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Ärztemangel

Deutschland droht die Wartelisten-Medizin

22.04.2009 | 09:28 Uhr
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin

Essen. Die Zahl der Mediziner in Deutschland hat seit 1991 um ein Drittel zugenommen. Trotzdem herrscht mancherorts Ärztemangel. Das hört sich widersprüchlich an, hat aber nachvollziehbare Gründe. Ärztefunktionäre fordern jetzt das, was sie immer fordern - mehr Geld.

Patienten in Deutschland müssen sich nach Ansicht der Bundesärztekammer auf eine schlechter werdende ärztliche Versorgung einstellen. Obwohl die Anzahl der Ärzte seit 1991 um dreißig Prozent gestiegen sei, nehme der Ärztemangel zu, sagte Kammer-Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery gestern in Berlin: „Wir bewegen uns auf eine Wartelisten-Medizin zu.” Zugleich forderte Montgomery bessere Arbeitsbedingungen für die deutschen Mediziner und eine höhere Bezahlung. Im Bundesgesundheitsministerium lösten diese Forderungen Empörung aus.

Arztberuf wird weiblicher

Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhört – trotz erheblich mehr Ärzten nimmt der Medizinermangel zu – ist laut Bundesärztekammer im wesentlichen mit vier Faktoren zu erklären:

Der medizinische Fortschritt hat das Spektrum diagnostischer und therapeutischer Methoden erweitert. Um die Bevölkerung auf dem aktuellen Stand der Medizin adäquat zu versorgen, sind mehr Ärzte nötig. Zudem sind chronische Erkrankungen, etwa Diabetes oder Morbus Alzheimer auf dem Vormarsch, die behandlungsintensiver sind.

Fordert mehr Geld für seine Kollegen: Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer. (Fotos: ddp)

Die deutsche Bevölkerung wird älter. Der Anteil der Menschen, die 60 Jahre und älter sind, hat seit 1991 um 23,8 Prozent zugenommen. Ältere Menschen brauchen aber eine intensivere medizinische Betreuung. Damit steigt auch der Bedarf an Ärzten.

Der Arztberuf wird weiblicher. Die Anteil von Ärztinnen hat seit 1991 um 23,6 Prozent zugenommen, aktuell sind zwei Drittel der Medizinstudenten Frauen. Da Frauen im Schnitt weniger Arbeitsstunden pro Woche leisten als Männer – etwa, weil sie ihre Kinder betreuen – müssen mehr Mediziner da sein, um das anfallende und zudem steigende Arbeitsvolumen bewältigen zu können.

Arbeitszeit der Ärzte ist gesunken

Die Arbeitszeit von Ärzten ist insgesamt gesunken, unter anderem als Folge einer Arbeitszeitgesetzgebung, mit der eine zu starke Belastung von Krankenhausärzten verhindert werden soll. 1991 arbeiteten Mediziner in Deutschland noch durchschnittlich 38,1 Stunden in der Woche, 2007 waren es nur noch 33,2 Stunden. Deshalb braucht es mehr ärztliche Schultern, auf die das Arbeitsvolumen verteilt wird.

Ärztefunktionär Montgomery wies darauf hin, dass die Arbeitsverdichtung zu „Überlastung von Mitarbeitern und Demotivation” führe. Die Arbeit in der Medizin sei unattraktiv geworden, so Montgomery. Junge Menschen seien nicht mehr bereit „ihren Lebensstil, ihre Lebensqualität und ihre Arbeitnehmerrechte” an den Pforten der Krankenhäuser oder den Eingängen von Praxen abzugeben. Deswegen müsse die Politik die Rahmenbedingungen des Berufs ändern. Dazu müssten Stellen geschaffen und Überstunden und Bürokratie abgebaut werden. Außerdem müssten die Bezahlung steigen.

„Ein starkes Stück”

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministerium kritisierte diese Forderungen am Dienstag scharf. Montgomery ignoriere offenbar, dass die Bundesregierung in den vergangenen Monaten die Bedingungen für Ärzte „strukturell und finanziell erheblich verbessert” habe. So seien die Honorare der niedergelassenen Ärzte im Vergleich zu 2007 um 3,8 Milliarden Euro gestiegen, die Krankenhäuser erhielten 3,5 Milliarden Euro mehr. In Zeiten einer Wirtschaftskrise nach noch mehr Geld zu rufen, sei ein „starkes Stück”, so der Sprecher.

