Deutsche Urlauber kehren Griechenland den Rücken

Entspannte Urlaubsidylle auf Póros. Segler und Landratten schätzen die kleinen Inseln im Mittelmeer.
Entspannte Urlaubsidylle auf Póros. Segler und Landratten schätzen die kleinen Inseln im Mittelmeer.
Foto: Lottemi Doormann
Was wir bereits wissen
Seit in Athen die neue Regierung an der Macht ist, gehen die Buchungszahlen deutlich zurück. Die Tourismusbranche hatte auf neue Erfolge gehofft, jetzt kehrt sich der Trend komplett um

Athen..  Die anti-deutsche Rhetorik der neuen griechischen Regierung zeigt Wirkung: Griechenland verliert die Gunst vieler Deutscher als Reiseland. Nach Angaben des ­Verbandes der griechischen Tou­ristikunternehmen (Sete) gingen die Buchungen aus Deutschland im März gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent zurück.

Deutschland ist der wichtigste Markt für die griechischen Hoteliers. 2014 kamen 2,5 Millionen deutsche Gäste nach Hellas. Auf Platz zwei lagen mit 2,1 Millionen die Briten. Bis zum Dezember 2014 zeigten die Buchungen in Deutschland noch einen Aufwärtstrend.

Seit dem Wahlsieg des radikal-linken Bündnisses Syriza im Januar hat sich der positive Trend komplett umgekehrt. Im Februar gingen die Griechenland-Buchungen in Deutschland um 16,2 Prozent zurück, im März sogar um 25,8 Prozent.

Das harte Spardiktat als deutsche Untat

Ein Zusammenhang mit der gegen Deutschland gerichteten Kampagne der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras und seines rechtspopulistischen Koalitionspartners Panos Kammenos darf ­vermutet werden. Tsipras stellt Deutschland als treibende Kraft hinter dem „Spardiktat“ dar, das seinem Land eine „humanitäre Katastrophe“ beschert habe.

Manche Syriza-Politiker sprechen von Deutschland als dem „Vierten Reich“. Die Parteizeitung „Avgi“ präsentierte ihren ­Lesern in einer Karikatur Bundes­finanzminister Wolfgang Schäuble als KZ-Kommandanten, der aus den Griechen „Seife“ machen wollte.

Einziger Wachstumsmotor

Verteidigungsminister Kammenos drohte, wenn sich Deutschland in den Verhandlungen über weitere Kredite nicht gefügig zeige, werde Griechenland tausende Migranten nach Berlin schicken. Wenn darunter auch Dschihadisten des Terrornetzwerks IS seien, habe sich Deutschland das selbst zuzuschreiben. Sozialminister Dimitris Stratoulis erinnerte jetzt daran, Deutschland habe bereits zwei Weltkriege angezettelt und schicke sich nun an, die Eurozone zu zerstören. Außenminister Nikos Kotzias warf den Deutschen vor, sie wollten „uns er­sticken“. Für Spannungen zwischen beiden Ländern sorgen auch die von der neuen Athener Regierung erhobenen Reparationsforderungen.

Der Tourismus war im vorigen Jahr der einzige Wachstumsmotor der griechischen Wirtschaft. Die ­Besucherzahlen stiegen gegenüber 2013 um fast 23 Prozent auf 22 ­Millionen. Für dieses Jahr erwartete man beim Touristikverband einen weiteren Anstieg auf 25 Millionen. Diese Prognose erscheint nun ­fraglich, zumal auch die Buchungen in Großbritannien, dem zweit­wichtigsten Markt, stagnieren.