Der zweite Schlag für die Familien

Selbst Helikopter-Flüge über die Absturzstelle könnten für die Angehörigen unter Umständen organisiert werden.
Selbst Helikopter-Flüge über die Absturzstelle könnten für die Angehörigen unter Umständen organisiert werden.
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Was wir bereits wissen
Die Nachricht von der Absturzursache ereilt viele Angehörige der Opfer am Flughafen von Marseille. Der Schock für die Hinterbliebenen muss unermesslich sein. Die Behörden tun alles, um ihnen zu helfen.

Paris/Seyne-les-Alpes. Bevor der französische Staatsanwalt Brice Robin am Vormittag auf seiner Pressekonferenz auf dem Flughafen von Marseille die unfassbaren Erkenntnisse mitteilt, die die Auswertung des Stimmenrekorders erbrachte, überbringt Robin die Nachricht zunächst den Angehörigen der Absturzopfer. Die Menschen waren aus Deutschland und Spanien nach Frankreich gereist – um ihren verstorbenen Angehörigen irgendwie nahe zu sein, und um Antworten auf die drängende Frage zu bekommen, die sie seit Dienstag umtreibt: „Warum?“

Den Schock, den Robins Erläuterungen über den wohl absichtlich vom Co-Piloten des Airbus herbeigeführten Absturz bei den Trauernden ausgelöst haben muss, kann man sich wohl kaum vorstellen. Die französischen Behörden sorgen dafür, dass die in drei von der Lufthansa gestellten Flüge aus Barcelona und Düsseldorf eintreffenden Familien vollständig abgeschirmt werden. Unter anderem ist ein größerer Teil des Flughafengebäudes in Marseille mit blickdichten Vorhängen verhängt worden.

Flugzeug-Katastrophe Nach der Zusammenkunft mit dem Staatsanwalt steigen die von Psychologen und Seelsorgern begleiten Angehörigen in Busse, die sie in die Nähe des Absturzortes nach Seyne-les-Alpes bringen. Dort besuchen die Angehörigen zuerst das Jugendzentrum des Bergdorfes, wo eine Trauerkapelle eingerichtet wurde. „Wir versuchen, allen Wünschen der Trauernden entgegenzukommen, um ihnen diesen schweren Gang, soweit das überhaupt möglich ist, zu erleichtern“, versichert einer der Betreuer vor Ort. Selbst Helikopter-Flüge über die Absturzstelle könnten unter Umständen organisiert werden.

Spontan Zimmer bereitgestellt

Diese vom französischen Staatspräsidenten François Hollande persönlich angeordnete Versorgung der Angehörigen schließt nicht nur die Hilfe von mehreren Psychologen-Teams und rund 40 Dolmetschern ein. Auch Übernachtungsmöglichkeiten in nahegelegen Ferienhäusern oder bei Privatpersonen, die spontan Zimmer zur Verfügung stellten, wurden in großer Zahl bereitgestellt. Allerdings wollen die meisten Familien am Abend wieder heimfliegen.

Unglück Der Ort der Katastrophe ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Ermittlungen. Immer wieder sind auf den Straßen Experten der französischen Luftfahrt-Untersuchungsbehörde BEA in ihren Dienstwagen zu sehen. Sie werden von Experten aus Deutschland und Spanien unterstützt. Auch in den Gesichtern der Männer und Frauen spiegeln sich die Trauer und das Entsetzen dieser Tage.

Schwierige Bergungsarbeiten

Derweil gehen die schwierigen Bergungsarbeiten weiter. Sie konzentrieren sich in dem nur schwer zugänglichen Gelände rund um den Unglücksort an diesem Tag nicht mehr allein auf die Suche nach der zweiten Blackbox, auf dem die Flugdaten aufgezeichnet sind und von denen sich die Behörden weitere Aufschlüsse über den Unglücksflug erhoffen. Auch der Abtransport der sterblichen Überreste der Getöteten hat inzwischen begonnen. „Das wird mich wohl für immer verfolgen“, kommentiert einer der mit dieser traumatisierenden Aufgabe betrauten Gendarmen und stößt dann hervor: „Mir will einfach nicht in den Kopf, wie ein junger Typ so etwas machen kann!“

Die Fassungslosigkeit über die Tat des Mannes, der sich und 149 Menschen absichtlich in den Tod flog, ist vielleicht nirgendwo größer als rings um den das ganze Grauen dieses Dramas dokumentierenden Absturzorts.