Die Erotik der Dichter

Wir Journalisten haben eine Schwäche: Eigentlich halten wir uns für Dichter. Für verhinderte ­Dichter, die schließlich als frustrierte Lohnschreiber ihr täglich Brot verdienen müssen. Welch ein Schicksal!

Unsere eigentlichen Vorbilder heißen Homer, wir schwärmen für den Autor von „Ilias“ und „Odyssee“. Und für Günter Grass, dessen Blechtrommel wir auch nicht viel besser hätten schreiben können. Und für Heinz G. Konsalik, dessen Roman „Liebesnächte in der Taiga“ völlig zu unrecht keinen Nobelpreis erhalten hat.

Nein, wir neiden unseren Idolen weder Ruhm noch Reichtum. Wir neiden ihnen den erotischen Reiz aufs Weib als solches. Welch eine erregende Wirkung ein ­Autor hat, erlebte ich kürzlich bei einer Dichterlesung. Mit erröteten Wangen wankten zwei ältere Damen aus der Dichterlesung. Sie auf jeweils 85 zu schätzen, würde ihnen schmeicheln. Die Damen hakten einander unter. „Bei dem, da könnte man glatt schwach werden“, sagte die eine über den Autor im Enkelalter. Die andere lächelte verträumt. Alter schützt vor Dichtung nicht.

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