IV Aufstocker jeden Tag mit `ner Halskrawatte nach Hause kommen.
Da sind alle Dummschwätzer in erster Linie gefragt, die hier meinen abzulästeren. Wer gibt uns arbeitender Bevölkerung eigentlich das Recht arbeiten zu dürfen? Wir selbst, oder ist nicht letztendlich ein glückliche Fügung des Schicksals, dass man Arbeit hat? Angesichts der vielen tausend hoch qualifizierten, arbeitslosen Akademiker, können heute die Wenigsten von sich behaupten, dass der eigene Arbeitsplatz auf eigenen Fleiß basiert. Wer Selbstständig ist, kann sich glücklich schätzen, wenn der Rubel rollt, aber dieses Glück haben nun einmal nicht alle. Kann sich deshalb ein erfolgreicher Selbstständiger über den gescheiterten Kollegen das Maul zerreißen?
Warum hat es denn in Deutschland überhaupt mal Volbeschäftigung gegeben, wenn alle doch so faul sind? Vielleicht, weil genug Arbeitsstellen vorhanden waren.
Statt zu lamentieren und zu lästern, sorgt mal lieber dafür, dass die Betriebe nicht weiter Rationalisieren und Geiz ist geil als das Wort Gottes interpretieren.
Relativieren ist angesagt
Pauschalieren lässt jeden Denkprozess vermissen.
So, ich muss jetzt wieder arbeiten. War mir aber wichtig eine Lanze für meine Mitbürger von Nebenan zu brechen.
Die Hartz IV Lästerfraktion sollte sich in Grund und Boden schämen, pfuiii.

19.04.2011
17:14
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von Zanti | #67

Das wurde lang und breit angekündigt mit dem Bildungspaket. Warum wird es nicht in Anspruch genommen, wenn es dem Wohl des Kindes dient?
Ich muss schließlich auch die Einkommensteuererklärung ausfüllen und habe da noch nicht mal eine Wahl.

19.04.2011
16:47
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von OliJung | #66

Wie wollen die Eltern denn einmal arbeiten und für die Rente einzahlen, wenn die selber nicht gewillt sind, Lesen und Schreiben zu erlernen ?

19.04.2011
16:41
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von DavyJones | #65

Im Regelsatz ist auch noch Geld für das warme Mittagessen #59. Also mal an die eigene Nase fassen und das rechnen üben.
Aha, und wieviel wäre das genau? Zumindest scheint es ja nicht auszureichen, sonst würde wohl nicht so auf dem warmen Mittagessen als Teil des Bildungspaketes(!) herumgeritten.
Btw: Rechtschreibung üben, wenn wir gerade dabei sind.

19.04.2011
16:30
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von holmark | #64

Statt der verwaltungsaufwändigen Antragsverfahren hätte man das Geld besser direkt in Kitas, Schulen, Vereine etc. gesteckt. Dann würde es auch ankommen.

19.04.2011
16:14
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von Harry62 | #63

Was machen die hier, wenn sie nicht einmal lesen und schreiben können? Klar, Hartz 4 abzocken.
Da kann ich nur sagen: Bon voyage, zu Hause ist es auch schön und da muß man dann auch nicht lesen und schreiben können. Sollen diese Menschen unsere Zukunft sichern? Hahaha

19.04.2011
15:18
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von Emagic | #62

Das mit dem Bildungspaket ist an sich keine schlechte Idee. Das mit den komplizierten Anträgen schon. Was anderes als Chaos war nicht zu erwarten, als ob Politiker mal vernünftige Planungen hätten.
Und mal ehrlich, bevor die arroganten Spießer aus dem Nachbarhaus mitkriegen das Mann/Frau Empfänger staatlicher Leistungen ist, verkneift man sich das Coming out lieber, ehe die Kinder schräg angeschaut werden. Es gibt so einige Leistungsempfänger, denen sieht man es überhaupt nicht an, woher sie ihr Geld beziehen; weil sie ordentlich gekleidet sind und auch nicht verwahrlost aussehen. Das könnten dann genausogut Geringverdiener sein. Und wieso ist das überhaupt eine Diskussion in unserem Ländle geworden, wer von wo seine finanziellen Mittel empfängt? Ist es nicht schon schlimm genug, das das Leben teuer und kompliziert geworden ist? Ich finds daneben wenn die arbeitende Bevölkerung anfängt über den armen Teil zu schimpfen, der angeblich samt und sonders aus Sozialschmarotzern besteht.

19.04.2011
14:40
Die Hilfe für Hartz-IV-Kinder kommt nicht an
von tiptel160 | #61

Im Regelsatz ist auch noch Geld für das warme Mittagessen #59. Also mal an die eigene Nase fassen und das rechnen üben.

Der Stoff muss gut sein #51, erklärt aber nicht, warum die Hilfeempfänger durchaus bereit sind Geldleistungen abzurufen, nur bei der Bildung der Kinder, da soll man sich angeblich bewusst verweigern? Wohl kaum, das Thema interessiert halt nicht.

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