Deutscher Geheimdienst beobachtet Lage in Syrien
19.08.2012 | 12:07 Uhr 2012-08-19T12:07:00+0200
Beirut/Berlin. Ein Spionageschiff der deutschen Marine kreuzt nach einem Medienbericht vor der syrischen Küste, um Informationen über Truppenbewegungen der Armee von Machthaber Baschar al-Assad zu sammeln. Demnach habe das Flottendienstboot modernste Spionagetechnik des Bundesnachrichtendienstes (BND) an Bord.
Deutschland spielt einem Zeitungsbericht zufolge im Syrien-Konflikt eine größere Rolle als bisher bekannt. Ein Spionageschiff der Deutschen Marine kreuze vor der syrischen Küste, berichtete die „Bild am Sonntag“. Das Flottendienstboot habe modernste Spionagetechnik des Bundesnachrichtendienstes (BND) an Bord, mit der sich Truppenbewegungen bis zu 600 Kilometer tief in Syrien beobachten ließen, hieß es. Erkenntnisse, etwa über Militäreinsätze der syrischen Streitkräfte, würden an amerikanische und britische Partnerdienste weitergegeben und gelangten von dort auch an die syrischen Rebellen.
Zudem seien BND-Agenten im türkischen NATO-Stützpunkt Adana stationiert und hörten von dort aus Telefonate und Funkverkehr aus Syrien ab, berichtete das Blatt weiter. Daneben werde informeller Kontakt zu Quellen im direkten Umfeld von Präsident Baschar Assad gehalten. Ein US-Geheimdienstler wurde mit den Worten zitiert: „Kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in Syrien wie der BND.“
Kämpfe in Damaskus und an der Grenze zur Türkei
In Syrien ging unterdessen das Blutvergießen weiter. In einem Vorort der Hauptstadt Damaskus wurden Aktivisten zufolge 40 Leichen entdeckt. Alle 40 seien Schussverletzungen erlegen, ihre Identität sei allerdings nicht bekannt, sagte der Direktor der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, am Samstag. Auch sei nicht bekannt, wer die Menschen in dem Vorort Al Tal getötet habe.
BND-Chef Gerhard Schindler rechnet mit einem Regimewechsel in Syrien. In einem Zeitungsinterview sagte der Chef des Bundesnachrichtendiensts, es gebe viele Anzeichen dafür, dass die Endphase von Assads Regierung begonnen habe. Die Armee habe viele Soldaten verloren und die "Erosion" gehe weiter.
In dem Ort hatte es bis vor Kurzem schwere Kämpfe gegeben. Vor wenigen Tagen hatten die Regierungstruppen dann weite Teile des Gebietes unter ihre Kontrolle gebracht.
Nahe der Grenze zur Türkei bombardierte am Samstag ein syrisches Kampfflugzeug eine teilweise von Regimegegnern kontrollierte Kleinstadt. Acht Menschen seien bei dem Luftangriff auf Manbedsch am Nachmittag getötet und mindestens 20 verletzt worden, teilten Aktivisten vor Ort und die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.
Der Luftangriff war einer von mindestens zweien am Samstag und erfolgte wenige Stunden, nachdem die syrische Regierung in einer Erklärung die Ernennung des ehemaligen algerischen Außenministers Lakhdar Brahimi zum neuen Sondergesandten der UN und Arabischen Liga für Syrien begrüßt hatte.
Russischer Außenminister Lawrow gegen Flugverbotszone
Der russische Außenminister Sergei Lawrow sprach sich am Samstag in einem Fernsehinterview gegen die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien aus. „Das wäre eine Verletzung der Hoheitsrechte, sollte dies Gebiete (im) syrischen Territorium einschließen, und der Charta der Vereinten Nationen“, sagte Lawrow Sky News Arabia.
Für eine Flugverbotszone sprach sich hingegen der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) aus. „In der Tat glaube ich, dass Assad keine Zukunft hat“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Das wird aber nicht das Ende des Blutvergießens bedeuten. Es ist eine große humanitäre Katastrophe, die sich da abzeichnet. Deswegen stehe ich der Einrichtung einer Flugverbotszone grundsätzlich positiv gegenüber.“
Fischer äußerte sich besorgt über die Eskalation im Nahen Osten. „Die Vorstellung, dass die Lage in dieser Region eskaliert, der Ölpreis durch die Decke schießt und Europa sich in der Krise befindet, kann einem schon Angst machen“, sagte er dem Blatt. Als Grund für seine Besorgnis nannte er den Bürgerkrieg in Syrien und den Atom-Konflikt zwischen Israel und dem Iran.
