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Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen

25.07.2013 | 17:08 Uhr
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
Die nordrhein-westfälischen Grünen wollen Pädophilie-Vorwürfe aus der Gründungsphase des Landesverbandes aufklären. Foto: Getty

Düsseldorf/Kamp-Lintfort.   Ein inzwischen verstorbenes Mitglied des Landesvorstandes der Grünen in NRW soll in der 80er Jahren zwei Jungen sexuell missbraucht haben. Die Jungen von einst lebten in einer WG in Kamp-Linfort. Erneut stellt sich die Frage, wie weit die Grünen tatsächlich in pädophile Vorgänge verstrickt sind.

Gewaltfreier Sexualverkehr zwischen Eltern und Kindern muss straffrei bleiben – diese Forderung nahmen die Grünen 1985 in ihr Wahlprogramm in NRW auf. Doch während der entsprechende Beschluss des Parteitags in Lüdenscheid in einem Leitz-Ordner schwarz auf weiß archiviert und bis heute unter „Protokolle LDK 4/83“ einsehbar ist, blieb die Seelenpein zweier Männer bislang verborgen.

Jetzt haben die Jungen von einst ihr Schweigen gebrochen. Jahrelang seien sie sexuell missbraucht worden – von einem inzwischen verstorbenen Mitglied des Grünen-Landesvorstandes in NRW.

Bei den Opfern handelt es sich laut „Welt am Sonntag“ um ehemalige Mitbewohner einer Wohngemeinschaft in Kamp-Lintfort . Dort sei es in den 80er-Jahren regelmäßig zu sexuellen Übergriffen gekommen. Die links-alternative Lebensgemeinschaft gehörte zur Emmaus-Gemeinschaft, deren Vorsitzender der jetzt beschuldigte Grünen-Politiker war.

Tägliche Übergriffe zwischen 1979 und 1984

Die beiden Opfer berichten für die Zeit von 1979 bis 1984 von täglichen Übergriffen. „Die Kinder von damals haben alle mit den Folgen zu kämpfen“, sagen sie. Einige der insgesamt zehn Opfer hätten nur durch Psychopharmaka überlebt. Manchmal habe eine Mutter die männlichen Mitbewohner ermahnt, die Finger von den Kindern zu lassen. Doch das sei sinnlos gewesen. Über die WG habe es überall geheißen, ,,da leben die Pädophilen“.

Die Opfer, die zum Zeitpunkt ihres Missbrauchs zwölf Jahre alt waren, erlebten mit, wie die Grünen bei einem Kinder- und Jugendkongress in ihrem Haus, einem ehemaligen Landschulheim, offen über Sex mit Kindern sprachen. Bei Kaffee und Kuchen sei es lediglich um die Altersgrenze gegangen. Für ihre Aussagen hinterlegten sie eidesstattliche Versicherungen.

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Grüne wollen Missbrauchsvorwurf aufklären

Die nordrhein-westfälischen Grünen wollen Pädophilie-Vorwürfe gegen ein mittlerweile gestorbenes Vorstandsmitglied aufklären. Medien hatten berichtet, dass der Mann in Kamp-Lintfort in den 80er Jahren eine Wohngruppe leitete, in der es zu Übergriffen auf Minderjährige gekommen sei.

Die heutige Parteispitze um Cem Özdemir zeigt sich bestürzt und verweist auf eine Aufklärungsstudie von der Uni Göttingen. Doch während deren Ergebnis erst Ende 2014 vorliegt, wird die Erklärungsnot bei den Grünen immer größer. Hatte die Partei zunächst behauptet, dass es niemals einen Beschluss zum Thema „Sex mit Kindern“ gegeben habe, ist das Gegenteil inzwischen erwiesen. Besagtes Arbeitspapier wurde unter dem Titel „Sexualität und Herrschaft“ auf dem Lüdenscheider Parteitag 1985 verabschiedet.

Michael Vesper bestätigt Parteitagsbeschluss

Jeder hätte es erfahren können. Zum Beispiel durch Gespräche mit Zeitzeugen wie Michael Vesper. 1985 war er Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der Grünen und nahm an Landesparteitagen teil. „Die Grünen waren nie eine Partei von Pädophilen oder Päderasten “, stellt er heute fest. „Aber was damals passiert ist, war Ausfluss einer weit verbreiteten falschen Toleranz.

Auf den Parteitagen kamen die Stadtindianer an und brachten Kinder mit. Die waren zwischen sechs und sieben Jahre alt und teilweise sehr aggressiv.“ Man sei genervt gewesen und habe falsch auf diese Gruppierung reagiert. Zum Beispiel bei antrainierten Sprüchen wie „Sex mit Papa ist herrlich“. Die Panne mit dem Parteitagsbeschluss habe die Grünen schließlich den Einzug ins Landesparlament gekostet, „da sind wir abgeschmiert“, sagt Vesper heute.

Dass es im Umfeld der Grünen nicht zu Übergriffen auf Kinder kam, kann angesichts der Aussage besagter Opfer bezweifelt werden. Auslöser für die Päderasten-Debatte, die die Grünen mitten im Bundestagswahlkampf trifft, war jedoch Daniel Cohn-Bendit.