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Jan Jessen

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Kommentare
22.04.2009
14:30
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von nichlinx | #27

1991 arbeiteten Mediziner in Deutschland noch durchschnittlich 38,1 Stunden in der Woche, 2007 waren es nur noch 33,2 Stunden.

Irgendwas stimmt an dieser Aussage nicht:
Entweder bezieht sich der Zeitraum auf das Wochenende oder die Stundenzahl auf die Überstunden pro Woche.

Der normale Klinikarzt ist spätestens donnerstagmittags bei dieser Arbeitsbelastung und darf von einer 50-Stunden-Woche nur träumen!

Da werden die Kinder schon mal freiwillig krank, nur um ihre Eltern zwischendurch sehen zu können. ;-)

22.04.2009
13:37
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von parteiensol | #26

Wie kann eigentlich die teure Versorgung, an der viele unheimlich viel Geld abkassieren, zu immer längeren Wartezeiten führen? Die unfähige Frau Schmidt hat das System dahin geführt. Die KV kassiert ab und bezahlen die Ärzte unter Niveau. So geht das System baden, weil die Politik versagt hat.

22.04.2009
11:55
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von blödmannsgehilfenanwärter | #25

Lasst den DerSupaTypAusDerEonWerbung mal weiter Dummes Zeug erzählen - wir anderen sind halt doof, wenn wir seiner Verschwörungstheorie nicht folgen wollen und weder Zeit noch Lust haben, sie zu wiederlegen. An so einem Unsinn halte ich mich nicht auf.

22.04.2009
11:31
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #24

@23 Ich meine ja, die Ärzte täten gut daran, ihre Standesvertreter endlich abzuschaffen.

Der Reflex war ja vor einigen Wochen da nach der Empörung über die Honorar-Regelungen. Schade, jetzt hört man nichts mehr weiter davon.

Wahrscheinlich weil die Quartalsabrechnung da ist und die Ärzte jetzt sehen, dass sie ziemlich gut gefahren sind.

Trotzdem: Endlich weg mit den Kassenärztlichen Vereinigungen. Ist doch so: Tritt einer von denen - z.B. der Montgomery - bei Anne Will auf, geht man als Patient in der nächsten Woche mit Hassgefühlen zum Arzt. Die Typen mit ihrer dreisten und beleidigend dummen Argumentation sind geradezu gefährlich für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.

Das sollten sich die Ärzte endlich klarmachen und dann den Reflex, den sie hatten - Abschaffen der Kassenärztlichen Vereinigungen - endlich in die Tat umsetzen und stattdessen direkt mit den Krankenkassen Verträge abschließen. Auf sowas muss es hinauslaufen. Alles andere geht nicht mehr so weiter. Kommt irgendwann auch ganz bestimmt (falls die FDP nicht in der nächsten Legislaturperiode die Krankenkassen alle privatisiert, was aber zum Aufstand führen würde).

(So, jetzt muss ich wirklich wieder was tun, ich war nämlich heute morgen beim Zahnarzt ;-)

22.04.2009
11:05
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von imaz | #23

@ 21
Ich sehe das genauso wie Sie. Aber Tatsache ist,
wer in dieses System reinblicken will, läuft gegen
eine Gummiwand.
Die Politiker, die eigentlich verpflichtet sind Licht
in dieses Dickicht zu bringen, sind anscheinend
völlig ahnungslos und auf Lobbyisten genau
dieser Gruppen angewiesen. Die dürfen sogar
Gesetze formulieren. Das Ergebnis kennen wir:
Gesundheitspolitisch gesehen, ein Fass ohne Boden.

22.04.2009
10:54
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #22

@17 Einen noch, den kann ich mir nicht verkneifen!

