Die guten Vorsätze

Gestern Morgen am Bahnhof war es schon wieder geschehen: Nein, der Zug war nicht abgefahren. Züge sind doch in der Welt der Bahnhofs-Gastronomie längst nicht die Nummer eins. Es geht um Mampf-Mampf (ich glaub, die Kette heißt so). Und der Chef kennt mich. Das gefällt mir nicht. Aus verschiedenen Gründen. Heißt es doch, dass ich viel zu oft bei ihm wegen Bratwurst und Pommes anstand. Und es heißt auch noch etwas anderes: Dass es heutzutage für Menschen, die gerne unerkannt essen, immer schwerer wird, in die Anonymität abzutauchen. Beim Bäcker, zuhause an der Ecke: Wehe, man kauft sich mal drei Stücke Frankfurter Kranz. Die Bedienung, selbst ein wenig in Berliner-Ballen-Optik, ist der personifizierte Vorwurf. Im Bahnhof kennt dich keiner, dachte ich. Aber man kann sich täuschen. Der Mann von Mampf-Mampf winkte schon „Frohes Neues, Madam“ und hielt mir ungefragt die Schale Pommes entgegen. Beim Kaffee-Mann dasselbe. Das Nougat-Croissant war schon reserviert. Gute Vorsätze? Ich wäre ja bereit, aber die anderen nicht.