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Pädophilie ist das dunkle Kapitel der Grünen

CSU-Generalsekretär Dobrindt hat den Grünen-Politiker Cohn-Bendit als „widerwärtigen Pädophilen“ bezeichnet. „Die Grünen halten ihre schützende Hand über einen Pädophilen“, sagte Dobrindt in Berlin. Lemke, Bundesgeschäftsführerin der Grünen, warf dem CSU-Politiker eine Verleumdungskampagne vor.

Der frühere Studentenführer und heutige grüne EU-Politiker hat durch seine Einlassungen über seine Arbeit in einem Frankfurter Kinderladen in den 70er-Jahren Befremden ausgelöst. Ein Grüner, der von der Erotik der Kinder schwärmt und über geöffnete Hosenschlitze spricht, ist aus heutiger Sicht ein ,,no go“.

Cohn-Bendit brachte Stein ins Rollen

Nicht nur Cohn-Bendits Gedanken, nachzulesen in seinem Buch „Der große Basar“, werfen Fragen auf. „Letztes Jahr hat mich ein 6-Jähriges Genossenmädchen verführt. Es war eines der schönsten und sprachlosesten Erlebnisse, die ich je hatte.

Vielleicht war es so schön, weil es so sprachlos war. Es war das einzige Mal, wo es mir nicht zu früh kam. Aber das war nicht wichtig in dem Moment, und es ist auch jetzt nicht wichtig, ein Traktat über das Für und Wider von Päderastie zu schreiben“, schrieb Cohn-Bendit im etwa ,,Pflasterstrand“ von 1978.

Angesichts der pädokriminellen Kapitel in der Grünen-Parteigeschichte, in der es eine AG für Schwule und Päderasten oder die pädosexuelle Indianerkommune gab, fällt es manchen schwer, Cohn-Bendits Entschuldigung, „meine Worte von einst sind schlechte Literatur, Provokation und leider eine Anleitung für Pädophile“ zu trauen. Eckard Stratmann-Mertens, Mitbegründer der Grünen, wirft seinem ehemaligen Parteifreund offen vor, zu lügen.

Norbert Denef, als Kind von einem Priester missbraucht und vom Bistum Magdeburg mit 25.000 Euro entschädigt, fordert von den Grünen personelle Konsequenzen. Denef, Vorsitzender des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt, findet: „Cohn-Bendit muss zurücktreten.“ Doch die Grünen haben genug mit sich zu tun. Eine Stellungnahme zu Cohn-Bendit gibt es nicht.

Silke Hoock



Kommentare
16.09.2013
16:31
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von Harway | #34

Zuerst Frau Höhn 4,50 € für eine Putzfrau und jetzt der Saubermann der Herr Trittin mit dem Pädophilie-Skandal. Gute Nacht Deutschland.

28.07.2013
00:30
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von buerger99 | #33

Und hat sich Tritin schon gemeldet. Der reißt doch sonst immer den Mund so weit auf.
Oder sind die alle in Volldenkung gegangen ?

1 Antwort
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von WhiteKnight64 | #33-1

Die fleischgewordene Worthülse?

27.07.2013
18:24
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von matir | #32

#30 und wenn sie nicht mehr weiter wissen, wird die Nazi-Keule geschwungen oder der Homophobie beschuldigt, denn gesunde Familienstrukturen erschweren diesen Schwerverbrechern ihre Taten.

27.07.2013
15:32
Der eigentlich Skandal ist die ständige Verharmlosung
von WhiteKnight64 | #31

@Cebulon
Mit Ihrem Beitrag liefern Sie einen weiteren Beweis dafür wie man in Ihren Kreisen dieses Thema verharmlosen will. Besonders schäbig ist dabei, der Hinweis darauf das sich Herrn Cohn-Bendit von seinen Machwerken (z. B.: Der große Basar) distanziert. Klar, wenn man in die Ecke gedrängt wird, distanziert man sich halt mal eben von seinen (früheren?) Neigungen. Schön, dass das für Sie ausreicht. Und der Hinweis darauf, dass er nicht angeklagt wurde und dabei als Phädophiler entlarvt wurde, schlägt dem Fass den Boden aus. Er hat sich in seinen Machwerken zudem doch selbst entlarvt. Das es hier keine Ermittlungen gab, obwohl hinreichender Tatverdacht auf Grund seines eigenen Geschreibsels bestand, ist nur ein weiterer Skandal.
Bitte reden Sie nicht alles immer nur schön und kritisieren Sie Andersdenkende nicht dahingehend in der Art, als wenn Sie der Meinung wären, dass diese nicht in in der Lage wären sich eine Meinung zu bilden.

27.07.2013
07:12
Einfach den Ball flach halten. Ich glaube kaum,....
von Cebulon | #30

....dass der Anteil Pädophiler bei den Grünen überdurchschnittlich ist. Ich kann mich erinnern, daß die Debatte über Sex mit Kindern, uns, die mit den Grünen symphatisierten, ziemlich abgeschreckt hatte.

