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Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes

07.06.2013 | 16:06 Uhr
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Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
Ein Polizist verfolgt ein junge Frau mit seiner Tränengas-Pistole. Am 28. Mai entstanden die Bilder im Gezi-Park von Istanbul. Seitdem dauern die Proteste im Zentrum der türkischen Metropole an. Das Bild wurde über soziale Netzwerke weltweit verbreitet.Foto: rtr

Istanbul.  Eine Frau im eleganten Sommerkleid steht auf einer Wiese. Ein Polizist sprüht ihr aus nächster Nähe Tränengas ins Gesicht. Das Foto aus dem Gezi-Park im Herzen der türkischen Millionenstadt Istanbul ist weltweit zum Symbol geworden: für Polizeigewalt und -willkür gegen der selbstbewussten Protest friedlicher Bürger. Die junge Frau wäre lieber eine von vielen Unbekannten geblieben.

Sie hat keine Maske gegen das Tränengas. Trägt auch keinen Helm zum Schutz vor Schlägen, keine Parka, um sich gegen die Wasserwerfer zu wappnen, nicht mal einen Schal, mit dem sie ihr Gesicht schützen könnte.

In der weißen Stofftasche, die sie über der Schulter trägt, mögen Bücher sein, sicher keine Molotowcocktails. Sie hat ein rotes Sommerkleid an, schlicht und elegant. Kurze Ärmel, der Rock reicht bis zu den Knien. So steht die junge Frau da, auf dem Rasen im Istanbuler Gezi-Park.

Sie blickt auf die Polizisten, die zwei Meter von ihr entfernt aufgereiht stehen, mit ihren Schilden, Schlagstöcken und Schutzhelmen. Die Frau in Rot sieht aus, als käme sie gerade von einem Einkaufsbummel oder einem Cafébesuch.

Ein Bild geht um die Welt

Ist sie eine Bedrohung für die Polizisten? Offenbar. Denn einer der Männer springt plötzlich auf die Frau zu. Aus einer Sprühpistole spritzt er ihr eine Ladung Reizgas aus kürzester Entfernung direkt ins Gesicht. Die Frau dreht sich weg, versucht zu fliehen, aber der ­Polizist lässt nicht von ihr ab, ­verfolgt sie mit seinem Gift.

Die Bilder von der Frau in Rot gingen um die Welt. Sie sind zu einem Symbol des „Türkischen Frühlings“ geworden, jener Protestwelle, die mit einer friedlichen Demonstration von etwa 50 Naturschützern gegen die geplante ­Rodung eines kleinen Parks in ­Istanbul begann. Die aber vor einer Woche, als die türkische Polizei mit Tränengas, Wasserwerfern und Pfefferspray den Park räumte, wie ein Tsunami über das ganze Land rollte. Seither kommt die Türkei nicht mehr zu Ruhe.

Stadtplanerin an der Technischen Universität Istanbul

Ein Istanbuler Künstler hat die Szene aus dem Gezi-Park nach­gemalt. Auf seinem Bild, das inzwischen an vielen Istanbuler Fassaden klebt, erscheint die Frau in Rot überlebensgroß. Die Polizisten sind dagegen Zwerge. „Je mehr ihr sprüht, desto größer werden wir“, steht darunter.

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Die Frau in Rot heißt Ceyda Sungur, eine Stadtplanerin an der Tech­nischen Universität ­Istanbul. Sie sieht sich nicht als Heldin. „Jeder Bürger, der seine Bürgerrechte verteidigt, jeder Arbeiter, der seine Rechte als Arbeiter verteidigt, jeder Student, der für seine Rechte als Studierender eintritt, hat diese Polizeigewalt erlebt, die ich zu ­spüren bekam“ sagte sie der liberalen Tageszeitung „Radikal“. Ceyda Sungur gehört der Bürgerinitiative „Taksim Plattform“ an, die für den Erhalt des Gezi-Parks streitet. Premier Erdogan will auf diesem Park eine Armeekaserne aus der Osmanen-Ära rekonstruieren lassen.

Erdogan sieht nur „Extremisten“ und „Illegale“

Für Erdogan sind die Demonstranten „Extremisten“, „Faschisten“, „Illegale“, die Verbindungen zu „Terroristen“ haben und vom ­Ausland gesteuert werden. Das Bild von der Frau in Rot scheint ­Erdogans bizarre Feindbilder nicht zu belegen. Man fragt sich, warum sie überhaupt Opfer dieses brutalen Angriffs wurde. Es wird das rote Kleid gewesen sein. Vielleicht darf man in Erdogans Türkei als Frau einfach nicht mehr so freizügig ­herumlaufen, mit kurzem Rock und kurzen Ärmeln, ohne Kopftuch. Auch deshalb sind diese Bilder ein Symbol für den Kulturkampf, den die Türkei jetzt erlebt.

