Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Homo-Ehe

Die Häutungen der Merkel-CDU

24.02.2013 | 16:10 Uhr
Die Häutungen der Merkel-CDU
Merkel wäre nicht Merkel, würde sie nicht versuchen, Stolpersteine vor der Wahl aus dem Weg zu räumen. Foto: dapd

Eine Herzensangelegenheit Merkels ist die Homo-Ehe nicht. Sie ist politisches Kalkül, das in letzter Konsequenz aus der christlich-demokratischen Union eine pragmatisch-demokratische macht, wählbar von der breiten Mitte der Gesellschaft.

Die Merkel-CDU häutet sich in einem Tempo, dass einem fast schwindelig wird. Wehrpflicht? ­Brauchen wir nicht mehr! Atomkraft? Nein, danke! Hausfrau und Mutter? Ein Rollenbild von gestern. Hauptschule? Ein Auslaufmodell. Studiengebühren? Geschenkt. Mindestlohn? Ja, aber. Und jetzt auch das noch: die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben, die ­Homo-Ehe.

Es wird Konservative geben, die sich fragen, ob das eigentlich noch ihre CDU ist, ob nicht Merkel vielleicht ein U-Boot der SPD ist und die christliche Partei in Wahrheit links­liberal unterwandert wird. Und es wird Sozialdemokraten geben, die sich fragen, was ihnen Angela ­Merkel eigentlich noch übrig lässt, um sich zu profilieren. Da bleibt fast nur noch das weite Feld der sozialen Gerechtigkeit, ein zweifellos wich­tiges, ja zentrales Thema. Nur ­denken die Menschen auf der ­Straße an etwas anderes, wenn sie den Namen Peer Steinbrück hören. Der SPD-Kanzlerkandidat tut sich nach wie vor schwer.

Das kann man von Merkel nicht sagen. Das Urteil des Bundesver­fassungsgerichts vom Dienstag, das homosexuellen Paaren die Adoption von Adoptivkindern ihrer Partner ­ermöglicht, hat offenbar zum Umdenken und Umsteuern geführt. Die CDU-Spitze ist überzeugt, dass die höchsten deutschen Richter auch die steuerliche Benachteiligung von homosexuellen Paaren beim Ehegattensplitting beanstanden werden. Und das kurz vor den Wahlen.

Ein solcher Nackenschlag birgt ein unkalkulierbares Risiko. Merkel ­wäre nicht Merkel, würde sie nicht versuchen, diesen Stolperstein vor der Wahl aus dem Weg zu räumen. Zumal die Menschen, die diese ­Ungleichbehandlung betrifft, keine unbekannten Größen sind. Sie ­haben Gesichter und Namen. Sie heißen Müller, Meier, Westerwelle, Wowereit, von Beust, Beck. Und sie haben Namen, die wir nicht kennen, weil sie sich nicht trauen, offen zu ihrer Homosexualität zu stehen.

Doch eine Herzensangelegenheit Merkels ist die Homo-Ehe nicht. Sie ist politisches Kalkül, das in letzter Konsequenz aus der christlich-demokratischen Union eine prag­matisch-demokratische macht, wählbar von der breiten Mitte der Gesellschaft.

Gudrun Büscher



Kommentare
Aus dem Ressort
Polizei streitet über Einsätze beim Fußball
Fan-Gewalt
Nach Krawallen in Gelsenkirchen spaltet die Frage, wie viele Beamte bei Fußballspielen gebraucht werden, die Polizei. Die Polizeigewerkschaft DPolG stützt die Linie von NRW-Innenminister Jäger, zu Nicht-Risikospielen weniger Polizei zu schicken. Die Gewerkschaft GdP hält das Projekt für gescheitert.
Weniger Hausaufgaben – G8-Schüler sollen entlastet werden
Schule
Der Runde Tisch, der von Ministerin Sylvia Löhrmann im Frühjahr einberufen worden ist, schließt die Abkehr vom Turbo-Abitur aus. Dafür soll es in Zukunft für die Gymnasiasten weniger Hausaufgaben und weniger Nachmittagsunterricht geben. Doch es gibt auch Kritik an den Vorschlägen.
Secret Service stoppt Eindringling am Weißen Haus
Weißes Haus
Schon wieder ungebetener Besuch für US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus: Ein Mann ist über den Zaun geklettert. Anders als bei dem Vorfall vor einem Monat gelangte er aber nicht ins Gebäude, sondern wurde von Sicherheitskräften abgefangen und in Handschellen abgeführt.
Duisburger hat am Gesetz zur Gifttier-Haltung mitgearbeitet
Giftige Tiere
Im kommenden Jahr soll die Haltung von giftigen und gefährlichen Tieren erschwert werden. Der Duisburger Norbert Zajac hat an dem Gesetzentwurf der NRW-Landesregierung mitgearbeitet. Zajac selbst verkauft seit 35 Jahren keine Giftschlangen mehr. Der Händler erklärt die Neuerungen.
Mutmaßlicher Anschlag in Jerusalem – Sicherheit verstärkt
Nahostkonflikt
In Jerusalem ist ein Baby gestorben, nachdem ein Mann mit seinem Auto in eine Straßenbahnhaltestelle gerast war. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Polizei vermutet einen Terroranschlag. Während Israel unter Schock steht, appelliert das US-Außenministerium an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren.
Umfrage
Um die verkürzte Schulzeit besser zu meistern, sollen G8-Schüler weniger Hausaufgaben bekommen. Richtig so?

Um die verkürzte Schulzeit besser zu meistern, sollen G8-Schüler weniger Hausaufgaben bekommen. Richtig so?

 
Fotos und Videos