Deutsche und Griechen - Ende einer Freundschaft?
22.06.2011 | 17:33 Uhr 2011-06-22T17:33:00+0200
Athen. Der Euro sollte Europa einen. Jetzt entzweit die gemeinsame Währung Deutsche und Griechen. Dabei gibt es zwischen wenigen Völkern in Europa seit Jahrhunderten so enge Bindungen wie zwischen Deutschen und Griechen.
Thomas Helge zieht es nach Hellas. Wie schon einmal als Student vor über 30 Jahren, will der Studienrat mit dem Auto im Sommer die Peloponnes bereisen. Er ist besorgt: „Muss ich fürchten, dass mir die Reifen zerstochen werden, wenn ich mit deutschem Kennzeichen unterwegs bin?“, fragte er einen Freund, der in Griechenland lebt.
Deutsche und Griechen waren gute Freunde. Dann kam die Schuldenkrise. Sie hat das Verhältnis vergiftet. Die Währungsunion vereint nicht, sie spaltet – gerade Deutsche und Griechen. Angela Merkel ist die unbeliebteste ausländische Politikerin in Griechenland. Viele werfen ihr vor, sie habe mit ihrem Zögern bei den Hilfskrediten 2010 das Land erst richtig in die Krise gestürzt. Fast 84 Prozent der Griechen, so eine Umfrage, haben eine negative Meinung von der Bundeskanzlerin.
Mit Stinkefinger
Die Griechen sind enttäuscht. Sie fühlen sich unverstanden und verletzt . Vor allem von den Deutschen. Denn die hielten sie für Freunde. Bis Merkel forderte, ihnen das Stimmrecht in der EU abzunehmen. Und bis ein deutsches Nachrichtenmagazin auf seiner Titelseite die Liebesgöttin Aphrodite mit dem Stinkefinger abbildete und die Griechen als „Betrüger in der Euro-Familie“ hinstellte.
Die Zerrüttung ist besonders bedrückend, wenn man bedenkt, dass es zwischen wenigen Völkern in Europa seit Jahrhunderten so enge Bindungen gab wie zwischen Deutschen und Griechen. Für die deutschen Klassiker, für Goethe und Schiller, war Griechenland gleichbedeutend mit Humanität. Winckelmann prägte für Generationen Deutscher das Bild von der Antike, Curtius grub die Ruinen von Olympia aus.
König der Hellenen
Deutsche Philhellenen unterstützten Anfang des 19. Jahrhunderts den Aufstand der Griechen gegen die osmanischen Herrscher. Nach der Befreiung wurde ein Deutscher, Otto von Wittelsbach, erster König der Hellenen. Die Regentschaft des Bayern gehörte indes nicht zu den glücklichsten Epochen der neugriechisch-deutschen Geschichte.
Deren dunkelstes Kapitel ist die Nazi-Besatzung im Zweiten Weltkrieg. In wenigen Ländern haben Wehrmacht und SS so furchtbar gewütet wie in Griechenland. Doch schneller als andere Völker reichten die Griechen nach dem Krieg den Deutschen die Hand. Schon 1952 konnte das erste Goethe-Institut im Ausland in Athen eröffnet werden. 1956 absolvierte Bundespräsident Heuss seinen ersten Staatsbesuch im Ausland. Er führte nach Griechenland.
Über ihre Verhältnisse gelebt
Deutschland erlebte sein Wirtschaftswunder, Griechenland blieb ein armes Land. Hunderttausende wanderten in den 60er-Jahren aus, die meisten nach Deutschland. Den Beitritt Griechenlands zur EWG 1981 feierten viele als „Rückkehr Europas zu seinen Wurzeln“. Der Euro sollte zwei Jahrzehnte später jene Klammer sein, die dieses Europa zusammenhält. Doch jetzt ist es ausgerechnet die gemeinsame Währung, die Griechen und Deutsche entzweit.
