Die Arroganz der Politik

Freihandel ist eine gute Sache. Er befördert den Wohlstand. Er bringt Menschen und Völker zusammen, die sich sonst die Köpfe einschlügen. Der offene Handel über Grenzen hinweg war seit jeher ein wichtiger Garant für ein friedliches Miteinander auf der Welt. Warum also die ganze Aufregung um TTIP? Hört man den Befürwortern aus Wirtschaft und Politik zu, dann haben die TTIP-Kritiker keine Ahnung, dafür aber umso mehr irrationale Ängste. Das trifft nicht zu.

Eine Mehrheit der Deutschen lehnt das Freihandelsabkommen ab – nicht wegen des Chlorhühnchens; und auch nicht, weil sie etwas dagegen hätten, dass Daimler in den USA künftig die gleichen Blinker verbaut wie in Europa. Woran sich die meisten Menschen stören, ist etwas anderes: Über ihre Köpfe hinweg, hinter verschlossenen Türen, werden Umwelt, Sozial- und Gesundheitsstandards wegverhandelt. Standards, die aus Sicht der Freihändler und großen Konzerne nicht mehr sind als Handelshemmnisse, für die Bürger aber oft Ausdruck einer kulturellen, regional tief verwurzelten Errungenschaft.

Nur Ökonomen können ernsthaft davon träumen, dass Menschen überall auf der Welt das gleiche Fleisch essen, dieselben Umweltstandards gutheißen und Amazon für die ultimative Errungenschaft des Einzelhandels halten. Nein, die Mehrheit hat gute Gründe, TTIP in seiner jetzigen Form abzulehnen. Dabei geht es gar nicht gegen Freihandel. Sondern gegen die Arroganz einer Politik, die sich von Konzernen einspannen lässt, aber Sorgen der Menschen schlicht ignoriert.

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