Die CDU ist ein Kanzlerwahlverein

In Köln, in der Stadt von Konrad Adenauer, waren die Maßstäbe hoch. Sollten es 100 Prozent sein? Nicht ganz. Aber an 96,7 Prozent Zustimmung für die Parteivorsitzende Angela Merkel gibt es auch nichts zu meckern. Es war ein glatter Auftakt. Aus diesem Parteitag wird die nordrhein-westfälische CDU Hoffnung schöpfen.

Merkel hielt eine Rede zur Lage der Nation. Ein reiches Land wie Deutschland ist ein Land, das viel zu verlieren hat. In der Politik verkörpert keiner besser als Merkel die latenten Abstiegsängste. Sie spricht oft darüber, dass wir bald den Anschluss (Digitalisierung) verlieren, dass andere besser (China) werden oder dass eine satte, eine alternde Gesellschaft erlahmt. Immer geht es darum, aus einer Krise stärker denn je hervorzugehen. Merkel-Reden sind weder besonders effektvoll noch amüsant. Aber sie treffen die Stimmung.

Die CDU ist die Partei für das Bruttosozialprodukt. So sieht sie sich, und so imponiert sie auch anderen. Sie steht überdies für einen gnadenlosen Siegeswillen. Keine Partei identifiziert sich so stark mit Macht wie die CDU, keine ist so selbstverständlich an der Regierung. Und keine verdrängt Schwächen besser. Die Christdemokraten stellen eine einzige Landesregierung ohne Beteiligung der SPD – nur noch in Hessen. Auf Rot-Rot-Grün in Thüringen hat die Partei ebenfalls noch keine Antwort. Sie hat Merkel. Auf die Kanzlerin kommt es an.