Die Griechen geben mehr aus als sie verdienten, lautet ein berechtigter Vorwurf. Doch daran haben die Deutschen gut verdient. Miele-Waschmaschinen, Grundig-Radios, ein Opel: das waren schon in den 60er-Jahren geschätzte Statussymbole in Griechenland – auch weil sie für die meisten Menschen unbezahlbar waren. Mit dem Beitritt zur EWG 1981 schlug die große Stunde der deutschen Exporteure, die Zollschranken fielen.
Der Euro verführte die Griechen mit billigen Krediten zu Anschaffungen, die sie sich mit der Drachme nie hätten leisten können. Auf die Bevölkerungszahl umgerechnet gebe es in Athen mehr Porsche, BMW und Mercedes als in jeder deutschen Stadt, heißt es. Ob die Statistik stimmt, ist nicht genau zu eruieren, aber der Augenschein spricht dafür.
Rüstungsgeschäfte
Auch die Vertreter der deutschen Rüstungsindustrie gaben sich in Athen die Klinke in die Hand. Deutschland lieferte Panzer und Geländewagen, Unimogs und U-Boote. Selbst als die griechische Finanzmisere längst offensichtlich war, drängte Kanzlerin Merkel den damaligen Premier zum Kauf milliardenteurer Eurofighter.
Studienrat Helge wird übrigens doch nicht nach Griechenland fahren. Er hat in der Tagesschau die Bilder von den Ausschreitungen auf dem Athener Syntagmaplatz gesehen, in den Zeitungen von Streiks und Stromabschaltungen gelesen. „Bei aller Freundschaft – das brauche ich im Urlaub nicht.“

14:19
@25 von fatih
Nochmals,
Sie sollten sich ihre Infos nicht nur beim Spiegel holen. Prof. Albrecht Ritschl ist nicht unumstritten. Der Autor des Artikels, aus dem sie ihr Wissen haben,
Deutschland ist der größte Schuldensünder des 20. Jahrhunderts
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769052,00.html
Yasmin El-Sharif , hätte mit in Deutschland lehrenden Professoren ein Gespräch über dieses Thema führen können. Allerdings sehe der Inhalt des Artikels anders aus.
Zu Prof. Ritschl, dem Interviewpartner von Yasmin El-Sharif finden sie bei WIIPEDIA einige Infos.
Der wichtigste Satz ist ;
Ritschl unternahm mehrere Reinterpretationsversuche der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Dabei blieb es dann auch.
Hier der Link zu Prof. Ritschl
http://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_Ritschl_(Wirtschaftshistoriker)
Weitere Infos können sie sich, z.B. hier anlesen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Reparationen_nach_dem_Ersten_Weltkrieg#Ende_der_Reparationszahlungen
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/1009/magazin/0001/index.html
http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_17844/DE/BMF__Startseite/Service/Downloads/Abt__I/17087__0,templateId=raw,property=publicationFile.pdf
Am Sonntag, 06. Dezember 2009, schrieb N-TV.
http://www.n-tv.de/politik/dossier/Erster-Weltkrieg-endet-2010-article627607.html
Zitat:
Erster Weltkrieg endet 2010
Es ist nur ein kleiner Haushaltsposten, der hinter Hunderten Milliarden Euro für Banken und Konjunkturpakete verblasst. Und es ist ein Posten, der kommende Generationen nicht mehr belasten wird. 2010 werden die letzten Folgeschulden des Ersten Weltkriegs getilgt sein - die fehlenden 56 Millionen Euro sollen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums bis zum 3. Oktober kommenden Jahres, dem 20. Jahrestag der Wiedervereinigung, beglichen werden. Damit enden die Langzeitfolgen des Versailler Vertrags, der in …......
Zitat Ende:
13:03
@fatih
Ihr Aussage das Deutschland seine Rückzahlungen (Reparationszahlungen) nicht geleistet hat ist eindeutig falsch, und wird auch nicht wahrer, wenn Sie diese Aussage, zu verschiedenen Griechenlandberichten, mehrmals Posten.
2010 wurden die letzten Forderungen beglichen.
