Die CDU will die Großstädte im Westen zurückerobern

Düsseldorf..  Neun der zehn einwohnerstärksten Städte Deutschlands werden von SPD-Oberbürgermeistern regiert, in Stuttgart trägt der Grüne Fritz Kuhn die Amtskette. Die sonst so von Umfragen verwöhnte Union quält sich mit einem „Großstadt-Problem“. Es fehlen Köpfe und Konzepte. CDU-Landeschef Armin Laschet versucht deshalb, bei der nahenden ­OB-Wahl in Nordrhein-Westfalens einziger Millionenstadt Köln mit einem lokalpolitischen Kunstgriff der Misere zu entkommen.

Wenn die Kölner im September ein neues Stadtoberhaupt küren, will die CDU keinen eigenen Kandidaten aufstellen. Nach Lage der Dinge versammelt sie sich gemeinsam mit Grünen und FDP hinter der parteilosen Sozialdezernentin Henriette Reker (59), die den ausscheidenden Oberbürgermeister Jürgen Ro­ters (SPD) beerben soll.

Obwohl Juristin Reker, die schon unter Oliver Wittke (CDU) in der Gelsenkirchener Stadtverwaltung arbeitete, bei Kommunalpolitikern einen guten Ruf genießt, verdankt sich die Unterstützungsfront eher taktischen Überlegungen.

Zwei Anwärter bei der SPD

Für die CDU bietet sich die ­Chance, ohne eigenen Kandidaten mit ausreichend Strahlkraft der SPD das wichtigste OB-Amt in NRW zu entreißen. Für die Kölner SPD wird entweder Unterbezirkschef Jochen Ott oder der örtliche Fraktionschef Martin Börschel ­antreten. Der 42-jährige Multifunktionär Börschel hatte im ­Dezember für Aufsehen gesorgt, als er aus Protest gegen die Grunderwerbsteuer-Erhöhung seinen Posten als finanzpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion aufgab. Die SPD-Spitze ist seither nicht mehr gut auf ihn zu sprechen.

Obwohl Köln strukturell eher eine SPD-Stadt ist, hält die Union gerade den wenig warmherzig ­auftretenden Funktionärstyp ­Börschel für bezwingbar. Gegen den leutseligen Düsseldorfer ­Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD), den sich viele aus Kölns Kulturszene, Karneval und Wirtschaft als OB gewünscht ­hätten, wäre es schwieriger geworden. Aber Walter-Borjans ist von den lokalen SPD-Granden nie ­offiziell gefragt worden.

NRW-CDU-Chef Laschet hatte sich früh in die Kandidatensuche eingeschaltet. Landesweit liegt die Union in Umfragen wieder vor der SPD.