DIe Grünen wollen ihre eigene Geschichte aufarbeiten (http://www.gruene.de/partei/wissenschaftlich-fundierte-aufarbeitung.html). Das wird was dauern. Warten wir es ab.

Daniel Cohn-Bendit hat sich von seinen Altern Texten distanziert. Es hat keine Klagen gegeben, die ihn als Pädophilen entlarvten.

Es gibt einige Parteien, die sich mit ihrer Vergangenheitsbewältigun schwerer taten, zumindest, was die Verdrängung der nationalsozialistische Vergangenheit einiger Mitglieder anbelangte.

Es ist auszuschließen, daß die Grünen im Falle der Regierungsübernahme ein Gesetz zugunsten der Pädophilen verabschieden würden. Auch die amerikanischen Demokraten als klassische Südstaatenpartei werden kaum den Sklavenhandel einführen, vor allem nicht, wo sie den ersten schwarzen Präsidenten stellen.

26.07.2013
19:27
Es ist bemerkenswert,
von traurigeWahrheit | #29

das ausgerechnet die, die die katholische Kirche (zu Recht!) für ihre Missbrauchsfälle durch das Land jagen, in diesenm Fall so auffällig ruhig sind. Wird bei "spon" über das Thema geschrieben? Beim "stern"? In der "Zeit"? Oder bei der Alpen Prawda""süddeutsche"? Schön, das wenigstens die Funke Gruppe das Thema mal aufgreift!

Claudia Roth, die heute noch stolz ist, in Bayern aus der Kirche ausgetreten zu sein, schweigt lieber, als Partei von Cohn Bendit und Volker Roth zu kritisieren. Wie erbärmlich ist das nur. Sie schämt sich für alles und jeden, nur dafür nicht.

Die Grünen sind deshalb die Lieblinge der Öffentlichkeit, weil vor allem unter Journalisten sehr viele Grün Wähler sind. Da wird dann auch mal ein Auge zugedrückt, selbst, wenn es um so furchtbare Dinge wie die Stadtindianer geht. Ich erwarte einfach mal, das die Grünen, die in den 80er Jahren sogar gewalttätige Ausschreitungen am 1.Mai in Berlin sympathisch fanden, genauso in Verantwortung gehen, wie alle anderen auch

26.07.2013
18:03
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von Soccer01 | #28

Diese v e r m e i n t l i c h "besseren" Menschen offenbaren wieder einmal ihr wahres Gesicht! Das macht diese merkwürdigen grünen Männlein und Weiblein nur noch unsympathischer. Halten sich und ihre Moral für den Maßstab und bilden sich ein die Mehrheitsgesellschaft belehren zu müssen.

3 Antworten
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von woelly | #28-1

Sie kennen offensichtlich auch einige dieser bemerkenswerten Damen- und Herrschaften, die uns Deutschen ihre Lebensweisheiten aufzwingen wollen. Immer schön lansam fahren, nicht rauchen, viel Steuern zahlen, immer nur Radfahren und den ÖPNV nutzen, kein Fleisch essen, nicht in den Urlaub fliegen und immer lieb zu Kindern sein. Nein, die wollen wir nicht!

Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von StanislasLefort | #28-2

@woelly: Soziale und umweltrelevante Probleme kann man mit euch dann aber auch nicht lösen, oder?
Und natürlich weiß ich dass gewisse Dinge nur insofern ein "Aufzwingen" sind, wie beispielsweise Tempo 50 innerhalb von Ortschaften ein "Aufzwingen" ist.

Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von woelly | #28-3

Selbtsverständlich kann man mit uns und mir, sinnvolle und richtige, sozialverträgliche und umweltrelevante Probleme lösen! Aber was die Grünen Deutschland da in ihrem Wahlprogramm aufzwingen wollen, geht eindeutig zu weit! Der mündige Bürger weiß das aber zu verhindern!

26.07.2013
17:38
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von woelly | #27

Die SPD rühmt sich ihrer 150 jährigen Geschichte. Die CDU-CSU kann auch auf eine lange Tradition zurück blicken! Die Geschichte der Grünen ist nach nur 30 Jahren schon gehörig versaut! Die können gerne Politik machen, sollten sich aber nicht pädophil gebährden! Dies Leute sollten in Deutschland nicht in ein Regierungsamt gewählt werden!

26.07.2013
17:24
Der verdrängte Pädophilie-Skandal bei den Grünen
von zool | #26

Pädophiele gibt es leider überall, ob Männer, Frauen, Arbeitslose, Ingeneure, Ärzte, Kindergärtner, Richter, Räuber, reiche, arme, gläubige, religionslose, schlaue, dumme und was man sonst noch für Kriterien aufzählen könnte.
Das schlimmste in meinen Augen sind aber die Politiker unter ihnen. Denn solange da noch Pädophiele sitzen, wird es nie angemessene Strafen für die Täter geben. Und das beschränkt sich nicht auf eine einzige Partei.

26.07.2013
17:23
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #25

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