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Ceyda Sungur will jetzt keine Interviews mehr geben. Sie möchte zurück in die Anonymität. Vielleicht fürchtet sie Repressionen. Aber Ceyda Sungur braucht gar keine Interviews mehr zu geben. Die Bilder von der Frau in Rot sprechen für sich. Sie werden über Twitter und Facebook verbreitet. Kein Wunder, dass Erdogan die sozialen Netzwerke als „Plage“ und „die größte Bedrohung“ betrachtet.

Gerd Höhler

Kommentare
08.06.2013
15:08
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von a_ha | #9

Ich sehe das ähnlich wie #1.
G.ülen durchsetzt die Türkei vom fernen Amerika aus. Seine Ideologie hat nichts mit der Ethik des Islam zu tun. Aber unter dem Vorwand, dies sei islamisch, treibt er die Türkei zurück zu einem Gottesstaat. Mit Erdo.gan als geistiges und religiöses Oberhaupt.

Das sind Machtfantasien alter Männer und für Europa hoch gefährlich.

08.06.2013
14:19
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von Flugk | #8

Was Erdogan tut, tut er im Sinne der Mehrheit des türkischen Volkes!
Oder hat man die tausende in D lebende Türken, fahnenschwenkend und Erdogan fanatisch feiernd zu seinen Deutschlandbesuchen mit Gewalt hingetrieben?
Welcher Parteisekretär hat eigentlich die Anti- Erdogan- Welle in der "Freien Presse" befohlen?
Bin gespannt, wie ihr da wieder rauskommt und wie ihr da wieder zurückrudert!
Da muss die Propagandaabteilung sich was einfallen lassen.

5 Antworten
Wie bitte?
von Fakeman | #8-1

Also ich verstehe sie nicht, werden sie doch mal deutlicher. Ihr Posting ist absolut unverständlich...

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von Flugk | #8-2

@ Ein bischen engl., russ. und franz. Leider kein arabisch und türkisch, um ihnen den Inhalt in ihrer blumigen Sprache näherzubringen. Tut mir leid!

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von a_ha | #8-3

"Was Erdogan tut, tut er im Sinne der Mehrheit des türkischen Volkes!
Oder hat man die tausende in D lebende Türken, fahnenschwenkend und Erdogan fanatisch feiernd zu seinen Deutschlandbesuchen mit Gewalt hingetrieben?"

So,so. Hier in Deutschland lebt also die Mehrheit des türkischen Volkes?
Das hätten sicher einige gern.
Aber noch ist es nicht soweit.

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von Pit01 | #8-4

#8

Woher wollen Sie das wissen, dass dieser Egomane dass alles im Sinne der Mehrheit des türkischen Volkes macht? Kennen Sie die Mehrheit überhaupt?

Na mir ists auch egal, aber ich wollte sie nur darauf aufmerksam machen, ...
von Fakeman | #8-5

...dass man durch ihre "blumige Sprache" nicht herausfindet, ob sie nun die Linke oder die NPD wählen? Sie wollen uns ja ihre Meinung mitteilen, nur, wie ist die?

08.06.2013
13:03
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von rostigeschiene | #7

Auch wenn, meiner Meinung nach, in der EU alle Politiker korrupt sind, die Menschenrechte werden weitgehend eingehalten.
Wer mit seinem Volk so umgeht hat in der EU sicht zu suchen.

2 Antworten
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von gatagorda | #7-1

Dem ist weiter nichts hinzu zu fügen. Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aussetzen und im Urlaub nicht in die Türkei fahren.

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von mansgruf | #7-2

@rostigeschiene schon traurig wie unwissend man sein kann..
Aus dem Lissabon Vertrag ergibt sich, dass die Grundrechtecharta verbindlich ist, aus der sich ergibt: Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt und hingerichtet werden! Aber…
Nun gibt es kaum einen Vertrag ohne „Kleingedrucktes“:
„Eine Tötung wird nicht als Verletzung des Artikels betrachtet, wenn es erforderlich ist, einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.“
Quelle: http://www.zeitkritiker.de/index.php/regierungen/europaeische-union/215-legalisierte-toetung-von-deutschen-buergern-lissabon-vertrag-wird-unbemerkt-waehrend-des-wahlkampfes-durchgepeitscht

08.06.2013
12:56
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von schRuessler | #6

Es ist ja nicht nur die Frau in Rot.

Da war doch doch auch noch noch der Polizist, der einer ganzen Reihe von Demonstranten, die schon gefesselt am Boden saßen, aus nächster das Pfefferspray ins Gesicht geschossen hat.
Oder der demonstrierende Rentner, der von Wasserwerfen blind geschossen wurde.

Ach, sorry, das war ja nicht in der Türkei, das war ja bei den Guten in USA und Deutschland.

