„Die deutsche Elite entfernt sich vom Rest der Bevölkerung“
14.02.2010 | 21:50 Uhr 2010-02-14T21:50:00+0100
Essen.Wen sehen wir, wenn wir nach oben gucken? Die Elite. Auslese der Besten. Lenker und Denker. Manchen schaudert’s dabei. Denn die deutsche Elite entferne sich immer mehr vom Rest der Bevölkerung - sagt ein Uni-Professor. Im Fokus: Regina van Dinther, Ulla Schmidt und Josef Ackermann.
Da streicht NRW-Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU) 30 000 Euro für ein paar RAG-Treffen ein. Da rollte Ministerin Ulla Schmidt (SPD) im Dienstwagen durch Spanien. Das Siegeszeichen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann brannte sich als Geste der Hochnäsigkeit in unsere Erinnerung. Wir reiben uns die Augen und fragen: Was ist das nur für eine Elite?
Andere Maßstäbe
Keine, auf die wir sonderlich stolz sein könnten, urteilt Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt. „Die deutsche Elite entfernt sich immer mehr vom Rest der Bevölkerung”, sagt der Professor. Dass große Konzerne im Ruhrgebiet hohe Tiere füttern, sei zwar durchaus Ruhrgebiets-typisch. Aber nun hätten sich die Dimensionen verändert. „30 000 Euro für vier kurze Sitzungen – das hätte sich früher nicht gehört.”
Die Wirtschaftselite habe immer schon geglaubt, dass für sie andere Maßstäbe gelten. Doch die politische Elite passe sich dem seit ungefähr zehn Jahren immer mehr an. Hartmann: „Diese Leute haben eine ganz eigene Sicht auf die Welt. In diesen Kreisen gilt Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt. Sie sehen sich als Leistungsträger und glauben: Das steht ihnen einfach zu.”
Bei Frau van Dinther komme dazu, dass sie eine Aufsteigerin sei. „Jetzt gehört sie, die aus einfachen Verhältnissen stammt, dazu“, sagt Hartmann. „Das ist wie bei den Kindern, die nicht mit den anderen Kindern im Sandkasten spielen durften. Auf einmal lassen sie dich mitspielen, und dann bist du Teil dieser feinen Gesellschaft. Im Gegensatz zu denen, die schon lange zur Elite gehören, ist der wirtschaftliche Rückhalt der Aufsteiger aber oft nicht sehr groß. Die Verführung, etwas einzustecken, ist also größer.”
„Gelegenheit korrumpiert“
Der Hildesheimer Sozialpsychologe Werner Greve will nicht den Stab über die komplette Elite brechen: „Gelegenheit korrumpiert. Das gilt für alle, nicht nur für die Elite. Allerdings haben Angehörige der Elite mehr Gelegenheiten, sich zu bedienen. Es sind immer einzelne Menschen, die versagen. Der Vorwurf muss ein individueller bleiben.”
Von einem generellen Verfall der Moral in der Politik mag Politikwissenschaftler Uwe Andersen nicht reden. Eliten seien ein Spiegel der Gesellschaft und deren Fehlverhalten. Man dürfe nicht „heilige Maßstäbe speziell an Politiker anlegen”, sagt der Professor. Richtig sei aber, „dass Wertmaßstäbe eine Tendenz nach unten zeigen. Da ist etwas ins Rutschen geraten.” Verhaltensweisen, die heute zu Recht Anstoß erregen, „hat es früher in dem Maß nicht gegeben.”
Politiker müssten sich ihre privilegierte Position stets vor Augen führen, mahnt Andersen. Die Position verpflichte, daher müssten „politisch Handelnde wissen: Was legal ist, ist nicht unbedingt auch legitim. Wer noch den letzten Cent herausholen will, sollte nicht in die Politik gehen.“ Im Grundsatz gelte: „Politiker sollten nichts tun, was der Gesellschaft als unangemessen erscheint.“
Leider sei in der Frage der politischen Moral der Einfluss der Globalisierung erkennbar, Fehlverhalten sei ein weltweiter Trend. Andersen nennt das Beispiel Großbritannien. Dort erschütterte ein Parlaments-Skandal die Öffentlichkeit: Abgeordnete ließen sich irrwitzige Spesenabrechnungen erstatten, zum Beispiel 30 000 Euro für die Holzfäulnis-Behandlung des Zweitwohnsitzes, für Pferde-Dung für den Reitstall, für Champagner-Schalen oder Kreditzinsen.
Denken in langfristigen nachhaltigen Strukturen sei das heutige Übel
Egbert Neuhaus kann über so etwas nur den Kopf schütteln. „Für die Wirtschaftselite gelten keine anderen Maßstäbe als für die Gesellschaft“, sagt der Präsident des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte. „Doch in den vorigen Jahren mit dem Wirtschaftsboom gab es eine Entwicklung der Entsolidarisierung“, sagt der Chef des Arnsberger Haushaltsgeräteherstellers Wesco. „Die Gemeinwohl-Fixierung – das, was den rheinisch-westfälischen Kapitalismus auszeichnet -- ging teils verloren. Konkret: Das Denken in langfristigen nachhaltigen Strukturen. Das ist unser heutiges Übel.“ Neuhaus kritisiert auch das Denken in Quartalen, das vor allem bei börsennotierten Firmen vorherrsche.
„Wir müssen wieder in breiter Masse an der Wirtschaftsethik arbeiten“, fordert der Mittelständler. „Jeder Topentscheider muss sich immer wieder Gewissensfragen stellen: Verhalte ich mich fair und wahrhaftig? Richte ich mein Handeln auf die Gesellschaft aus?“ Einzeltrips führten nur ins gesellschaftliche Elend.

15:52
Wer nicht mit 14 Jahren in die Schülerunion eintritt und nicht mit 19 Jahren von seinen Eltern zum bestandenen Abitur einen neuen VW-Golf geschenkt bekommt wird niemals zur Elite gehören.
Das sind die Kriterien, und nur die zählen.
14:28
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13:01
Das sich die da oben, von denen da unten immer mehr entfernen ist ja nichts neues. Ob die da oben allerdings unsere Elite darstellen, wage ich zu bezweifeln.Sollte es so sein, kann ich nur sagen: Armes Deutschland!! Kein Wunder dass es immer mehr bergab geht mit diesem Land.
12:26
Unsere politischen Spitzen zählen sich zwar zur Elite, gehören aber nicht wirklich dazu! Ellenbogen (Schröder), große Klappe (Westerwelle) oder Dinther (Frauenquote) sind traurige Beispiele unserer politischen Wirklichkeit.
11:50
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09:57
Elite verbinde ich mitPenny Elite Joghurt auf Frucht.
09:54
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09:47
Frau van Dinther ist der traurige Beleg, wohin uns die Frauenquote geführt hat.
Sie hat dazu beigetragen, dass Eignung für ein Amt absolut kein Kriterium mehr ist.
Da ist ein kinderloser Single Familienminister und ein weinseliger Simpel Wirtschaftsminister.
o tempora, o mores!
07:38
Als Elite würde ich die bezeichnen die für den Rest der Bevölkerung arbeiten. Das sind diejenigen die diese sogenannte Elite gewählt hat. Aber wer sich so verhält wie diese Schmarotzer gehört auf den Müll der Geschichte.
07:23
Die Elite muss sich von der Bevölkerung abheben, sonst wäre sie keine Elite. Die im Artikel aufgezählten Beispiele sind allerdings bestenfalls Witzfiguren.