Bei Zunahme der Zahl der Mediziner in den letzten 15 Jahren um ein Drittel nimmt wahrscheinlich zwangsläufig auch die Zahl der diagnostizierten Herz- und Kreislauferkrankungen zu. Wahrscheinlich genau um ein Drittel! - Ironiemodus aus - Soviel zur Statistik ;-)

22.04.2009
10:41
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #21

@20 Aber genau deshalb, muss man doch dem Stuss, den uns die Ärztelobbyisten erzählen, gnadenlos widersprechen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn sich die Journalisten wenigsten die Mühe machen würden, aber die käuern deren Pamphlete leider immer nur eins zu eins wieder. Da ensteht beim Bürger natürlich das Gefühl der Ohnmacht. Zumal die Politiker auch nur noch nach deren Pfeife tanzen, sind sie erst einmal gewählt.

22.04.2009
10:28
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von imaz | #20

Ich glaube, man kann noch stundenlang über
das Gesundheitswesen in Deutschland dis-
kutieren. Es wird im Nichts enden.
In diesesGeflecht von Ärzten , Pharmaindustrie,
Apotheken, wer wem etwas zuschanzt, wer an
wem verdient, wer von wem abhängig ist, werden
wir als Laien nie durchschauen.
Das einzige was wir ganz genau wissen ist, wir die Beitragszahler müssen alles bezahlen

22.04.2009
10:24
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #19

Und unterschätzen sie bitte nicht den Aufwand, den eine Automobilfirma heutzutage in die Entwicklung eines Modells reinsteckt. Vergleichen sie die F+E Anteile bei VW für den Golf und bei Siemens für die CT. Ich würde sagen, dass die Aufwändungen wahrscheinlich vergleichbar sind. Relevanter ist da die Tatsache, dass der Golf ein Massenprodukt ist. Deshalb habe ich ja auch nur relativ verglichen: Was muss man selbst aufbringen, um sich das eine oder das andere leisten zu können und vor allem, wie hat sich das in den letzten 30 Jahren im Verhältnis entwickelt. So direkt, wie Sie das verstehen, hab ich nie CT und GOLF verglichen. Aber ich gebe zu, dass das nicht so einfach zu verstehen ist und hoffe, mich mit dieser Anmerkung etwas verständlicher gemacht zu haben.

22.04.2009
10:10
Deutschland droht die Wartelisten-Medizin
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #18

@17: Sorry, aber normalerweise ignoriere ich diese Art von Flaming (Informieren sie sich, sie blamieren sich, sie wollen nicht verstehen,...) Die Häufigkeit solcher Injurien wirft ein bezeichnende Bild auf den Kommentator. Verzichten Sie doch einfach darauf.

Ich habe nie behauptet, dass Ärzte Roboter sein sollen und meine Aussagen in bezug auf Dienstleistungsanteile in der Medizin etwas relativiert.

Allerdings kann man die Honorarfrage nicht unabhängig von Pharma- und Medizintechnik, etc. betrachten, denn es handelt sich schlicht um einen Verteilungskampf, den die Ärzte damit lösen wollen, dass sie für sich selbst einen immer höheren Anteil am Bruttosozialprodukt abzweigen wollen in Form von höheren Kassenbeiträgen und damit sind wir beim Thema Produktivität .

Ärzte - bzw. ihre Vertreter - sind nicht bereit, sich konstruktiv mit ihrer Fachkompetenz einzusetzen für einen vernünftigen Einsatz von Ressourcen (z.B. Kostenaspekte bei Medikamenten, Gesundheitskarte, Plädieren für eine Positiv-Liste, etc.). Statt dessen legen sie die Politiker bei Gesundheitssystem-Verhandlungen rein und lassen sie ins offene Messer laufen obwohl gerade die Ärztevertreter bei solchen Verhandlung über das Wissen verfügen sollten, was bestimmte Regelungen in der Praxis bewirken.

Bei einem durchschnittlichen Einkommen von 100.000 Euro kann ich bezüglich Honorarsituation der Ärzte keinen aktuellen Notstand erkennen, wie ihn der Herr Ärztelobbyist dramatisiert mit seiner Drohung der Wartemedizin.

Übrigens sind die Leute heute auch gerade deshalb gesünder, weil sie nicht mehr solange arbeiten müssen, wie damals (von wegen härter Arbeiten) ;-)

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