5 Antworten
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von a_ha | #6-1

Weil in Deutschland ein sturer Rentner bedauerlicherweise blind geschossen wurde, dürfen die türkischen Polizisten offensichtlich friedfertige Frauen angreifen - oder was genau wollten Sie damit sagen??

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von schRuessler | #6-2

Nein, das will ich nicht sagen.

Es gibt für diese Gewalt seitens der türkischen Regierung keinerlei Rechtfertigung.

Aber wer diese Gewalt ablehnt, kann doch nicht andererseits Polizeigewalt rechtfertigen.

Übrigens geht es in der Türkei genauso wie in Stuttgart um ein umstrittenes Bauvorhaben, gegen das die Menschen protestieren. Sind die Demonstranten in Istanbul jetzt auch "stur"?

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von a_ha | #6-3

Wer befürwortet Polizeigewalt?
Wobei: Stuttgart 21 ist ein demokratisch legitimiertes Bauvorhaben.
In Istanbul hat Erdogan ein Einkaufszentrum beschlossen.
Das ist etwas völlig anderes.
Und wer meint, einem Wasserwerfer ins Auge sehen zu müssen, statt - wie die junge Frau - sich abzuwenden, den nenne ich stur.

Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von Throki | #6-4

#6-3 a_ha

Machen sie es sich nicht etwas einfach? Hier alles gut, toll, demokratisch, in der Türkei alles korrupt & undemokratisch?

a_ha | #6-3
von schRuessler | #6-5

Sie haben eine ziemlich einseitige Sichtweise.

Das Einkaufszentrum ist in der Türkei auch von demokratisch gewählten Politikern beschlossen worden, genau wie S 21.

Ich persönlich halte von Erdogan auch nichts. Die Türkei war schon einmal weiter, bevor er an die Macht kam.

Aber dieses Schwarz-Weiß-Denken geht mir echt auf den Zeiger. Alles was "die" machen, ist schlimm, alles was wir machen, ist gut.

Selbst wenn wir dasselbe tun.

Interessant ist ja auch, dass Menschen, die in unserem Land gegen das Fällen von Bäumen für irgendein Bauprojekt protestieren, hier im Normall als Spinner, Fortschrittsblockierer oder sogar Öko-Terr oristen beschimpft werden.

08.06.2013
12:42
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von mine1975 | #5

und Frau Merkel laedt sich diesen Verbrecher Erdogan auch noch ein, den ich auf eine Stufe stelle mit Hugo Chavez und Fidel Castro !
Wobei: ohne die drei waere es doch auch sehr langweilig (gewesen, Hugo weilt ja nicht mehr unter uns!)

1 Antwort
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von gatagorda | #5-1

Alle drei nicht miteinander vergleichbar. Castro ist durch den Kampf gegen das Batistaregime an die Macht gekommen, Chavez wurde beim ersten Mal von der überwiegenden Mehrheit der Venozelaner gewählt, war Sozialist und gleichzeitig gläubiger Katholik. Erdogan nist Faschuist und will einen islamischen Gottesstaat schaffen. Mehr über die drei wissen Onkel Google und Tante Wikipedia

08.06.2013
11:47
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von nulpe2 | #4

da haben wir aber glück das in deutschland bei friedlichen demos nicht mit aller härte durch gegriffen wird........so wie bei stuttgart 21

1 Antwort
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von Throki | #4-1

Oder bei Blockupy in Frankfurt.

08.06.2013
11:44
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von xxyz | #3

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte!

Was ist eigentlich aus dem Polizisten geworden?

1 Antwort
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von gatagorda | #3-1

Solche Polizisten werden oftmals befördert

08.06.2013
11:32
EU Beitritt Türkei
von renano | #2

An der Reaktion der Türkischen Regierung gegenüber ihren eigenen Landsleuten kann man ermessen wie weit dieses Land von Europäischen Wertestandarts entfernt ist. Ein EU Beitritt der Türkei wird so in weite Ferne rücken.
Diese Bilder die aktuell um die Welt gehen ist nicht die Türkei sondern das ist das Bild was konservative, allen Neuerungen verschlossene Politiker gern hätten. Aber auch diese ewig gestrigen alten Männer werden ihren Niedergang erleben. Die DDr hat es gezeigt wozu das Volk in der Lage ist.

07.06.2013
17:15
Die Frau in Rot - Ein Foto wird zum Symbol des Türkei-Protestes
von apeldoorn | #1

Die Türkische Polizei ist von Gülens Leuten durchsetzt,eine Materielle Gemeinschaft keine Islamische..
Allein wie mit solcher Brutalität vorgehende wird wenn es zum Rücktritt des Rüpelhaften Erdogan kommt ,werden sicherlich diese Marodierenden Schlägertrupps die sich Polizei schimpft aus dem Dienst herausgeworfen werden..
Die Vernunpft wird siegen,solche proleten wie erdogan haben eine kleine verweildauer.

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