Quelle:
http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-10/weltkrieg-schulden-deutschland
12:49
Ich überlege gerade, ob ich das Abo von dem Revolverblatt WAZ kündige. Mit seriösem Journalismus hat dieser Artikel relativ wenig zu tun. Die Qualität der WAZ nimmt immer mehr ab (wenn ich nur an die Rechtschreibkenntnisse einiger Schreiberlinge denke) und auch die Schlagzeilen begeben sich immer mehr auf des Niveau der Bild.
12:35
Schade, liebe WAZ. Mit der Karikatur auf der Titelseite begebt Ihr Euch immer mehr auf Bild Zeitungsniveau. Diese Zeichnung war weder originell noch gut. Sie war einfach nur populistisch.
11:37
Zu kommentar 33 von Valbino , am 23.06.2011 um 11:24
Sie sprechen die Renten, für heute OK.
Nur die jetzige Jugend steht im Regen. Jetzt müssen Sie zahlen, bekommen aber kaum was.
Ausbildung ??? Billigjobs ???
Arbeiter aus dem Osten drängen immer stärker auf unseren Binnenmarkt !!!
Eine Lebensplanung ist kaum noch möglich !!!!
.
11:24
Und auch hier wieder HartzIV Jammerei und uns geht es allen ja so schlecht. Hat mal irgendwer drüber nachgedacht, dass es uns hier wohl derzeit so gut geht wie nie zuvor und nie mehr. Wenn ich mir die Rentner anseh, die schon länger solche sind: die haben Renten, wie sie niemand mehr haben wird. Wenn ich mir die Versorgung in Pflegeheimen anseh: wer sie nicht zahlen kann, dem bezahlt sie das Sozialamt; im Einzelzimmer rundum. Wer nciht krankenversichert ist...all incl Sozialamt. Ich bin gestern mit meinem Sohn an einem innerstädtischen Platz vorbei gegangen, da standen 6 Leute um die 50 mit Bierflaschen (und das waren dem wanken nach zu urteilen nicht die ersten Flaschen). Mein Kind wollte wissen, was das für Leute sind und ich hab ihm dann gesagt, dass wir in einem so miesen Staat leben, dass sich hier im Grunde niemand sorgen muss, weil letzten Endes immer wer da ist, der für alles aufkommt.
Und ich habe auch nicht feststellen können, dass der Euro uns in irgendeiner Weise geschadet hat. Auch die sog. Wirtschaftskrise ist doch an Deutschland fast merklos vorbei gegangen. Musste irgendwerauch nur mittelfristig den Gürtel enger schnallen?
Hier wir auf einem sehr hohen Niveau gejammert und vielleicht sollte der ein oder andere sich dessen mal bewusst werden.
11:23
Frau Schulze, im Wettbewerb um Auflage und Webseiten-Klicks fühlt sich Der Westen nicht mehr dem Ausgleich und Frieden verpflichtet, sondern setzt vermehrt auf das Mittel der Zuspitzung. Der fragwürdige Erfolg der Bild-Zeitung lehrt solches Geschäftsgebaren.
11:20
Was für ein Unsinn. Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Oben und Unten, zwischen Reich und Arm.
10:57
Irrtum - nicht der Kapitalismus, sondern der Kommunismus wurde erfunden. Und was die Jünger von Marx und Engels angerichtet haben, ist allgemein bekannt. Ob sie nun Lenin, Stalin oder Mao hießen. Nach dem Ende der kommunistischen Diktatoren zerfiel nach und nach auch das kommunistische System. Weil es eben nur mit Gewalt aufrecht erhalten werden kann.
10:54
Dieser Artikel trägt ungemein zu einem guten Verhältnis zwischen Griechen und Deutschen bei. Die deutsche Bevölkerung wird durch die Berichterstattung der Medien aufgehetzt. Da kann man sich nur schämen. Griechenland lebt vom Tourismus, durch solche Artikel zerstören nicht nur die Freundschaft, sondern weitaus mehr.