Widersprüchliche Berichte über Vizepräsident
Die syrische Regierung dementierte Medienberichte, wonach Vizepräsident Faruk al Scharaa zur Opposition übergelaufen sein soll. Al Scharaa habe „zu keiner Zeit daran gedacht, das Land zu verlassen“, hieß es am Samstag in einer Erklärung seines Büros. Ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Marwan Hdschi al Rifai sagte dem arabischen Fernsehsender Al Arabija hingegen, die Aussage der Regierung sei falsch.
Unterdessen leiteten die Vereinten Nationen das Ende ihrer Beobachtermission in Syrien ein. Die noch rund 100 verbliebenen Beobachter der 300 Mann starken Mannschaft würden innerhalb der nächsten Stunden das Land verlassen, sagte UN-Sprecherin Juliette Touma am Samstag. Der UN-Sicherheitsrat hatte angesichts der gescheiterten internationalen Bemühungen um eine Eindämmung der Gewalt in Syrien das Ende der Beobachtermission beschlossen. (dapd/afp)

19:05
Ach den Russen wirft man vor, sie würden sich in den Bürgerkrieg in Syrien einmischen, aber selber Kriegsschiffe hin schicken.
Ja macht euch nur zu Handlangern der Amis, die dort den Krieg noch anheizen und mitschuldig sind an den vielfachen Toten. Es ist so erbärmlich, wie sich die Europäer verhalten.
Das Nein der Deutschen, Franzosen und Belgier zum Irak-Krieg war mal ein Lichtblick von Selber-Denken, Rückgrat und politischer Größe, aber die Bundes-Merkel wollte damals ja an der Seite der Amis in den Irak einmaschieren, da kann man sich denken, wie jetzt die "Bündnistreue" gezeigt wird.
Ich bin auch kein Freund des Regime in Damaskus, aber was sich da so Freiheitskämpfer nennt, hat nicht viel mit Demokratie am Kopf. Ist es Freiheitskampf, wenn die nichtsunnitischen Minderheiten nun massakriert werden? Ist es Freiheitskampf, wenn die Zivilbevölkerung als Schutzschild missbraucht wird?
Und unsere "Menschenfreunde" in der Politik schweigen - Schande!
Und was hat das Flottendienstboot OKER damit zu tun?
17:58
Eigentlich wüsste ich gerne wieso der BND sich so auftreibt in diesem Raum.
Selbst sehe ich überhaupt keine Veranlassung dazu.
Weiterhin würde ich auch sagen - wenn dieses Bericht stimmen sollte - das ich mich weit aus wichtigere Ansatzpunkte für Ermittlungsarbeit vorstellen kann und noch nicht einmal im Ausland!
17:38
#3
Das scheint richtig zu sein, denn das Deutschlandradio meldete soeben auch dass das Schiff in Cagliari Sardinien liegt. Ob sie allerdings zwischenzeitlich vor Syriens Küste kreuzte, ist damit aber nicht gesagt.
Doch. Ich versichere Dir, das die OKER nie vor Syrien spionierte. Das ist auch anhand der AIS- Dokumentationen belegbar. Selbst, wenn das Schiff die AIS- Signale unterdrückt, lässt sich anhand der Fahrdaten und anderer Komponenten leicht feststellen, wo es steckte. Diese Meldung ist eine Total- Ente!
17:15
Wie nennt man das in Fachkreisen? Zeitungsente!
Weder das Flottendienstboot OKER noch ein anderes Flotgtendienstboot war im Rahmen des Syrienkonflikts je vor Syrien aktiv- schlicht, weil sie nie vor Ort waren. Das Flottendienstboot OKER liegt zur Zeit im Hafen von Cgliari / Sardinien und ist erst vor wenigen Tagen im Mittelmeer angekommen. Weiter östlich als Sardinien war es dabei bislang nicht. Siehe dazu:
http://seefahrer.blog.de/2012/08/19/sardinien-syrien-hauptsache-iran-14575195/
Wie bereits in der sogenannten GORCH FOCK- Affäre spielt die BILD einmal mehr eine sehr fragwürdige Rolle. Schade, dass die Restmedien alles ungeprüft übernehmen. Auch die WAZ.
13:27
Endlich mal ein funktionierender deutscher Geheimdienst. Zwar ohne Auftrag oder gar rechtliche Legitimation und am anderen Ende, aber immerhin tut man mal was sinnvolles. Mit Nazis in der Heimat hat das ja nicht so richtig geklappt.
Da haben sich die Länder quergestellt. Sie glaubten, daß sie Staatsgeheimisse verraten wenn sie ihre Informationen an den BND weitergeben.
12:20
Schöne Übung......
...ja ist es, oder etwa doch nicht?
Ich zitiere Francis Bacon, 16. Jahrhundert: "Wissen ist Macht" :-)