Die CDU und die Schwulen
20.06.2007 | 08:48 Uhr 2007-06-20T08:48:53+0200Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, seit sieben Jahren Chef der NRW-CDU, versucht bekanntlich, seine früher so behäbige Partei auf einen fortschrittlichen Kurs für weltgewandte Großstädter zu bringen.
So öffnete Rüttgers die CDU vorsichtig für eine tolerantere Ausländerpolitik - und in der Familienpolitik gelten Ganztagsschulen und außerhäusige Kindbetreuung nicht mehr als Teufelswerk. Doch bei der Akzeptanz schwuler Liebe erlitt Rüttgers in der Fraktion einen Rückschlag.
Der Fraktionsvorstand segnete erst einen Antrag der FDP ab, die Abgeordneten würden die Gründung einer Bürgerstiftung von Schwulenverbänden begrüßen. Sie solle "junge Menschen in der Zeit des Coming-Outs unterstützen" und die "Akzeptanz für verschiedene Lebensentwürfe befördern".
Doch nicht nur Volkmar Klein, CDU-Abgeordneter aus Siegen-Wittgenstein, geht das zu weit. Er habe zwar nichts gegen die Stiftung, aber "die CDU sollte sich nicht noch an die Spitze der Bewegung stellen und sich so weit von den eigenen Wählern entfernen." 30 bis 40 der 89 CDU-Abgeordneten seien dieser Ansicht, der Antrag sei ohne Chance. Ein Hardliner sagte sogar in der CDU-Debatte, wenn es so weiter gehe, müsse man sich bald dafür entschuldigen, nicht schwul zu sein.
Gleichwohl bastelt Fraktionschef Helmut Stahl ("Ich habe da keine Berührungsängste") an konservativ passenderen Formulierungen, um den Antrag nach der Sommerpause doch noch durchzubringen. Nur eine Minderheit habe sich schließlich wirklich gegen den Antrag ausgesprochen.
Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Christian Lindner jedenfalls zeigte sich enttäuscht. "Statt ein Signal der Toleranz und Weltoffenheit auszusenden, muss die CDU nun den Vorwurf fürchten, in die 50er Jahre zurückzufallen."Notiert in DÜSSELDORF

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